Leitsymptom Atemnot

Patienten mit Atemnot müssen schnellstmöglich behandelt werden. Doch wie geht man vor?

Kommt ein Patient mit Luftnot (Dyspnoe) zu dir, gibt es für dich nichts Wichtigeres als dem Symptom auf die Spur zu kommen. Erfährst du von einem Patienten auf Station mit Atemnot, muss dieser unverzüglich von einem Arzt gesehen werden. Meldet sich ein Patient mit Atemnot per Telefon, muss dieser am Meldeort professionelle Hilfe erhalten, es muss also zumindest eine Rettungsleitstelle informiert werden.

Eine Dyspnoe wird subjektiv, also vom Patienten selbst empfunden und wird in vier Grade eingeteilt:

 

Grad der Dyspnoe   Klinische Merkmale
Grad I  Keine Dyspnoe
Grad II  Dyspnoe bei schwerer Belastung (Treppensteigen)
Grad III  Dyspnoe bei leichter Belastung (Gehen der Ebene)
Grad IV  Ruhedyspnoe

Objektive Atemnot bis hin zum Vollbild der lebensbedrohenden „respiratorischen Insuffizienz“ kann sich langsam entwickeln oder einen plötzlichen perakuten Notfall darstellen. Kommt es zum Atemstillstand (Apnoe, Asphyxie) drohen in weniger als 5 Minuten irreversible Schädigungen des Gehirns.

 

Was tun?

Die zentrale Frage für dich ist zunächst – noch vor differentialdiagnostischen Überlegungen:

  • Besteht akute respiratorische Insuffizienz?
  • Muss der Patient Atemunterstützung erhalten, ggf. intubiert und beatmet werden? 

 

Die Sofortmaßnahmen bei Atemnot umfassen:

  • Oberkörperhochlagerung, Überprüfung der Vitalfunktionen
  • Messung mittels Pulsoxymetrie
  • Nasale Sauerstoff Applikation (nasal. Maske), BGA-Anlayse und Laboranalyse (Entzündungswerte, Herzenzyme)
  • Intravenöser Zugang
  • Furosemid-Gabe bei Lungenödem und Applikation eines Sprays (Salbutamol, Fenoterol) oder i.v. Applikation eines Kortikosteroids (z.B. 1000 mg Prednison), Adrenalin-Verneblers bei Asthma Anfall als Akutmaßnahme

 

Ärztliche Sofortmaßnahme bei respiratorischer Insuffizienz umfassen:

  • Atemwege freimachen (digital, Absaugen, Magill-Zange, Kopf überstrecken) und frei halten (u.U. Guedel-Tubus, Wendel-Tubus)
  • Maskenbeatmung (C-Griff, Beutel mit Sauerstoff-low)
  •  Endotracheale Intubation (ggf. Verständigung der Anästhesie hausintern!)
  • Ggf. Trachealkanülierung, Koniotomie
  • Patienten mit Trachealkanüle und Atemnot: Trachealkanüle absaugen/entfernen, Spreizen des Zuganges mit Spezialzange

 

Ziel der manuellen Beatmung ist eine Frequenz von ca. 10-12 /Minute, über etwa 1-2 Sekunden.

Besteht hingegen Zeit kannst du eine fundierte Anamnese und klinische Untersuchung machen. Zum Ausschluss oder zur Bestätigung von Differenzialdiagnosen kannst du auch technische Zusatzdiagnostik verwenden.
Man unterteilt die Ursachen von Atemnot in pulmonale, extrapulmonale und kardiale Ursachen. Nach Veranlassung der Akutmaßnahmen müssen diese diagnostiziert und fachspezifisch behandelt werden.

 

Pulmonale Ursachen  Extrapulmonale Ursachen Kardiale Ursachen
Asthma bronchiale, Asthma-Anfall Anämie Herzinsuffizienz
Bronchitis, COPD Hypoxämie Klappenstenose
Lungenembolie Sepsis KHK
Pneumothorax Fieber  
Aspirationspneumonie Psychisch  
Pneumonie Zwerchfellhochstand  
  Pseudo-Krupp  
  Verlegte Atemwege (Nase, Rachen, Trachea), Epiglottitis, Larynxödem  
  Zentralnervöse Atemstörung (Intoxikation, Überdosis Medikamente)  

 

Cave: Die häufigste Ursache für Atemnot in einer internistischen Notaufnahme ist die dekompensierte Herzinsuffizienz, verbunden mit einem Lungenödem.

