• Bericht
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  • Ulrike Rostan
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  • 29.09.2008

Verbreitung der BSE in Europa

180.000 an BSE erkrankte Rinder in Großbritannien, eine um ein vielfaches höhere Dunkelziffer; nur noch drei BSE-freie Staaten in Europa; 87 Fälle der neuen Variante der Creutzfeld-Jacob-Erkrankung in Großbritannien; immer wieder neue BSE-Verdachtsfälle in Deutschland. Das sind Nachrichten, die erschrecken. Wie konnte sich die Krankheit so verbreiten? Welche neuen Erkenntnisse gibt es in der Forschung? Welches Risiko besteht für den einzelnen Verbraucher? Im Rahmen eines Presseseminars der Landesärztekammer Baden-Württemberg informierten Fachleute zum Thema BSE.

 

Keine zielgerichtete Forschung

"Wir stehen in einer Situation, dass wir eingestehen müssen, dass wir erhebliche Wissenslücken haben!" sagte Dr. med. vet. Martin Hartig, Veterinärmediziner und Ministerialrat im Ministerium Ländlicher Raum Baden-Württemberg. Viele Untersuchungsergebnisse aus britischen Studien könne man nicht verwerten, betonten er und sein Kollege Prof. Dr. med. vet. O.C. Straub von der Landestierärztekammer Baden Württemberg. "Es hat keine zielgerichtete, systematische BSE-Forschung in den letzten 10-15 Jahren stattgefunden", so Straub, der in diesem Zusammenhang anprangerte, dass Informationen und Untersuchungsergebnisse aus Großbritannien der Öffentlichkeit vorenthalten worden seien.

 

Verschiedene Tiergattungen bringen unterschiedliche Ergebnisse

Straub warf in seinem Kurzvortrag den Briten vor, BSE-Versuche im Rahmen der Forschung nur mit Mäusen anstatt mit Schimpansen gemacht zu haben. Forschungsergebnisse von Schimpansen hätten sich nach seiner Ansicht eher auf den Menschen übertragen lassen als das die Ergebnisse aus der Mäuseforschung erlaubten.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass sich die Prionen je nach Tiergattung auf unterschiedliche Organe verteilen. Im Blut von infizierten Mäusen beispielsweise haben Forscher Prionen nachgewiesen, im Rinderblut konnten sie dagegen auch bei erkrankten Tieren bisher nichts finden. Die lympho-retikulären Organe wie Lymphknoten und Milz waren bei den erkrankten Rindern Prionen-frei, bei den Mäusen dagegen nicht.

Zudem sei das Rind 1000 Mal empfänglicher für den BSE-Erreger als die Maus, sagte Straub. Dies deute darauf hin, dass sich die Ergebnisse von Untersuchungen einer Tiergattung nicht ohne Weiteres auf andere Spezies übertragen lassen.

 

BSE – eine politische Frage

Zwischen 1990 und 1994 sind regelmäßig allgemeine Inspektionen von Schlachtbetrieben seitens der EU-Kommission durchgeführt worden, um die Betriebe an den Binnenmarkt anzupassen. Wie Hartig mitteilte, habe Großbritannien Druck auf die Kommission ausgeübt, die BSE-Problematik nicht mit zu untersuchen. Die Inspektionen wurden später eingestellt. Auf die Frage warum, habe der Leiter des veterinärmedizinischen Dienstes im Vereinigten Königreich folgendermaßen geantwortet: "Die Inspektoren der Kommission sind nicht befugt, Nachforschungen über BSE anzustellen. Bei BSE handelt es sich nicht um eine technische, sondern um eine politische Frage."

 

Nichts bewiesen?

Eines betonten die Experten in ihren Vorträgen immer wieder: bewiesen ist im Fall der Rinder-Erkrankung BSE gar nichts. Alle heutigen Erkenntnisse, auf welchem Weg die Erkrankung übertragen wird, welcher Art der Erreger ist, wie BSE ursprünglich entstanden ist, beruhen auf Vermutungen, die sich auf Beobachtungen, Forschungsergebnisse, epidemiologische Untersuchungen und die kausale Verknüpfung von zeitlich parallel aufgetretenen Ereignissen stützen.

