• Fotodokumentation
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  • Ulrike Rostan
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  • 12.01.2008

Plastische Operation am Kopf - Teil 1

Plastische Chirurgie wird häufig mit Schönheitschirurgie gleichgesetzt. Doch neben der Ästhetik muss der Plastische Chirurg auch die Funktion des Organs erhalten bzw. wieder herstellen. Zwei Redakteure der Via medici Redaktion konnten im Marienhospital in Stuttgart in der Klinik für Plastische Chirurgie des Gesichtes eine eher seltene Operation mitverfolgen und für Sie fotografieren. Dr. Helmut Fischer, Oberarzt, Dr. Schober, Asssistenzarzt und Dr. Phillips, AiP, führten die 3-4-stündige Operation durch.

Die Bilder sind zu Lehrzwecken für Medizinstudenten gedacht und unterliegen dem Copyright. Keinesfalls dürfen Bilder kopiert und anderweitig gespeichert bzw. weiterverwendet werden. Die Aufnahmen entstanden mit freundlicher Genehmigung des Leiters der Klinik für Plastische Chirurgie des Marienhospitals Stuttgart.

 

Vorgeschichte

Vor 2 Jahren wurde auf der Stirn des 30-jährigen Patienten ein Dermatofibrosarkom diagnostiziert. Die behandelnden Ärzte exzidierten den äußerst bösartigen Tumor damals großflächig im Gesunden. In den letzten 2 Jahre ist glücklicherweise kein Rezidiv des Tumors aufgetreten.

 

Der Tumor auf der Stirn des Patienten

 

Hautdefekt bevor der Expander implantiert wurde

 

Die großflächige fronto-parietale Wunde wurde vor 2 Jahren nach der Tumorexzision vorübergehend mit Spalthaut gedeckt. Da die Spalthaut auf dem abgefrästen Schädel sehr instabil ist, haben sich erwartungsgemäß Erosionen in der neuen Haut gebildet. Das Ziel dieser Operation war es nun, den behaarten Kopf mit einem expandierten Kopfhautlappen und die Stirn mit einem unbehaarten Vollhauttransplantat wieder herzustellen und damit einem ästhetisch ansprechenderen und funktionell guten Resultat näher zu kommen.

 

Erosionen im Spathauttransplantat Kranial-occipital stülpt der Expander die Kopfhaut aus

 

Um genügend Haut für einen großen Verschiebelappen zu erhalten wurde die Kopfhaut mittels eines Expanders über 4 Monate kontinuierlich gedehnt. Die plastischen Chirurgen hatten den leeren Expander vier Monate zuvor über einen Schnitt hinter dem Ohr beidseits eingefügt. Sie achteten bei der Schnittführung darauf, nicht die Durchblutung des Kopfhautlappens zu gefährden. Vorteil des Stiel-Schwenk-Lappens gegenüber einem Vollhauttransplantat ist, dass der Verschiebelappen quasi seine eigene Durchblutung mitbringt, da die Gefäßanschlüsse erhalten bleiben. Er garantiert eine gute Weichteildeckung des Schädelknochens und das Haar wächst nach der Expansion von Kopfhaut sogar noch besser!

In den Expander unter der Kopfhaut spritzen die Chirurgen pro Woche etwa 40 bis 60 ml physiologische Kochsalzlösung über ein Ventil hinter dem Ohr des Patienten. Die Menge hing davon ab, wieviel Spannung der Patient aushalten konnte.

 

Dr. Schober misst den zu deckenden Bereich aus

 

Assistenzarzt Dr. Schober misst den großflächigen Defeckt aus, der in der heutigen Operation gedeckt werden soll.

 

Die Erosionen auf der Kopfhaut sind deutlich zu sehen

 

In gleicher Weise misst er die Haut über dem Expander aus, um anschließend entscheiden zu können, wo er schneiden muss. Die Schnittlinien zeichnet er mit steriler Tinte an. "In der plastischen Chirurgie ist die Devise oft "cut and go", so Oberarzt Dr. Fischer. "Die Schnittführung hat viel mit Improvisation zu tun!" Denn jedes Mal sind die Gegebenheiten anders und individuelle "Schnittvorlagen" gibt es natürlich nicht.

Die Gefäße der Arteria temporalis superficialis

 

Die blauen Linien zeigen den Verlauf der Temporalisgefäße mit steriler Tinte nachgezeichnet. Bereits vor der Operation haben die Ärzte die Gefäße mit dem Doppler aufgesucht und dargestellt. Hinter dem Ohr liegt subcutan das Ventil mit dem Anschluss-Schlauch zum Expander. Über das Ventil wurde der Expander wöchentlich aufgefüllt.

 

Mit steriler Tinte zeichnet Dr. Schober die Schnittführung an

Weiter zu Teil 2

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