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  • Ines Elsenhans
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  • 22.10.2015

Heilendes Plasma

Ob bei der Behandlung von chronischen Wunden oder Krebs – Plasma kann heilen, wo Antibiotika und Skalpell nicht mehr weiter kommen.

 

kINPen - Foto: M. Glawe/INP Greifswald.

Mit dem kINPen® MED kann kaltes Plasma auf die Haut geführt werden und dort Bakterien abtöten. Foto: M. Glawe/INP Greifswald

 

Weltweit sterben 700.000 Menschen pro Jahr an Infektionen durch sogenannte multiresistente Keime. Laut einer Studie der Berliner Charité könnte sich diese Zahl bis 2050 auf 10 Millionen im Jahr erhöhen. Damit würden künftig mehr Menschen an Staphylokokken, Clostridien und Co. sterben als an Krebs und Diabetes zusammen.

Die Gründe für immer mehr Antibiotika-Resistenzen liegen im hohen Antibiotika-Gebrauch: Ärzte verschreiben zu viel Antibiotika, Patienten setzen die Mittel zu früh ab. So werden die Bakterien nicht komplett abgetötet und Resistenzen können sich leicht bilden. Dazu kommt der massenhafte Medikamenten-Gebrauch in der Tierhaltung, durch den Fleischesser ständig Antibiotika aufnehmen.

Es braucht also dringend eine neue Wunderwaffe gegen multiresistenten Erreger. Die Lösung könnte ein neues allesvernichtendes Antibiotika sein – oder kaltes Plasma*. Es gibt bereits Geräte, die mit ionisierten Edelgasen Keime abtöten. Die Anwendung ist denkbar einfach (siehe Foto und Video): Das Plasma wird per Plasmastift auf die Wunde geführt.

Eingesetzt werden sie vor allem bei schlecht heilenden Hauterkrankungen wie dem offenen Bein, Pilzerkrankungen, Akne und Warzen. Der Clou dabei: kaltes Plasma tötet multiresistente Keime ohne selbst Resistenzen zu erzeugen – und: es fördert sogar die Bildung von neuem Gewebe.       

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In Zukunft soll kaltes Plasma nicht nur im Kampf gegen Bakterien eingesetzt werden, sondern auch gegen Krebszellen. Zwar wird man mit der Technik keine großen Tumoren herausschneiden können, da die Plasmabehandlung nur an der Oberfläche wirkt, aber nach der operativen Entfernung eines Tumors könnte man damit Tumorreste entfernen und somit auf eine Strahlen- oder Lasertherapie verzichten. Auch ließen sich übriggebliebene Krebszellen eliminieren, denn das Plasma setzt offenbar die Apoptose wieder in Gang, die bei Krebszellen oft geblockt ist.

 


 

Was sind Plasmen?

* Plasmen sind Gase wie Argon oder Helium, deren Moleküle durch Strom oder wärme in negativ geladene Elektronen und positiv geladenen Ionen aufgespalten werden. Kaltes Plasma erzeugt in der Umgebungsluft hochreaktive Stickstoff- oder Sauerstoff-Radikale und UV-Strahlung. Diese reaktiven Substanzen können in Bakterien und menschliche Zellen eindringen, weil durch das gleichzeitig erzeugte elektromagnetische Feld Löcher in deren Membran gerissen werden. Dabei sterben Bakterien schneller als Zellen ab, da ihr Erbgut nicht durch einen Zellkern geschützt ist. Bei menschlichen Zellen entsteht bei einer kurzen Einwirkzeit kein Schaden.

 

Quelle des Artikels: Technology Review

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