So lässt sich derzeit folgendes mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen:

  • Die Erreger der BSE sind durch Tierkörpermehl, das an die Rinder verfüttert wurde, verbreitet worden
  • Die Prionen selbst scheinen die Erreger bzw. Überträger der Krankheit zu sein
  • Die Ursache der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (vCJK) beim Menschen scheint der Verzehr von mit BSE-Erregern kontaminierte Nahrungsmittel zu sein

 

Tiermehl als Ursache der Rinderseuche BSE

Der einzige durchgehend gemeinsame Faktor zwischen den erkrankten Rindern ist das Futter. Daher ist von allen Infektions-Theorien in Expertenkreisen nach wie vor die Verfütterung von infiziertem Tiermehl an die Wiederkäuer die wahrscheinlichste.

Ein paar Daten und Fakten dazu:

  • Nachdem in GB 1988 die Verfütterung von Tiermehl an Rinder verboten wurde, erreichte die Anzahl der neuerkrankten Tiere etwa 4-5 Jahre später ihren Höhepunkt und sank danach bis heute kontinuierlich ab. Die Inkubationszeit von BSE beträgt beim Rind im Durchschnitt 5 Jahre.
  • Ab 1994 verbot die Kommission und der Rat der Europäischen Union Futtermittel an Wiederkäuer zu verfüttern, das Säugetiergewebe enthält. Jedoch erst 1995 wurde in GB erreicht, dass Tiermehl nicht mehr mit Rindermehl verunreinigt ist. Wie Straub von der Landestierärztekammer weiter angab, existierten dort vorher keine flächendeckenden Untersuchungen, die Verunreinigungen garantiert ausschlossen. Das heißt, dass bis dahin verunreinigtes Tiermehl in den Handel gekommen sein kann.
  • Untersuchungen in Großbritannien und anderen EU-Ländern haben ergeben, dass es kaum möglich ist, in Futtermittelbetrieben eine völlige Trennung zwischen Wiederkäuer- und Nicht-Wiederkäuer-Futter vorzunehmen. Wie Hartig weiter erläuterte, würden die Anlagen, in denen das Futter hergestellt wird, aus Zeit- und Kostengründen nicht zwischengereinigt. Beide Futterarten durchliefen hintereinander die gleichen Maschinen. So konnte auch nach dem Verfütterungsverbot von Tiermehl an Wiederkäuer nicht ausgeschlossen werden, dass die Rinder kontaminiertes Futter erhielten.
  • 6000 Tonnen Tiermehl sind nach Angaben von Straub aus Großbritannien nach Deutschland importiert worden, um es in Tierfutter zu verarbeiten. Es gab keine Vorschrift, die deutschen Futtermittelherstellern vorschrieb, nur deutsches Tiermehl zu verwenden. Im deutschen Verfahren zur Herstellung von Tiermehl sind unter anderem höhere Temperaturen vorgeschrieben gewesen als in Frankreich und Großbritannien. Untersuchungen zufolge reduziert die Methode (Dampfdrucksterilisation), wie sie in der deutschen Tiermehlproduktion angewendet wurde, die Erreger weitgehend. Angeblich wäre es aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, Futtermittelhersteller dazu zu zwingen, nur deutsches Tiermehl zu verarbeiten..
  • In Deutschland hat die Bundesregierung im Dezember 2000 die Verfütterung von Tiermehl an Tiere generell verboten.

 

Verbreitung der Rinderkrankheit BSE in Europa

Etwa 180.000 BSE-infizierte Rinder sind bisher aus Großbritannien gemeldet worden (Stand Dez. 2000).

1500 BSE-Fälle sind nach WHO-Angaben in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Portugal und der Schweiz aufgetreten, wobei abgesehen von ein paar Duzend Erkrankungsfällen auf vier Länder der Hauptanteil entfällt: Irland, Portugal, Schweiz und Frankreich.

BSE-freie Länder in Europa: Finnland, Schweden, Österreich.

