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  • 22.02.2016

Wie du eine Gastritis erkennst und therapierst

Der Magen ist ein empfindliches Organ – wird er gereizt, setzt er zum Krampf an. Wie du den Ursachen auf die Spur kommst und den Magen wieder besänftigst.

 

Magenschmerzen - Foto: inesbazdar/Fotolia.com

Magenschmerzen können viele Ursachen haben – von harmlos bis lebensgefährlich. Foto: inesbazdar/Fotolia.com

 

Ausnahmsweise ist heute nicht die Hölle los in der Notaufnahme. Frau Berger, Assistenzärztin der Inneren im zweiten Jahr, will sich gerade einen Tee aufbrühen, als es dann doch an der Tür klopft und Schwester Inga ihren Kopf reinstreckt. "Gerade ist eine 28-jährige Patientin mit starken Bauchschmerzen gekommen, sie hat bereits Buscopan genommen, aber es geht ihr immer noch schlecht. Kannst du kommen?“ "Klar, schaue ich mir gleich mal an."

Frau Berger geht zur Anmeldung und holt die Patientin ab. "Hallo, Berger mein Name, ich bin die zuständige Ärztin. Was kann ich für Sie tun?" "Lena Maier, hallo. Ich  habe seit heute Abend furchtbare Bauchschmerzen, die irgendwie drücken." Im Behandlungszimmer erfährt Frau Berger, dass die Schmerzen nicht ausstrahlen, Frau Maier aber bereits seit einigen Tagen übel sei und sie immer dieses Völlegefühl habe. In den letzten Tagen habe sie wegen Kopfschmerzen mehrere Tabletten Ibuprofen eingenommen, sonst würde sie keine Medikamente einnehmen. Frau Berger schießen die unterschiedlichsten Differentialdiagnosen durch den Kopf, während sie Frau Maier klinisch untersucht. Die Auskultation zeigt normale Darmgeräusche, bei der Palpation schreit die Patientin bei Druck auf das Epigastrium auf. "Aua, das tut höllisch weh! Hoffentlich ist es nichts Schlimmes, ich hab nächste Woche das zweite Staatsexamen und muss bis dahin noch so viel lernen, da kann ich einfach nicht krank sein."

Frau Maier scheint stark gestresst zu sein, Frau Berger ahnt schon, an was sie leidet, will aber nicht vorschnell urteilen. Um eine Cholezystitis auszuschließen sonografiert die Ärztin ihr Patientin, kann dabei jedoch keine Entzündungszeichen der Gallenblase feststellen. Anschließend nimmt sie ihr Blut ab, um es gleich ins Labor zu geben. Außerdem weist sie die Schwester an, eine Novalgin-Infusion vorzubereiten. "Dann warten wir mal auf das Labor, ich komme wieder zu Ihnen, sobald es da ist."

Eine Stunde später hat Frau Berger die Blutwerte vorliegen. Die Assistenzärztin findet bis auf eine leichte Leukozytose keine auffälligen Werte, so dass die Patientin auch keine Pankreatitis zu haben scheint. Daher tippt Frau Berger auf die schon vermutete Gastritis und gibt Frau Maier Bescheid. "Tut mir leid, Frau Maier, heute wird es mit dem Lernen nichts mehr. Ich vermute, Sie haben eine Magenschleimhautentzündung. Wir möchten Sie gerne hier behalten und eine intravenöse Schmerztherapie beginnen. Morgen würden wir dann eine Magenspiegelung machen." Frau Maier stöhnt auf, das bringt ihren Lernplan völlig durcheinander.

 

Alarm im Magen

Die Gastritis gehört für den Gastroenterologen zum täglich Brot. Bei der Gastritis handelt es sich um eine Entzündung der Magenschleimhaut. Oft wird zwischen einer akut auftretenden sowie einer chronischen Gastritis unterschieden. Während sich eine akute Gastritis meistens durch die typischen Verdächtigen wie Alkohol, ASS, NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika) oder Stress erklären lässt, unterscheidet man bei der chronischen Gastritis die drei Typen A, B und C (autoimmun, bakteriell und chemisch).

Die Typ A Gastritis, die Autommungastritis, zeichnet sich durch das Vorhandensein von Autoantikörpern gegen die Parietalzellen sowie den intrinsic factor aus. Sie ist oft mit weiteren Autoimmunerkrankungen wie dem Diabetes mellitus Typ 1 oder der Hashimoto-Thyreoditis vergesellschaftet. Gelegentlich zeigt sich eine Mischform mit der Besiedlung von Helicobacter pylori. Dieser ist auch die Ursache für die mit 80% am häufigsten vorkommende Typ B Gastritis, der bakteriellen Gastritis. Die Durchseuchung mit dem Helicobacter pylori ist höher als man denken würde. Als Faustregel gilt dabei, dass mit zunehmendem Alter eine höhere Prävalenz des Bakteriums in der Bevölkerung zu beobachten ist.

Die dritte Form der chronischen Gastritis, Typ C oder chemische Gastritis genannt, wird durch typische NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen oder auch durch bestimmte Antibiotika ausgelöst.