 

dekompensierte Herzinsuffizienz - Foto: Ulrich Fetzner

Abbildung 1: Konventionelles Röntgenbild bei dekompensierter Herzinsuffizienz mit dem typischen radiologischen Bild eines Lungenödems.Bild: Ulrich Fetzner

 

Anamnese


Allgemein gilt: Kann der Patient noch mit dir sprechen, so ist die Atemnot noch nicht derart stark ausgeprägt.


Du fragst nach neu aufgetretener oder bereits länger bestehender (akuter versus chronischer) Atemnot. Bestehen Schmerzen? Ergab es irgendein Ereignis seitdem die Atemnot auftrat (Trauma, Inhaltation, Insektenstich). Tritt sie in Ruhe, oder nur unter Belastung auf (siehe oben)? Sind Vorerkrankungen (Asthma, Herz-/Lungenerkrankungen, Tumorerkrankungen) bekannt? Wurde der Patient frisch operiert, wurde er in Vergangenheit operiert? Ist er derzeit immobil (Lungenembollie). Besteht seit kurzem eine Gewichtszunahme (Ödeme). Nimmt der Patient Medikamente ein, bestehen Allergien, Unverträglichkeiten? Husten, Auswurf?

 

Körperliche Untersuchung


Die Atemtätigkeit ermittelst du durch Sehen, Fühlen und Hören. Atmet der Patient schnell (Tachypnoe) oder langsam (Bradypnoe)? Bei der Inspektion achtest du auf Zyanose der Lippen, Akren, aber auch Zeichen chronischer respiratorischer Insuffizienz (z.B. Uhrglasnägel). Hebt sich der Thorax seitengleich? Setzt der Patient die Atemhilfmuskulatur ein (Aufstützen, Orthopnoe). Beobachtet man Einziehungen (jugulär, interkostal, epigastrisch), paradoxe Atembewegungen (bei Fremdkörperaspiration), „Nasenflügeln“ bei Kindern. Sind gestaute Halsvenen, Ödeme als klinische Zeichen der Herzinsuffizienz zu sehen?


Auskultatorisch achtet man auf trocken (Giemen, Brummen) oder feuchte (Rasseln) Nebengeräusche und Stridor (expiratorisch, inspiratorisch).

 

Apparative Untersuchungen


Das schnellste technische Untersuchungsverfahren ist eine BGA (Blutgasanalyse), kapillärvenös oder venös entnommen. Ein Röntgenthoraxbild dient dem Ausschluss eines Pneumothorax, zeigt ein Lungenödem oder einen großen Pleuraerguss. Hier kann auch eine Sonographie der Pleura dienlich sein. Ein Spiral-CT Thorax ist Methode der Wahl zum Ausschluss einer Lungenembolie. Im Verlauf kann eine HNO ärztliche Untersuchung und/oder eine Tracheobronchoskopie erforderlich werden.
Je nach vermuteter Ursache der Atemnot kann eine Vielzahl an diagnostischen Verfahren erforderlich werden. Die Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen.

Therapie


Neben o.g. Sofort/Basismaßnahmen werden gezielt die Maßnahmen ergriffen, welche die zugrunde liegende Ursache der Atemnot behandelt (z.B. Furosemid-Gabe bei Lungenödem, Thoraxdrainage bei Pneumothorax, Pleuraerguss usw.)

 

Wichtig
Dyspnoe vermittelt dem Patienten stets starke Angst, u.U. Todesangst. Selten liegen auch so unmittelbar Lebensbedrohung und völlige Gesundung, z.B. nach Ausschwemmung eines akuten Lungenödemes dicht beieinander. Dies ist eine klinische Herausforderung – aber die Patienten werden es dir danken.

 

 

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