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  • Dr. Cornelia Schäfer
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  • 17.12.2015

So diagnostizierst du einen Herzinfarkt

Klagen Patienten über eher unspezifische Symptome, sollest du auch an einen Herzinfarkt denken und im Zweifelsfall immer ein EKG schreiben. Erfahre, wie es interpretiert wird.

 

Herzinfarkt - Foto: hriana/Fotolia.com

Foto: hriana/Fotolia.com

 

Unser Herz ist ein ausgeklügeltes System. Es gliedert sich in ein rechtes und ein linkes Herz mit Vorhöfen und Kammern, die durch Klappen voneinander getrennt sind.

 

Herzgrafik - Foto: Bommas-Ebert, Teubner, Voß, Kurzlehrbuch Anatomie, Thieme, 2011

Aufbau des Herzens: Längsschnitt durch das Herz. Die Pfeile zeigen die Strömungsrichtung des Blutes innerhalb des Herzens. Quelle: Bommas-Ebert, Teubner, Voß, Kurzlehrbuch Anatomie, Thieme, 2011 Mehr dazu

 

Das Herz funktioniert rund um die Uhr und passt sich individuell unserer Körpertätigkeit und den äußeren Umständen an. Um das zu erreichen, hat das Herz ein spezielles Erregungsbildungs- und -Leitungssystem und wird von Sympathikus und Parasympathikus über das vegetative Nervensystem gesteuert. Dadurch kann die Herzfrequenz zu- (Sympathikus) oder abnehmen (Parasympathikus).

 

Erregungssystem Herz - Foto: nach Bommas-Ebert, Teubner, Voß, Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie, Thieme, 2011

Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem des Herzens: Die Erregungsbildung erfolgt in der Regel im Sinusknoten. Von dort breitet sich die Erregung über die Vorhöfe aus. Der AV-Knoten stellt die Verbindung zwischen Vorhöfen und Ventrikeln dar. Unterhalb des AV-Knotens erfolgt die Erregungsleitung über das His-Bündel, welches sich in rechten und linken Kammerschenkel (Tawara-Schenkel) aufteilt. Der linke Kammerschenkel verzweigt sich in einen anterioren (vorderen) und einen posterioren (hinteren) Faszikel. Die Purkinje-Fasern übertragen die Erregung schließlich auf das Ventrikelmyokard. Quelle: Bommas-Ebert, Teubner, Voß, Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie, Thieme, 2011. Mehr dazu

 

Diagnostik Herzinfarkt im EKG


Neben einem Blut-Schnelltest (Troponin-Test), der erste Hinweise geben kann, und einem ausführlicheren Labor, das dem Notarzt und dem Hausarzt nicht unmittelbar zur Verfügung steht, sollte im Fall eines Verdachts auf Herzinfarkt (Myokardinfarkt) unbedingt ein EKG geschrieben werden.
Das EKG ist die Ableitung der elektrischen Reizleitung des Herzens an der Körperoberfläche an bestimmten Stellen der Haut. Es gibt Auskunft über die Lage des Herzens, die Herzfrequenz, den Herzrhythmus, seinen Ursprung, die Erregungsausbreitung und Rückbildung. Im Falle eines Herzinfarkts aber auch bei anderen Erkrankungen des Herzens (Rhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Herzhypertrophie) kann das EKG verändert sein.

Die normale EKG-Kurve sieht so aus:

  • EKG Herz - Foto:  Huppelsberg, Walter, Kurzlehrbuch Physiologie, Thieme, 2013

    Ablauf der Herzerregung Quelle: Huppelsberg, Walter, Kurzlehrbuch Physiologie, Thieme, 2013

     

Die Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen der Erregungsausbreitung im Herzen und den verschiedenen Anteilen der EKG-Kurve. Der Summationsvektor des Herzens zeigt im Verlauf eines Herzzyklus in Richtung der Erregungsausbreitung. Wenn man die Spitzen der Summationsvektoren verbindet, erhält man die Vektorschleife (bestehend aus Vorhof-, Ventrikel- und Repolarisationsschleife).

