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  • Dr. med. Tobias Tenenbaum
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  • 13.01.2015

Blickdiagnostik: Infektionskrankheiten - Sternenhimmel und Schmetterlinge

„Zeige mir, was für Flecken du hast, und ich sage dir, welcher Erreger dich quält“. Bei manchen Krankheiten ist Medizin – fast – so einfach. Dr. med. Tobias Tenenbaum von der pädiatrischen Infektio­logie der Uni Düsseldorf stellt dir die wichtigsten Exantheme bei Infektionskrankheiten vor.

 

Was sind das bloß für komische Flecken?“ – Da zahlreiche Infektionen, im Kindes- wie im Erwachsenenalter, mit Exanthemen einhergehen, stehen Ärztinnen und Ärzte aller Disziplinen häufig vor ­dieser Frage. Einige Ausschläge sehen dabei so typisch aus, dass sie Leitsymptome der Erkrankung sind. Eigentlich wunderbar: Als Mediziner kann man so schon klinisch auf den verursachenden Keim schließen. Aber Vorsicht: Andere Exantheme erscheinen eher unspezifisch im Sinne eines Begleitsymptoms und lassen keinen derartigen Rückschluss zu.

 

 

Und selbst wenn man mit typischen „Flecken“ sehr vertraut ist, reichen Blicke nicht aus – körperliche Untersuchung und genaue Anamnese sind unverzichtbar. Bevor man Patienten also erzählt, was die Flecken bedeuten, sollte man auf jeden Fall Gegenfragen stellen, etwa: Wann sind die Ausschläge aufgetreten? Wie hoch ist die Temperatur? Wie war ihr Verlauf? Wie ist der Impfstatus des Kindes und der Eltern? Und wie sieht es mit weiteren, etwa zentralnervösen Symptomen aus? Sind Personen in der Umgebung erkrankt? Besteht Kontakt zu Tieren oder gab es einen Auslands­aufenthalt? Nie vergessen sollte man zudem, dass auch Pilze und Parasiten Exantheme bewirken können. Diese sind allerdings nicht Thema dieses Artikels.

  

Die „Hochkontagiösen“: Masern und Röteln

Patienten mit Masern (Abb. 1) sind fünf Tage vor und noch fünf Tage nach dem Exanthemausbruch infek­tiös. Die Viren sind hochkontagiös, und wer sich mit ihnen infiziert, erkrankt fast immer. Zunächst leiden die Patienten etwa drei bis fünf Tage an Fieber, Reizhusten, Rhinitis und Konjunktivitis. Am zweiten bis dritten Tag treten die ersten charakteristischen Flecken auf: ein Enanthem der Mundschleimhaut, meist gegenüber der Molaren. Diese „Koplik-Flecken“ sehen aus wie Kalkspritzer auf hochroter, leicht granulierter Schleimhaut.

 

Abb. 1: Das Exanthem bei Masern: makulopapulöse, livide, konfluierende Effloreszenzen. Pathognomonisch sind Koplik-Flecken an der Mundschleimhaut. Merke: Kinder mit Masern sind schwer krank. Foto: Tobias Tenenbaum 

Das Exanthemstadium beginnt danach mit einem plötzlichen Fieberanstieg bei stark reduziertem Allgemeinzustand. Sein Steckbrief: Es erscheint zuerst hinter den Ohren, dann im Gesicht und breitet sich rasch über den ganzen Körper aus; es ist makulopapulös, hochrot, und gelegentlich hämorrhagisch. Ab dem dritten Tag blasst es ab. Gefürchtet sind Masern wegen ihrer Komplikationen, wie Otitis media, Masernkrupp, Enzephalitis und der seltenen subakut sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE).

 

Röteln-Exanthem: diskret makulopapulös, nichtkonfluierend. Merke: Röteln sind für Schwangere gefährlich, gefürchtet ist die Embryofetopathie. Foto: Tobias Tenenbaum

 

Wie Masern sind auch Röteln (Abb. 3) eine hochkontagiöse Viruserkrankung. Sie verläuft allerdings in der Regel milder – in der Hälfte der Fälle sogar asymptomatisch. Die Patienten sind eine Woche vor und eine Woche nach Exanthemausbruch infektiös. Temperaturen um 38°C und eine Rhinokonjunktivitis gehen voraus. Mediziner sollten bei Verdacht auf ­jeden Fall die Lymphknoten im Nacken tasten. Die nuchale Lymphadenopathie ist typisch und oft ausgeprägt. Der Steckbrief des Röteln-Exanthems: Es breitet sich vom Gesicht über den ganzen Körper aus, ist diskret, makulopapulös, hellrot; die Größe der Effloreszenzen liegt zwischen Scharlach und Masern.

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