 

Akut, A, B, oder C – die Anamnese zeigt's     

Die Unterscheidung zwischen einer akuten sowie einer chronischen Gastritis ist oft schon durch eine gute Anamnese-Erhebung möglich. So treten bei der akuten Gastritis häufig heftige Schmerzen auf, die Patienten klagen über ein Druckgefühl im Oberbauch und leiden oft an Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Bei der chronischen Gastritis hingegen sind die Patienten oft beschwerdeärmer und haben sehr unspezifische Oberbauchbeschwerden, einige Patienten fallen nur wegen einer milden Anämie durch die chronische Blutung auf. Bei beiden Gastritis-Formen lässt sich die Diagnose einfach und schnell durch eine Gastroskopie stellen. Wichtig sind dabei die Entnahme von Biopsien sowie ein Helicobacter-Urease-Test (HUT). Alternativ lässt sich der Helicobacter pylori auch in einem C13-Atemtest nachweisen, bei Verdacht auf eine Typ-A-Gastritis kann noch ergänzend die Bestimmung von Parietalzellen-Antikörpern und Auto-Antikörpern gegen den intrinsic factor erfolgen.

Die Diagnostik mit der Gastroskopie ist deswegen so wichtig, da es bei einer erosiven Gastritis zu Magenblutungen und Ulzera kommen kann. Bei der Typ A und Typ B Gastritis besteht außerdem das Risiko der Entwicklung eines Magenkarzinomes, zusätzlich können bei der bakteriellen Gastritis auch noch B-Zell- oder MALT-Lymphome auftreten, weshalb die Entnahme von Biopsien eine solch große Rolle spielt. Eine weitere Komplikation der Gastritis ist die Eisenmangelanämie bei der Typ B-Gastritis sowie die perniziöse Anämie bei der autoimmunen Gastritis, die durch das Fehlen des intrinsic factor sowie einem damit verbundenen Vitamin B12-Mangel entsteht.

 

Vorsicht was im Magen landet

Generell versucht man bei einer akuten Gastritis die exogenen Noxen wie beispielsweise Alkohol oder NSAR wegzulassen. Den Patienten wird auch geraten, für einige Tage eine leichte Schonkost einzuhalten. Medikamentös wird die Gastritis mit einem Protonenpumpeninhibitoren wie Pantozol oder Omeprazol therapiert. Sollte sich bei der Endoskopie ein positiver Helicobacter pylori Befund ergeben, ist eine Eradikation des Bakteriums zu empfehlen. Die hierzulande beliebte Französische Tripel-Therapie besteht aus einem Protonenpumpeninhibitoren sowie den zwei Antibiotika Amoxicillin und Clarithromycin. Wird die Therapie über sieben Tage regelrecht eingenommen, besteht eine hohe Erfolgsquote für die Eliminierung des Helicobacter pylori. Um sicherzugehen, dass die Therapie den gewünschten Erfolg gebracht hat, empfiehlt es sich, im Anschluss nach etwa 6-8 Wochen erneut eine Gastroskopie oder einen Atemtest durchzuführen. Sollte man ein Therapieversagen feststellen, ist eine Resistenzbestimmung und eine anschließende Zweitlinientherapie zu empfehlen. Bei einer Autoimmun-Gastritis kann bei einem positiven Helicobacter pylori Befund eine Eradikation zum Teil zur Ausheilung der Gastritis führen. Oft brauchen Patienten mit einer Typ A Gastritis lebenslang eine Vitamin B12-Substitution.

Bei Frau Bergers Patientin haben die Novalgin-Infusionen eine deutliche Besserung gebracht. Am nächsten Morgen wird die Gastroskopie durchgeführt.

Die Bildergalerie zeigt, wie eine Gastroskopie abläuft:

  • Gastroskopie - Bilder: Thao Tran

    Ein typischer Endoskopie-Turm mit Endoskop und Absaugung.

     
  • Gastroskopie - Foto: Thao Tran

    Bei der Vorbereitung für die Endoskopie darf das Mundstück zum Schutz des Endoskops vor den Zähnen des Patienten nicht fehlen. Außerdem werden die Röhrchen zur Bewahrung der histologischen Proben bereits aufgestellt.

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    Vor jeder Endoskopie muss der Endoskopiker das Gerät prüfen. Dabei wird das Licht justiert und die Saugung und Luftinsufflation ausprobiert.

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    Bei der Gastroskopie liegt der Patient auf der linken Seite, der Endoskopiker steht vor dem Patienten. Eine Gastroskopie kann auch bei wachen Patienten durchgeführt werden, die meisten Patienten erhalten jedoch eine Sedierung mit Propofol.

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    Die Bewegungen des Endoskops können über zwei Räder am Haltegriff bestimmt werden. Hier sieht man gerade einen Teil des Duodenums.

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    Jeder Patient wird während der Gastroskopie am Monitor überwacht. Dabei werden Puls, Blutdruck, die Sättigung sowie die Atemfrequenz gemessen. Auf dem Endoskopie-Monitor erkennt man hier eine gefürchtete Komplikation der Gastritis: ein Ulcus.

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  • Gastroskopie - Foto: Thao Tran

    Das zusammengelegte Endoskop. Jedes Endoskop wird nach der Benutzung sorgfältig desinfiziert.

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In der Magenspiegelung bei Frau Maier zeigen sich oberflächliche, hämatinbelegte Gewebsdefekte und eine fleckige Rötung der Schleimhaut. Der Endoskopiker führt einen Helicobacter Urease Test durch, der jedoch negativ ausfällt.

Zusammen mit der Anamnese kann bei Frau Bergers Patientin eine NSAR-Gastritis diagnostiziert werden. Die Patientin erhält einen Magenschutz mit Pantozol 40 mg und den Rat, in Zukunft bei längerer und gehäufter Einnahme von Ibuprofen immer an den Magenschutz zu denken. Frau Maier ist erleichtert, dass es ihr so schnell besser geht. Bevor sie sich wieder ans Lernen macht, muss sie Frau Berger noch versprechen, bei Kopfschmerzen öfter eine Pause zu machen und an die frische Luft zu gehen. So kann sie vielleicht auf die Ibu-Tabletten in Zukunft verzichten.

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