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  • Julia Wagner, Dr. Karlheinz Wagner
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  • 18.12.2008

Impfung gegen Humanen Papilloma Viren

Das Zervixkarzinom, Gebärmutterhalskrebs, ist die zweithäufigste Krebserkrankung der Frau. Inzwischen ist allgemein akzeptiert, dass das Zervixkarzinom auf einen Infekt mit Humanen Papilloma Viren (HPV) zurückzuführen ist. Seit Oktober 2006 ist ein Impfstoff zugelassen, der gegen die Virustypen 16 und 18 wirksam ist.

Die Gefahr des HPV- Virus

Die meisten sexuell aktiven Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit dem HPV in Berührung. Die Mehrzahl der Frauen überwindet einen Infekt mit bleibender Immunität gegen den jeweiligen Virustyp. Nur ein geringer Teil der Frauen - das heißt 3 Prozent - können den Infekt nicht vollständig eliminieren und Teile des Virus werden in Zellen des Gebärmutterhalses eingebaut.

Nur diese Frauen haben ein Risiko für die Entwicklung eines Zervixkarzinoms. Es gibt die Möglichkeit durch den HPC Test festzustellen, ob eine Frau zu dieser Risikogruppe gehört. Dadurch konnte der Krebs in einem sehr frühen Stadium erkannt und damit erfolgreicher therapiert werden. Die Entstehung konnte bisher jedoch nicht verhindert werden.

 

Mit der Impfung ist eine echte Prophylaxe zu erreichen

Mit der Impfung ist es jetzt möglich geworden, junge Frauen generell vor einer Infektion zu schützen und damit auch vor der Integration von Virus DNA in den Gebärmutterhals. Damit ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch das Entstehen von Gebärmutterhalskrebs zu verhindern. Die Impfung schützt zwar vor den Virustypen 16 und 18, die rund 79% der Fälle von Zervixkarzinom verursachen, aber 39% werden jedoch von anderen Hochrisiko-Virustypen ausgelöst. Gegen diese Virustypen schützt die Impfung nicht.

 

Wer sollte geimpft werden?

Es wird empfohlen Mädchen im Alter zwischen 9 und 15 Jahren und Jungen im gleichen Alter zu impfen, ebenso Frauen von 16 bis 26 Jahren. Vorab veröffentlichte Daten aus noch laufenden Studien weisen aber bereits auf eine gute Wirksamkeit auch bei Frauen zwischen 27 bis 55 Jahren hin. Für Mädchen und Frauen, die bereits Sexualkontakte haben, ist eine HPV-Diagnostik sinnvoll und empfehlenswert.

 

Welche Impfstoffe gibt es?

Der erste Impfstoff "Gardasil" von der Firma Sanofi Pasteur MSD ist seit Oktober 2006 zugelassen und verfügbar. Er wirkt gegen die Virus-Typen HPV 16 und 18 und gegen Genitalwarzen verursachende Typen 6 und 11.

Ein zweiter Impfstoff "Cervarix" von der Firma GlaxoSmithKline befindet sich in der Zulassung. Dieser Impfstoff ist gegen HPV 16 und 18 wirksam. Er soll im Frühjahr 2008 verfügbar sein.

 

Wie erfolgt die Impfung?

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Einzeldosen, die intramuskulär in den M. deltoideus injiziert werden nach folgendem Schema: nach 0, zwei und sechs Monaten.

 

Wird die Impfung von der Krankenkasse übernommen?

Viele Krankenkassen übernehmen die Impfung, wenn die Kostenübernahme dort beantragt wird. Die Patienten treten in Vorkasse und können die Rechnung zur Erstattung bei ihrer Krankenkasse einreichen.

 

Wie sicher ist die Impfung?

Die Wirksamkeit gegen HPV-Infektionen (nicht gleichzusetzen mit gebärmutterhalskrebs) wurde in zwei großen klinischen Studien nachgeweisen. Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Dauer des Impfschutzes konnte in Studien bisher für die Dauer von fünf Jahren nachgewiesen werden. Die Ergebnisse der Langzeitstudien werden zeigen, wie lange der Impfschutz insgesamt anhält und ob sich die Rate an Gebärmutterhalscarzinomen tatsächlich verringert.

 

Muss auch nach der Impfung der Vorsorgeabstrich gemacht werden?

