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  • Ines Elsenhans
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  • 18.03.2015

Schmerzhafter Pferdekuss: Wie werden Prellungen behandelt?

So harmlos der „Pferdkuss“ auch klingen mag – manchmal kann er gefährlich werden. Doch wie erkennt man eine Prellung und wie sieht die Erstversorgung aus?

 

Pferdekuss - Foto:  lassedesignen - Fotolia.com

Ein Pferdekuss hat mit der romantischen Vorstellung, von einem Pferd geküsst zu werden, leider nichts zu tun. Foto: lassedesignen - Fotolia.com

 

76' Minute. Die Hobbykicker des VFL Eberswalde liegen mit 0:1 im Rückstand und so langsam geht ihnen die Pumpe. "Bewegt euch, bewegt euch. Fußball ist ein Laufspiel", brüllt der Trainer vom Spielfeldrand. Verzweifelt kämpft Tim sich zum Gegnertor durch, trippelt sich den Ball zurecht und holt mit dem rechten Bein zum Torschuss aus. Im Augenwinkel sieht er noch einen Stürmer auf sich zu rennen, aber der wird ihn nicht aufhalten können. Nicht mehr jetzt. "AAAAAAAAAAAAuuuuuuuuuuuaaaaaaaaa". Zeitgleich mit dem Abstoß spürt Tim die Stollen des Stürmers auf seinem Oberschenkel. Er fällt zu Boden, die Schmerzen rauben ihm die Luft, vor seinen Augen beginnt es zu flimmern, er wird fast Ohnmächtig.

Am Spielfeldrand beobachtet Vereinsarzt Dr. Jürgen Vetter die Szene und läuft sofort zu Tim, der sich schon wieder etwas berappelt. "Kannst du aufstehen?" "Wenn Sie mich stürzen, kann ich's mal versuchen." Auf einem Bein humpelt Tim mit Dr. Vetter zum Sani-Raum. Wie es aussieht, hat sich Tim nichts gebrochen, aber eine starke Prellung ist das auf jeden Fall, denkt sich der Arzt.

 

Bluterguss - Foto: Kirsten Oborny

Klassischer Hautschmuck: Ein Hämatom auf dem Oberschenkel. Foto: Kirsten Oborny

 

Erstversorgung mit PECH

Eine Prellung gehört zu den Akutverletzungen, die schnell behandelt werden müssen. Wichtig ist vor allem die Blutung und Schwellung zu begrenzen. "Leg' dich erstmal auf die Liege, ich hole Eis", erklärt Dr. Vetter. 

Bei seiner Behandlung geht er nun nach dem PECH-Schema vor:

  • Pause: Sport sollte bis zur endgültigen Diagnostik unterbrochen werden.
  • Eis: Die Prellung sollte gekühlt werden, z.B. mit Cool-Packs, Eisspray etc. (Direkter Hautkontakt sollte aber vermieden werden, damit es nicht zu lokalen Erfrierungen kommt.) Gut sind hier etwa 20 Minuten verteilt auf eine Stunde.
  • Compression: Es sollte ein elastisches Druckverband angelegt werden. Dieser sollte aber nicht abschnüren, da sonst das Ödem eher zunimmt.
  • Hochlagerung: Die betroffene Extremität sollte hoch gelagert werden.

Normalerweise können Prellungen konservativ behandelt werden. Schwere Blutergüsse müssen unbedingt per Sonografie abgeklärt werden um zu sehen, ob das Hämatom mittels einer Punktion mit anschließender Drainage abgelassen werden muss. In seltenen Fällen kann eine Prellung auch ein Kompartmentsyndrom (Funktionsstörung in einem geschlossenen anatomischen Kompartiment) auslösen. Das passiert, wenn der Bluterguss so groß ist, dass er die Blutgefäße abquetscht. Wenn es schlecht läuft, kann dies zur einer Nekrose und einer Amputation führen. Daher ist eine schnelle, offen-chirurgische Fasziotomie (Spaltung einer Muskelfaszie) indiziert, im Verlauf eine Sekundärnaht oder Spalthauttransplantation.

Ist jedoch alles halb so schlimm und es kann konservativ behandelt werden, helfen Salben oder Gele (z.B. Heparinsalbe) unter einem Druckverband. Gegen die Schmerzen wirken analgetische und antiphlogistische Medikamente (z.B. Ibuprofen, Diclofenac).

 

Alles wieder fit?

War keine OP nötig, kann nach etwa fünf Tagen wieder Sport getrieben werden – mit Ausnahme von Dehnübungen, die erst nach etwa zwei Wochen wieder gemacht werden dürfen. Der Druckverband sollte für zwei bis drei Wochen weiter getragen werden.

Tim hat Glück und die Prellung  besserte sich schnell. Schon nach zehn Tagen steht er wieder auf dem Platz. Klar ziept es ihm noch ein bisschen im Oberschenkel, aber er kann doch seine Mannschaft nicht im Stich lassen.

 


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