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Es gibt unterschiedliche EKG Ableitungen. Die für die klinische Diagnostik entscheidenden sind die sogenannten Extremitätenableitungen ( die Einthoven Ableitungen (I-III) und die Goldberger Ableitungen (aVL, aVR, aVF)) sowie die Thorax Ableitungen nach Wilson (V1-V6; in der Klinik bis V9 zur präziseren Diagnostik von Hinterwandinfarkten möglich).

 

Was ist beim Infarkt-EKG anders?

Ein EKG kann trotz bestehender Beschwerden auch relativ „normal“ sein. Wichtig ist, den Patienten trotzdem ins Krankenhaus zu schicken. Manchmal entstehen die Veränderungen im EKG bei einem Herzinfarkt auch erst mit einer zeitlichen Verzögerung. Dann zählt jede Minute für die schnelle Therapie!
Im Folgenden ist eine Übersicht der EKG-Veränderungen bei der jeweiligen Lokalisation des Infarktes dargestellt:

 

Infarktlokalisation betroffenes Gefäß  typische EKG  Veränderung 
ausgedehnter Vorderwandinfarkt proximaler Verschluss des R. interventricularis anterior (RIVA) V2-V5, I,II, aVL
Anteroseptalinfarkt Verschluss von peripheren RIVA-Anteilen unter Einbeziehung septaler Äste V1-V3 (V4)
Apikaler Vorderwandinfarkt Verschluss peripherer RIVA Anteile V3-V4 (II)
Anterolateralinfarkt Verschluss peripherer RIVA Anteile unter Einbeziehung des R.diagonalis V4(V3)-V6, I(II), aVL
Inferolateralinfarkt Verschluss des R.marginalis der A. coronaria sinstra V5-V6(V7), II-III, aVF
Inferiorer (diaphragmaler) Hinterwandinfarkt Verschluss periphererAnteile der A.coronaria dextra oder des R. circumflexus sinister II, III, aVF
Posteriorer (basaler) Hinterwandinfarkt Verschluss peripherer Anteile und Aufzweigungen des R. circumflexus sinster, insbesondere des R. atrioventricularis V2(V1-V3), (II, III), (aVF)

 

 

EKG Herzinfarkt - Foto: Hamm, Willems, Checkliste EKG, Thieme, 2014)

ST-Strecken-Hebungen bei Myokardinfarkt (12-Kanal-EKG): Es handelt sich um ein EKG bei einem STEMI (ST-Hebungsinfarkt) der Vorderwand. Zu erkennen sind ST-Strecken-Hebungen in den Brustwandableitungen V1–V5. Quelle: Hamm, Willems, Checkliste EKG, Thieme, 2014. Mehr dazu

Lessons learned


Klagen Patienten über eher unspezifische Symptome, sollest du auch an einen Herzinfarkt denken und im Zweifelsfall immer ein EKG schreiben. Auch Bauchschmerzen, Magendruck, Schulterschmerzen oder Schmerzen, die in den Hals ziehen, können einen Herzinfarkt als Ursache haben. Besondere Vorsicht ist bei Diabetikern, Frauen und jüngeren Menschen geboten.


Diabetiker können aufgrund der Polyneuropathie, die auch die Nervenfasern des Herzens betreffen kann, trotz eines fulminanten Herzinfarktes keinerlei Beschwerden haben.


Frauen geben oft unspezifische Symptome an und unterscheiden sich darin von denen der Männer. Sie klagen eher über Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden und neigen dazu, Beschwerden zu verharmlosen. Rauchen als Risikofaktor scheint für sie insgesamt deutlich gefährlicher zu sein als für Männer. Auch hormonelle Einflüsse spielen eine Rolle, v.a. die „Blutfette senkenden“ Östrogene, die Frauen bis zur Menopause stärker vor Herzinfarkten schützen.


Bei jüngeren Menschen denkt man oftmals nicht an einen Herzinfarkt. Der Lebenswandel heutzutage mit fettreicher Ernährung, Rauchen, Stress, Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht bei mangelnder Bewegung, kann jedoch auch bei jungen Menschen einen Herzinfarkt verursachen.

 

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