Die Untersuchungen zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge bleiben äußerst wichtig, da der Impfstoff nicht vor bereits bestehenden HPV-Infektionen schützt und noch nicht eindeutig nachgewiesen ist, dass die Impfung auch Gebärmutterhalskrebs verhindert. Auch gegen Erkrankungen, die durch andere als die im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen hervorgerufen werden, besteht kein Schutz.

 

Wichtiger Hinweis der Autoren

Dieser Text stellt eine Momentaufnahme dar. Weiterhin werden zalreiche Untersuchungen zum Thema HPV vorgenommen, sodass wir dem Leser empfehlen, die aktuellsten Entwicklungen, insbesondere zum Thema Impfschutzdauer und Alter der Patientinnen, mit der zuständigen Ärztin zu besprechen.

 

Wertvolle Hinweise finden Sie auch auf der Homepage des Robert Koch Instituts.


Kontroverse Meinungen zur HPV-Impfung

Die HPV-Impfung wird von Wissenschaftlern, dem Deutschen Krebsforschungszentrum und den Medien als Durchbruch gefeiert. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die wir hier auch zitieren möchten. Wie unterschiedlich die Einführung des Impfstoffes bewertet wird, zeigen die folgenden Artikel:

 

HPV-Impfungen: Guter Schutz, aber kein Rundum-Sorglos-Paket

Eher bescheidene Dreijahresergebnisse

Mai 2007 - Die HPV-Impfung wird bisher noch kritisch diskutiert, weil keine Langzeiterfahrungen und -ergebnisse vorliegen. Zwei Publikationen sind 2007 dazu im New England Journal of Medicine erschienen - mit eher ernüchternden Ergebnissen. Die Wissenschaftler hatten sich deutlich bessere Ergebnisse erhofft, schreibt die das Deutsche Ärzteblatt in seiner Online-Ausgabe vom 11. Mai 2007. In der FUTURE I-Studie sei durch die Impfung die Rate der Cervicalen Intraepithelialen Neoplasien (CIN 1-3) sei von 5,9 pro 100 Personenjahre auf 4,7 pro 100 Personenjahre gesenkt worden, so das Ärzteblatt. Das entspreche einer Effektivität von 20 Prozent, was angesichts der hohen Effektivität der Impfung gegen die Infektion mit HPV 16 und 18 viele Ärzte vermutlich enttäuschen würde. Es werde diskutiert, ob eventuell andere Subtypen von HPV die biologische Nische füllen, die die Impfung hinterlässt.

 

Kritische Stimmen

Arzneimittelforscher Glaeske kritisiert Pharmaindustrie

1. Februar 2008 - Das Ärzteblatt schreibt: "Nach zwei Todesfällen im Zusammenhang mit Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs hat der Arzneimittelforscher Gerd Glaeske scharfe Kritik an der Pharmaindustrie geübt. Die sogenannten HPV-Impfstoffe seien viel zu schnell und unter öffentlichem Druck auf den Markt gebracht worden, sagte Glaeske der "Frankfurter Rundschau" vom Freitag."

Zum Artikel bei aerzteblatt-studieren.de

Impfkritiker weisen unter Anderem darauf hin, dass der Impfstoff bei jungen Mädchen nicht ausreichend auf Sicherheit getestet worden sei - die Studien wurden mit erwachsenen Frauen durchgeführt. Zudem erkranke nur ein kleiner Teil der Frauen, die HPV-Infiziert seien. Mehr dazu in folgendem Artikel:

Die Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland hat ein Merkblatt zur HPV-Impfung veröffentlicht um Ärzten und Patienten die Entscheidung für oder gegen die Impfung zu erleichtern:

GAÄD-Leitlinie zur HPV-Impfung

Weitere Hintergrundinformationen auf dieser Seite: www.impf-report.de

 

Preis für Forschungstätigkeit

Am 1. März 2007 hat Professor Dr. Lutz Gissmann, seit 1983 im Deutschen Krebsforschungszentrum, den Deutschen Krebspreis für die Entwicklung des Impfstoffes gegen Gebärmutterhalskrebs erhalten:

Deutsches Krebsforschungszentrum

 

Professor Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hat für seine Entdeckung bestimmter Typen des humanen Papillomvirus (HPV) als Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs den diesjährige Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten.

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