Chronologie der Ereignisse

  • Seit mehreren hundert Jahren ist die Traberkrankheit Scrapie bei Schafen und Ziegen bekannt, die nicht die Artengrenzen überspringt. Fälschlicherweise zog man im Fall der Rinderkrankheit BSE Parallelen und nahm an, dass für den Menschen keine Gefährdung bestehe. Erst nachdem sich in Versuchen gezeigt habe, dass der BSE-Erreger auch auf andere Tierarten überspringen könne und dass sich die Erkrankung von der Traberkrankheit unterscheide, so Hartig "nahm das Thema BSE eine neue Dimension an."
  • 1920/21 Creutzfeld und Jacob beschreiben unabhängig voneinander eine neue Erkrankung, die den Namen Creutzfeld-Jacob-Krankheit (CJK oder CJD) erhält. Es handelt sich dabei um eine transmissible spongiforme Enzephalopathie, die sehr selten auftritt, weltweit verbreitet ist und sowohl spontan auftreten kann, als auch einen genetischen oder infektiösen Ursprung haben kann.
  • 1985/86 erkrankt die erste Kuh an BSE in Großbritannien. Seither wurden 170 – 180.000 Fälle amtlich bekannt, es wird aber angenommen, dass bis zu 1.000.000 Rinder bisher erkrankt oder infiziert worden sind, wie der BSE-Berater des Bundesgesundheitsamtes Prof. Dr. med. Hans Kretzschmar vom Institut für Neuropathologie der LMU München, angibt.
  • 1994/95 treten die ersten beiden Erkrankungsfälle der neuen Variante der CJK (vCJK) beim Menschen in Großbritannien auf.
    1996: 10 vCJK-Erkrankungen
    1997: 10 vCJK-Erkrankungen
    1998: 18 vCJK-Erkrankungen
    1999: 14 vCJK-Erkrankungen
    2000: bisher 33 vCJK-Erkrankungen (alle Angaben von Prof. Kretzschmar), ausschließlich in Großbritannien.
    Nach WHO-Angaben sind aus Frankreich 2 weitere Fälle und ein Fall aus Irland bekannt.
  • 1997 erhält Prof. Dr. Stanley Prusiner von der Universität von Kalifornien in San Francisco den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des Prion-Proteins. Über 20 Jahre hatte Prusiner über Prionen geforscht. Das Revolutionäre an seiner Prion-Theorie: Prionen liegen als reines Protein vor und sind damit Erreger, die ohne Erbinformation in Form von DNA oder RNA auskommen. Die Hypothese, dass die Prion-Proteine die spongiformen Enzephalopathien auslösen, ist noch nicht endgültig bewiesen, wird aber als sehr wahrscheinlich erachtet.
  • Nov. 2000 Erster BSE-Fall in Deutschland

 

Zusammenhang zwischen BSE und vCJK

Noch im Jahre 1998 hatte der Nobelpreisträger Stanley Prusiner selbst vor dem britischen BSE-Untersuchungsausschuss den Zusammenhang zwischen BSE und vCJK als nicht überzeugend beurteilt, schrieb die Ärztezeitung online am 10.06.98! Die histologischen Bilder von Nervenzellen aus Gehirnen von BSE-Kühen und vCJK-Patienten stellen sich sehr unterschiedlich dar. Bei der Rinderseuche zeigen sich Vacuolen in den Nervenzellen, vCJK-Nervenzellen enthalten dagegen Ablagerungen, die Pathologen wegen ihres blumenartigen Aussehens als fluoride Plaques bezeichnen. Eine sehr wahrscheinliche Verbindung ergab sich aus der Tatsache, dass die neue Variante der CJK zeitlich und örtlich mit der Rinderseuche BSE assoziiert war.

Erst in jüngster Zeit konnten britische und amerikanische Forscher um Prusiner einen wissenschaftlich fundierten Zusammenhang zwischen beiden Enzephalopathien herstellen, indem sie Mäusestämmen entweder BSE-infiziertes Gewebe oder Prionen von vCJK-Patienten ins Gehirn spritzten. Wie Kretzschmar berichtete, erkrankten die Tiere an den gleichen Symptomen, die pathologischen Veränderungen im Gehirn waren identisch, ebenso das Verteilungsmuster der Prionen im Körper der Tiere. Die Inkubationszeit war in beiden Fällen gleich lang.

 

CJK – vCJK

Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um spongiforme transmissible Enzephalopathien. Die neue Variante der Creutzfeld-Jacob-Krankheit befällt vor allem junge Menschen. Das Durchschnittsalter liegt bei 29 Jahren, während die sporadische CJK ein durchschnittliches Erkrankungsalter von 65 Jahren hat. Die Reihenfolge der die Symptome zeigt einen unterschiedlichen Verlauf: bei der neuen Variante stehen zunächst psychiatrische Verhaltensauffälligkeiten wie Depressionen oder schizophrene Psychosen im Vordergrund, erst später folgen ataktische Störungen. Die sporadische CJK beginnt mit der Ataxie und führt im Schnitt in vier bis fünf Monaten zum Tod. Die Krankheitsdauer der neuen Variante beträgt dagegen 13 bis 15 Monate und endet mit der völligen Bewegungsunfähigkeit des Patienten. Auf die Länge der Inkubationszeit von vCJK haben sich die Wissenschaftler noch nicht eindeutig festgelegt. Zwischen 5 und 20 Jahren sei alles möglich. Kretzschmar unterstrich, wie wichtig jetzt häufige Autopsien seien. Es sei durchaus denkbar, dass vCJK-Patienten fälschlicherweise die Diagnose Alzheimer erhielten. Myoklonien und Ataxien, die man bei Alzheimer-Patienten nur sehr, sehr selten finden könne, seien ein Hinweis auf die vCJK.

