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  • H. Genzwürker und J. Hinkelbein
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  • 01.01.2005

Online-Kurs Notfallmedizin - Fall 9: Wespenstich

Zusammengestellt aus dem Fallbuch Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin.


"Kollaps" einer 32-jährigen Patientin nach Wespenstich

An einem heißen Sommernachmittag werden Sie als Notarzt zu einer 32-jährigen Patientin in eine Bäckerei geschickt. Die Einsatzmeldung lautete "Kollaps".

Bei Ihrer Ankunft finden Sie die Frau, die als Verkäuferin in dem Geschäft arbeitet, auf einem Stuhl sitzend vor. Auffällig sind eine deutliche Hautrötung im Gesicht sowie eine Schwellung im Bereich der Augenlider. Es besteht keine Atemnot, die Patientin gibt aber Schwindel und einen Juckreiz am ganzen Körper an. Sie sei von einer der zahlreichen Wespen im Halsbereich gestochen worden, als sie versuchte, das Tier von den Kuchen zu verscheuchen.

Eine "Allergie auf Wespenstiche" sei bei ihr seit langem bekannt, deshalb sei sie vorhin auch beinahe umgekippt. Ihr Notfallset habe sie leider zu Hause liegen lassen, die Kollegin habe umgehend den Notarzt alarmiert.

 

Fragen:

  • 1. Welche Erstmaßnahmen führen Sie durch?

    Antwort:

    • Patientin hinlegen
    • Atmung überwachen und sichern:
      - Sauerstoffgabe (6-8 l/min über Sauerstoffinhalationsmaske)
      - Pulsoxymetrie
    • Kreislauf überwachen und sichern:
      - EKG-Monitoring, Blutdruckkontrolle
      - Venöse Zugänge (mindestens eine Kanüle G 16)
  • 2. Welche erweiterten Therapiemaßnahmen führen Sie bei der vorliegenden anaphylaktischen Reaktion durch?

    Antwort:

    • Volumensubstitution: kristalline und kolloidale Lösungen (z. B. Ringer- und HAES-Lösung) bis zur Kreislaufstabilisierung
    • Gabe von Antihistaminika:
      - H1-Antagonisten, z. B. Dimetinden (z. B. Fenistil 1 mg/kg KG) oder Clemastin (z. B. Tavegil 2 mg i. v.)
      - ggf. zusätzlich H2-Antagonisten, z. B. Cimetidin (z. B. Tagamet 300 mg) oder Ranitidin (z. B. Zantic 50 mg i.v.)
    • Gabe von Glukokortikoiden, z. B. Prednisolon (z. B. Solu-Decortin H 250-500 mg i. v.) Adrenalin aufziehen lassen (1 Ampulle zu 1 mg verdünnt auf 10 ml)
  • 3. Welche Symptome können zusätzlich zu den vorliegenden auftreten?

    Antwort:

    • Sehr variable Kombination von Symptomen möglich!
    • Hautmanifestation: Erythem (fleckförmig oder am ganzen Körper), Urtikaria, Juckreiz
    • Herz-Kreislauf-Reaktionen: Hypotonie, Tachykardie, Schock, Herz-Kreislauf-Stillstand
    • Respiratorische Symptome: Atemnot durch Schwellung (Pharynx, Larynx) und/oder Bronchospastik (Asthmaartige Beschwerden)
    • Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit
    • Gastrointestinale Symptome: Übelkeit, Erbrechen
  • 4. Die erste Blutdruckkontrolle ergab einen systolischen Wert von 90 mmHg. Bei Kontrolle liegt der Blutdruck bei 60 mmHg. Wie behandeln Sie die Patientin jetzt?

    Antwort:

    • Falls noch nicht geschehen: Schocklage (Beine hoch)
    • Intensivierung der Volumensubstitution (Dosierung nach Wirkung)
    • Kristaline Lösung: mindestens 2.000 ml
    • Kolloidale Lösung: mindestens 1.000 ml
    • Katecholamintherapie: Adrenalin nach Wirkung, zunächst 0,1 mg (1 ml der verdünnten Lösung)

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Fall 7: Bauchschmerzen & Arrhythmie

Fall 8: Fieber, Husten, Auswurf

Fall 9: Wespenstich

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