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  • Dr. Yvonne Kollrack
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  • 26.06.2014

Wie behandelt man Fußballverletzungen?: Die Syndesmosenruptur

Beim Fußball geht es heiß her. Verletzungen sind hier die Regel. Wir erklären, wie Muskelfaserriss & Co. behandelt werden.

No. 1 | Das nationale Trauma: Die Syndesmosenruptur

Echte Experten sind sich einig: Wäre Michael Ballack zur WM in Südafrika fit gewesen, hätte es dort schon zum Titel gereicht. Dass er es nicht war, lag an einem brutalen Foul im Endspiel um den englischen Fußballpokal am 15. Mai 2010: Ballack spielte mit seinem Verein FC Chelsea gegen den FC Portsmouth. Die Stimmung auf dem Spielfeld war geladen. Zwischen dem deutschen Kapitän und dem Portsmouth-Spieler Kevin-Prince Boateng kam es zum Streit. Wenige Minuten später das Foul: Boateng trat Ballack von vorne gegen das obere Sprunggelenk. Trotz starker Schmerzen spielte der „Capitano“ noch kurz weiter – musste dann aber ausgewechselt werden. Diagnose: Innenbandriss und Teilriss der Syndesmose. Das Sprunggelenk ist im Fußball das am häufigsten verletzte Gelenk. Durch Um­knicken oder Rotationsbewegungen bei fixiertem Fuß kommt es hier schnell zu Distorsionstraumata. Während eine Supination primär zu Verletzungen am Außenbandapparat führt, bewirkt eine Pronation bei fixiertem Fuß mit zunehmender Außenrotation eine Drehung und Kippung des Talus in der Knöchelgabel mit Druck gegen den Innenknöchel. Hinzu kam die direkte Krafteinwirkung durch Boatengs Tritt. Letztlich gaben sowohl Innenband als auch Syndesmose diesen Scherkräften nach. Am besten können Sprunggelenks­verletzungen mit der Lauge-Hansen-Klassifikation eingeteilt werden. Sie klassifiziert das Trauma anhand des auslösenden Mechanismus: War der Fuß außenrotiert oder adduziert? Machte der Talus eine Supinations- oder Pronationsbewegung? Am Spielfeldrand können solche Details nur annäherungsweise bestimmt werden. Deshalb konzentriert sich der Teamarzt darauf, die Spielfähigkeit des Kickers zu bestätigen oder auszuschließen. Zunächst tastet er das Sprunggelenk nach Schmerzpunkten ab, um eindeutige knöcherne Verletzungen zu erkennen. Wird er fündig, muss der Spieler abbrechen. Sofern schmerzbe­dingt möglich, prüft er außerdem die Stabilität der Bänder. Vorläufig erstversorgt werden die Spieler mit der PECH*-Therapie. Behandelt werden die meisten Bandverletzungen am Sprunggelenk konservativ durch Ruhigstellung. Massive Mehrfachtraumata oder Re-Rupturen sowie chronische Instabili­täten sollten jedoch operativ mit Bandnaht bzw. -plastik versorgt werden. Ballack wurde konservativ behandelt, und nach drei Monaten stand er wieder auf dem Platz. Für die WM 2010 kam die Genesung aber zu spät. Und wenig später war er nur noch Werbeträger einer Reiseagentur. Am 5. Juni 2013 hatte Ballack sein Abschiedsspiel, wozu er viele andere Fußballer einlud – allerdings nicht Kevin-Prince Boateng.

 

* PECH steht für die Sofortmaßnahmen, die bei Muskel- bzw. Gelenkverletzungen im Sport empfohlen werden: Pause - Eis (Kühlung) - Compression - Hochlagerung.

 

Syndesmosenruptur - Foto: Y. Kollrack

Ganz so schlimm traf es Ballack nicht: Befund mit Komplettruptur der Syn­desmose und Innenbandläsion.

Weiter: Wie behandelt man Fußballverletzungen?: Der "Pferdekuss"

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