 

Wie groß ist die Infektionsgefahr für den Menschen?

Was die Verbraucher natürlich in erster Linie interessiert, ist das Infektionsrisiko, das von den Lebensmitteln ausgeht. Hier machten die Vorträge deutlich, dass aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse Empfehlungen ausgesprochen werden können. Niemand kann jedoch ein gewisses Restrisiko für Rindfleisch zu 100 % ausschließen. Trotzdem gilt es, die Verhältnismäßigkeit zu wahren, weshalb Prof. Dr. med. Kimmig, Infektiologe im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, im Fall der neuen Variante der Creutzfeld-Jacob-Krankheit (vCJK) auch nicht von einer Seuche sondern von einer Erkrankung spricht.

Um sich einer Infektionsdosis anzunähern, berichtete Kimmig von Mausversuchen, die folgende Ergebnisse brachten:

Ist bei Injektion ins Gehirn eine bestimmte minimale Erregermenge erforderlich, um eine Infektion auszulösen, braucht man bei intravenöser Gabe die zehnfache und bei oraler Aufnahme die hunderttausendfache Infektionsdosis. Das heißt, die intravenöse Injektion von infektiösem Material ist ungleich risikoreicher als dessen Verzehr.

Zudem enthalten nicht alle Organe eines an BSE erkrankten Rindes die gleiche Erregerkonzentration: In Blut, Serum, Milch, Skelettmuskeln, Knochengewebe und Ausscheidungen konnten Forscher bisher keine Erreger nachweisen. Die höchste Konzentration von Prionen zeigten sich in Gehirn, Rückenmark und Augen der betroffenen Tiere sowie im Liquor und im Dünndarm. Unklarheiten herrschen bezüglich des lymphatischen Gewebes: bei Mäusen finden sich die Prionen auch in der Milz, beim Rind nach Angaben von Straub dagegen nicht. Wiederum konnten Forscher in Großbritannien die pathologischen Proteine in Tonsillen und Appendices nachweisen, die vCJK - Patienten entfernt worden waren, bevor die Krankheit ausgebrochen war.

 

Welche Konsequenzen folgen daraus?

 

Foto: Thieme

Nur noch Obst und Gemüse?

 

1. Skelettmuskel vom Rind ohne Knochen ist risikoarm, es ist wenig wahrscheinlich, dass man sich durch den Verzehr ansteckt. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es jedoch nicht, da das Fleisch bei der Schlachtung kontaminiert werden könnte. Zudem ist unklar, welches Restrisiko von Nervenfasern ausgeht, die im Muskelfleisch verblieben sind.

2. Milch birgt nach derzeitigem Kenntnisstand kein Risiko (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei eine Infektion auszuschließen, so Kimmig). Begründung: In der Milch erkrankter Kühe konnte man keine Prionen finden. Die verkaufte Milch entstammt einem Pool, was einen Verdünnungseffekt bedeutet. Kälber mit BSE haben sich aller Wahrscheinlichkeit nach durch den Milchaustauscher infiziert, dem Tiermehl beigemischt war.

3. Gelatine entsteht zu etwa 10% aus Rinderknochen. In Rinderknochen haben Wissenschaftler noch keine Prionen gefunden. Zudem sind die Herstellverfahren für Gelatine sehr aggressiv, es kommen Säuren und Laugen zum Einsatz. Die Experten gehen davon aus, dass kein Infektionsrisiko besteht.

 

Für Blutprodukte gilt:

Vorsorglich schließt man in Deutschland die Menschen von einer Blutspende aus, die mehr als 6 Monate in der Zeit zwischen 1980 und 1996 in Großbritannien gelebt haben. Der Zeitraum der Blutspende-Sperre von 6 Monaten fußt nicht auf bestimmten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bei der klassischen Form der CJK zeigen die vorhandenen Daten, dass die Erkrankung bisher nicht über Blutspenden übertragen wurde, obwohl Empfänger nachweislich Blut von CJK-Patienten erhalten hatten. Ob dies aber auch auf die neue Variante der Creutzfeld-Jacob-Krankheit zutrifft, ist noch unklar.

