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  • Melanie Hüttemann
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  • 01.08.2011

Pfeiffersches Drüsenfieber: Kuss mit Folgen

Kein Zweifel: Küssen ist eine schöne Sache. Sie ist jedoch auch für die Durchseuchung mit EBV weltweit mit verantwortlich. EBV ist die Abkürzung für das Epstein-Barr-Virus. Dieses Virus der Herpesvirus-Gruppe ist der Erreger der sogenannten "kissing disease", auch bekannt als Pfeiffersches Drüsenfieber oder Mononukleosis infectiosa.

Insbesondere Jugendliche erkranken

Betroffen von der infektiösen Mononukleose sind insbesondere Jugendliche zwischen dem 15. und dem 19. Lebensjahr, aber auch Kinder und Erwachsene können erkranken. Die Tröpfcheninfektion ist gekennzeichnet durch einen Befall des Epithels von Mund, Rachen und Speicheldrüsen. Nach der Virusreplikation werden B-Lymphozyten befallen, die dann wiederum Ziel einer zellulären zytolytischen Immunantwort durch mononukleäre T-Lymphozyten sind.

Klassische Symptom-Trias: Das klinische Bild

Nach einer Inkubationszeit von 30-50 Tagen tritt klassischerweise eine Symptom-Trias aus plötzlich auftretendem, über 7-14 Tage anhaltendem hohem Fieber, Angina bzw. Pharyngitis und einer generalisierte Lymphgewebshyperplasie auf. In der Regel stellt sich der Patient in einem stark reduzierten Allgemeinzustand mit Schluckbeschwerden in der Arztpraxis vor. Die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme kann beeinträchtigt sein, unter Umständen ist sogar die Atmung behindert.

"Im Stadium des Drüsenfiebers dürfte die Diagnose kaum zu verfehlen sein"

Bereits die Symptomtrias bringt den Arzt auf die richtige Fährte. Kommt dann noch eine mäßige Erhöhung der Transaminasen und ein Differentialblutbild mit typischer Vermehrung der lymphoiden Zellen hinzu, steht der Diagnosestellung in den meisten Fällen nichts mehr im Weg.

Der sog. Paul-Bunnell-Test, der erst in der zweiten Krankheitswoche positiv wird, weist heterophile Antikörper nach, die Schafs-Erythrozyten agglutinieren. Man spricht auch vom Pseudo-IgM-Nachweis. Allerdings, so der Facharzt für Laboratoriumsmedizin Dr. B. Ziegler, ist der PB-Test nicht mehr up to date, da es sich um eine relativ unspezifische Reaktion handelt und sich nicht direkt gegen das EBV richtiet, sondern gegen Membranbestandteile der Hammel-Erythrozyten. Heute wird der PB-Test allenfalls als Schnelltest genutzt, gehört aber nicht mehr zum Standard.

Stattdessen bestimmt man heute eher EBV-spezifische Antikörper, so zum Beispiel IgG- oder IgM-Antikörper gegen EBV-VCA-Kapselantigen oder Antikörper gegen Kernantigen (Anti-EBNA). Diese Untersuchung kann angezeigt sein, da einige Erkrankungen ein ähnliches Bild wie die infektiöse Mononukleose bieten, zum Beispiel Hepatitis B, Toxoplasmose und HIV.

Von einem A-Streptokokken-positiven Rachenabstrich sollte sich der Arzt nicht in die Irre führen lassen. Bei bis zu 30 % der Mononukleose-Patienten findet man A-Streptokokken: Eine A-Streptokokken-Infektion schließt eine infektiöse Mononukleose nicht aus. ("Man kann auch Läuse und Flöhe haben").

Meist harmloser Verlauf/seltene Komplikationen

Was sich jeder Medizinstudent einprägt, ist die Gefahr einer unter Umständen tödlichen Milzruptur. Diese tritt allerdings nur in einem bis zwei von 1000 Fällen auf. Trotzdem sollte man die Palpation der Milz vorsichtig durchführen oder besser auf die Sonographie zurückgreifen.
Auch die gefürchtete Enzephalitis besitzt Seltenheitswert. Möglicherweise werden Sie auch in Ihrer beruflichen Laufbahn niemals einem Patienten begegnen, der aufgrund der Mononukleose ein Guillain-Barreé-Syndrom oder eine Agranulozytose entwickelt. Immungeschwächte Patienten sind allerdings von Komplikationen bedroht, zum Beispiel Lymphknotentumoren (Burkitt-Lymphom, B-Zell-Lymphome), Nasopharynxkarzinome und orale Haarleukoplakie können die Folge einer Infektion sein. In der Regel heilt das Pfeiffersche Drüsenfieber aber innerhalb von 2-3 Wochen unkompliziert aus, nahezu alle Patienten sind nach zwei Monaten beschwerdefrei.

Empfehlung: Aussitzen

Ist die Diagnose einmal gestellt, hat der Arzt nicht mehr viel zu tun - die Therapie ist rein symptomatisch. So ist in der Fieberphase Bettruhe indiziert und Parazetamol lindert Schmerzen und Fieber. Antibiotika wie ß-Lactamantibiotika sind wegen der Gefahr eines Leyll-Syndroms kontraindiziert. In den seltenen Fällen, in denen Komplikationen wie eine starke Thrombozytopenie, ein Rachenödem mit Atembeschwerden oder eine Polyneuritis auftreten, sollte der Patient mit Prednisolon behandelt werden.

Prophylaktische Maßnahmen

Ein Impfstoff existiert zur Zeit noch nicht. Auch ansonsten ist für einen liebebedürftigen Menschen nicht einfach, die Infektion zu vermeiden, da die einzige Möglichkeit wäre, den Kontakt mit fremden Speichel zu meiden. So wird die Durchseuchung wahrscheinlich auch weiterhin 100% betragen.

Quellen

Bob: Duale Reihe Innere Medizin 2. Aufl., Georg Thieme Verlag

Greten: Innere Medizin: Verstehen - Lernen - Anwenden, Georg Thieme Verlag

Lehnert/Schuster: Innere Medizin essentials, Georg Thieme Verlag

Aktuell

Aktuelle Meldung von "Ärztliche Praxis": Einige Fälle des Chronic Fatigue Syndrome (CFS) könnten aufgrund von Hirnschäden in frühen Stadien des Pfeifferschen Drüsenfiebers entstehen.

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