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  • Christine Zilinski
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  • 16.12.2014

Alltagsleiden: Verrucae vulgares (Warzen)

Eigentlich ist der Fall klar: Diese Hauterscheinung beruht auf einem lokalen Infekt mit Papillomviren, die eine lokale Wucherung der Epidermis auslösen. Und doch haben Diskussionen über Warzen immer einen leicht mystischen Einschlag. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären, wie man die lästigen Minigeschwulste wieder los wird.

 

 Warze am Fuß - Foto: Arve Bettum - Fotolia.com

 

Warzen an sich sind zwar eher lästig als gefährlich. Das auslösende Humane Papillomvirus (HPV) sollte man aber keinesfalls unterschätzen. Das kleine Biest ist nämlich hochgradig kontagiös. Der Barfußgang über die Fliesen im Schwimmbad oder der Griff zum Einkaufswagen kann bereits ausreichen, um sich zu infizieren.

Hatte kurz zuvor ein Mensch mit einer Warze Hautkontakt mit dieser Fläche, hat man rund einen Monat später möglicherweise dasselbe Problem. Dass die einen dann tatsächlich eine Verruca vulgaris entwickeln, die anderen aber ungeschoren davonkommen, hängt mit der Konstitution des Empfängers zusammen. „Generell haben Menschen mit einer schwachen Immunlage ein größeres Risiko, eine Warze zu bekommen“, betont Prof. Dr. Daisy Kopera, Dermatologin an der Medizinischen Universität Graz. Zudem können winzige Wunden an der Kontakt­stelle, z. B. durch ein Ekzem, eine Rolle spielen. Besonders leicht fangen sich neben Kindern auch ältere Menschen oder chronisch Kranke wie Diabetiker eine Warze ein.

Insgesamt gibt es vom HPV etwa 90 Typen, von denen 60 im Verdacht stehen, Warzen auslösen zu können. Je nach Aussehen und Körperteil, an dem die gutartige Geschwulst auftritt, kann man verschiedene Typen differenzieren. Am häufigsten sind die „gemeinen“ Warzen (Verrucae vulgares): Sie befinden sich vorwiegend an den Händen, seltener im Gesicht und sind meist nur stecknadel- bis erbsengroß. Die Verrucae plantares bilden sich vor allem an den Fußsohlen und können als Mosaik- und Dornwarzen vorkommen: Die Mosaikwarzen bilden Beete und verursachen eher selten Schmerzen, die Dornwarzen hingegen wachsen wie die Dornen einer Pflanze in die Fußsohle hinein und tun dementsprechend weh. Kinder und Jugendliche fangen sich meist plane Warzen (Verrucae plana juveniles) ein. An den Genitalorganen kann der HPV-Typ 6 und 11 sogenannte Feigwarzen induzieren (Condylomata acuminata).

In sehr seltenen Fällen können aus Warzen auch Platten­epithelkarzinome entstehen: „Das passiert aber vor allem bei hygienisch verwahrlosten Personen, bei denen die Warzen jahrelang nicht beachtet werden und sie wahllos wachsen können“, erklärt Prof. Kopera. „Oft sind das dann Warzen im Genitalbereich.“

 

Therapie: Kryotherapie statt Schneckenschleim

Die zentrale Frage, die jeden Warzenträger interessiert, ist natürlich: Wie werde ich die Dinger wieder los? Es gibt abenteuerlichste Hausrezepte, die vom Beschmieren mit Erde vom Grab frisch Verstorbener bis zum Tipp reichen, Schnecken darüberkriechen zu lassen. Deutlich effektiver und unkomplizierter sind Pflaster oder Tinkturen, die ätzende Säuren enthalten, wie Trichloressig- oder Salizylsäure. Diese bewirken, dass sich die Warze ablöst. Wirkt diese Therapie nicht, bleibt der Gang zum Dermatologen, der dann noch „schärfere“ Waffen einsetzen kann. Sehr erfolgreich ist zum Beispiel die Kryotherapie, die die Wucherung mit flüssigem Stickstoff vereist. Bei hartnäckigen Fußwarzen setzt Prof. Kopera ein spezielles Farbstofflaserlicht ein. Mitunter verschwinden die Warzen auch von allein wieder.

Wichtig für alle Warzenträger: Solange die Papel sichtbar ist, sollte man darauf achten, dass man Waschlappen und Handtücher nicht mit anderen tauscht. Freibad, Hallenbad oder Sauna sollte man aus Rücksicht auf andere meiden, um keine Schmierinfektion zu riskieren. Und ganz wichtig: ­Finger weg von der Warze! Nervöses Knabbern oder Kratzen an den Papillomen führt nur dazu, dass sich die Warzen­viren noch weiter verbreiten.

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