Gleichzeitig sollen Blutspendedienste so bald wie möglich die Leukozyten von den Blutkonserven abtrennen, da einige Autoren angeben, dass die Prionen eventuell mit Hilfe von Leukozyten ins Gehirn gelangen.

 

Für Impfstoffe gilt

Impfstoffe, die in Deutschland auf dem Markt sind, können nach Angaben von Kimmig als BSE-sicher eingestuft werden, da das Paul-Ehrlich-Institut strenge Kontrollen auf BSE-Freiheit durchführt und nur Rinderprodukte aus BSE-freien Ländern zulässt. Für die Herstellung von Impfstoffen sind Rinderprodukte und fötales Kälberserum notwendig.

 

Schlussfolgerungen

Foto: Thieme

Schweinehirn? Weg damit!

 

Vor etwa 20 Jahren hat sich vermutlich das erste Rind mit BSE-Erregern infiziert. Nach dem Medienspektakel der letzten Monate zu urteilen hätte man meinen können, es handle sich um eine völlig neuartige Seuche, die über Nacht über die Menschheit hereingebrochen sei. Dabei sei das Problem sukzessive entstanden und hat sich nach Ansicht der anwesenden Experten aufgrund zahlreicher Versäumnisse und eklatanter Kontrolldefizite so in Europa verbreiten können. Hartig und Straub warfen den Briten vor, keine systematische Forschung zugelassen zu haben und Untersuchungsergebnisse der Öffentlichkeit und den Verantwortlichen der anderen Ländern vorenthalten zu haben. "Das entscheidende Problem ist, dass es sich um eine unerforschte Erkrankung handelt, die viel Raum für Spekulation lässt." Nach Ansicht des Ministerialrates liegt unter anderem darin der Grund für die Hysterie-ähnliche Verunsicherung der Bevölkerung. Statistisch gesehen ist es viel wahrscheinlicher, im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken als sich mit dem BSE-Erreger zu infizieren. Trotzdem sind natürlich Maßnahmen notwendig, die die weitere Verbreitung des Erregers verhindern. Kretzschmar plädierte dafür, auch keine Schweinegehirne mehr für die Nahrungsmittelherstellung zu verwenden: "Wenn man mit 500g Schlachtmaterial 99,9% des Risikos mindern kann, sollte man auch die Schweinegehirne wegwerfen!"

Aus den Vorträgen wird deutlich, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen (Tiermehlverfütterungsverbot, Dampfdrucksterilisation für die Tiermehlherstellung) Wirkung zeigen - die Anzahl der Neuinfektionen geht seit 1992 in GB kontinuierlich zurück. Es wird aber auch deutlich, dass nur EU-weite Verordnungen für klare Verhältnisse sorgen werden, denn auf dem freien Markt können Produzenten und Händler die Vorschriften der Länder auf legalem Weg umgehen (zum Beispiel die BSE-Tests) und damit die Verbrauchersicherheit untergraben.

 

Referenten

  • Prof. Dr. med. vet. O. C. Straub, Landestierärztekammer B.-W.
  • MR Dr. med. vet. Martin Hartig, Ministerium Ländlicher Raum, B.-W.
  • Prof. Dr. med. Hans A. Kretzschmar, Institut für Neuropathologie, LMU München
  • Prof. Dr. med. Peter Kimmig, Landesgesundheitsamt Baden Württemberg

 

Weiterführende Links

September 2008: Mutter und Sohn in Spanien an menschlicher BSE-Variante gestorben

MADRID (dpa). In Spanien sind weltweit zum ersten Mal eine Mutter und ihr Sohn an der menschlichen Variante des Rinderwahnsinns gestorben. Die Regierung der Region Kastilien-León bestätigte am Donnerstag, dass bei einer 64-jährigen Frau die sogenannte neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) festgestellt worden sei.

Artikel in der Ärztezeitung

WHO

Aktivitäten seitens der WHO, Zahlen zu Erkrankungsfällen (BSE und vCJK), Diagnostische Kriterien für die klassische und die neue Creutzfeld-Jacob-Krankheit

WHO-Infos

Bundesamt für Veterinärwesen (Schweiz)

Infos zu BSE in der Schweiz und in anderen Ländern, BSE von A-Z, Wissenschaftliche Links

http://www.bvet.admin.ch

 

Artikel vom 28.08.2002

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