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  • Annika Simon
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  • 01.06.2017

Warum Anästhesist werden?

Anästhesie gehört zu den großen Querschnittfächern und wird von Laien oft mit schlafenden und Kaffee-befleckten Ärzten im OP verbunden. Aber ist die Durchführung einer Narkose wirklich so einfach und langweilig? Warum sollte man nach dem Studium Anästhesie wählen? Als kleine Entscheidungshilfe haben wir einige Gründe dafür und dagegen gesammelt – natürlich mit einem Augenzwinkern.

5 mal Pro: Sitzgelegenheit immer in Reichweite

1. Hoher Komfort bei Endlos-OPs: Während die Chirurgen acht Stunden fleißig die Haken halten, machst du es dir auf dem bequemen Bürostuhl gemütlich.


2. Regelmäßige Pausen: Nach der Frühstücks-, Mittags- und Kaffeepause bittest du den ablösenden Oberarzt, nun aber keine weitere Pause mehr machen zu müssen. Zuviel Pause macht ja einen schlechten Eindruck bei den chirurgischen Kollegen.


3. Nette Pflegekräfte: Überarbeitete Schwestern? Genervte Krankenpfleger? Kennst du nur aus Erzählungen der internistischen Kollegen. Durch zahlreiche Pausen und Ablösungen ist die Anästhesiepflege stets entspannt und kümmert sich rührend um ihren jeweils einzigen Patienten. Du musst sogar fast aufpassen, dass sie dir noch Arbeit übrig lässt.


4. Ohne dich geht gar nichts: Die Chirurgen können noch so jammern und jaulen – ohne deine offizielle OP-Freigabe dürfen sie dem Patienten kein Härchen krümmen. Da sitzt du als Anästhesist eindeutig am längeren Hebel.


5. Anästhesie ist ein abwechslungsreiches Fach: Endlos-OPs sind dir auf Dauer doch ein wenig zu langweilig? Kein Problem! Durch Pflichtrotationen auf Intensiv, in die Schmerztherapie oder durch Einsätze als Notarzt bringst du Feuer in den Arbeitsalltag.

 

5 mal Contra: Zu nah am Narkosegas?

1. Abhängigkeit von den Chirurgen: Auch wenn du mit deiner Freigabe den Startschuss erteilst. Manchmal dauert es ewig, bis die Chirurgen endlich fertig sind. Das kann nerven. Besonders kurz vor Feierabend.


2. Die Nähe zum Narkosegas: Wirkt sich regelmäßige Exposition gegenüber Narkosegasen negativ auf den Anästhesisten aus? Bislang fehlen jedenfalls aussagekräftige Studien.


3. Sodbrennen und Übergewicht: Zuviel Kaffee und stundenlanges Sitzen – das kann schon mal auf Magen und Hüfte schlagen.


4. Hoffnungslose Fälle: Einige Patienten werden schon halb tot in den OP geschoben, alle Venen sind kollabiert und trotz Adrenalin non stop verstirbt der Patient eine halbe Stunde später auf der Intensivstation. Anästhesie kann auch frustrierend sein.


5. Langeweile: Der Patient ist ein junger ansonsten kerngesunder Mann, die Narkose läuft wie eine Eins, aber die Chirurgen werden einfach nicht fertig mit der Kreuzband-OP? Gleichzeitig ist draußen schönstes Sommerwetter und du hattest bereits drei Ablösungen? Jetzt könnte durchaus einmal Langeweile aufkommen…

 

Fazit: Noch unsicher? Einfach mal ausprobieren!

Anästhesie ist wesentlich mehr als nur „Narkose machen“. So arbeiten die Fachärzte z.B. auch in der Schmerztherapie, als Intensivmediziner oder als Notarzt. Durch die extreme Heterogenität des Patientenguts, ist regelmäßig interdisziplinäres Wissen gefragt und auch Fans von kleinen invasiven Eingriffen, wie etwa der ZVK-Anlage, kommen auf ihre Kosten.

Für alle Untentschlossenen gilt: Wer schon nach einem Jahr feststellt, dass er nicht ewig im OP bleiben will, kann immer noch problemlos als Notarzt seine Kreise ziehen. Also keine Panik vor der großen Entscheidung und erstmal ausprobieren.

 

Weiterführende Links

- Homepage der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin

- SWR2 Dokumentation über Narkoserisiken

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