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  • Verena Päschke
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  • 27.02.2005

Famulatur-Tagebuch (11)

Eine bayrische OP

Verena will es wissen und stellt ihr Durchhaltevermögen erneut unter Beweis. Dieses Mal ist eine "bayrische" OP angesagt.

Foto: Jupiterimages

Ich versuche unauffällig zu wirken...

Mit reichlich Fisherman`s Friend bewaffnet starten Pia und ich in die neue Arbeitswoche. Yara ist leider nicht mehr da, dafür PJ Andi. Ein Sonnyboy, der jedes weibliche Wesen in der Klinik – von der OP-Putzfrau über Schwester Martha bis hin zur Anästhesie-Oberärztin – charmant um den Finger wickelt. Pia und ich dürfen in den OP und überlassen ihm nur zu gern die Stationsarbeit. Heute bin ich zweite Assistentin bei einer brusterhaltenden Tumorentfernung mit axillärer Dissektion. Tom, der sonst kaum in den OP darf, ist erster Assistent.

Das bedeutet: Wieder keine Chance, selbst zu nähen. Dass ich es noch nicht versuchen durfte, ist allerdings meine eigene Schuld, schließlich war ich nur einmal bis zum OP-Ende anwesend.

Ich versuche, möglichst unauffällig zu wirken

Operateur ist Prof. Hieber, ein langer dünner Mann mit humorvollem Blick und urig-bayerischer Art. "Himmel, A... und Zwirn", flucht er jedes Mal, wenn ihm die Lampen nicht richtig eingestellt erscheinen oder Tom eine falsche Bewegung macht. Ich klammere mich starr an meine Haken und versuche, möglichst unauffällig zu wirken. Doch das gelingt mir leider nicht: Beim Versuch, die Lampen zurechtzurücken, mache ich meinen Handschuh unsteril, was mir Unwillen sowohl von Hieber als auch von der OP-Schwester einbringt. Mit der Zeit entspannt sich Hieber aber und erklärt mir ausführlich, welches Lymphknoten-Level er gerade präpariert.

Am Schluss wird es sogar richtig lustig: Tom und Hieber versuchen sich gegenseitig im Bayrisch zu übertreffen. Tom zeigt mir auch noch mal ausführlichst, wie man näht und intraoperativ knüpft. Sieht ganz schön kompliziert aus... Zu schnell geht die Zeit vorbei, und schon bin ich wieder auf Station.

Eine Aufnahme auf mich

Andi hat mir eine Patientin zum Aufnehmen übriggelassen: Frau N. hat Adipositas permagna, das fällt gleich ins Auge. Nach einer Wertheim-OP – das ist die größte aller gynäkologischen Operationen, bei der Uterus, parametranes und paravaginales Gewebe und Lymphknoten im kleinen Becken aufgrund eines Cervixkarzinoms entfernt werden – leidet sie nun unter Schmerzen im linken Unterleib. Bevor sie hierher in die Uniklinik kam, war sie schon drei Tage in einem Kreiskrankenhaus, wo sonographisch eine Zyste festgestellt worden war. Frau N. spricht rumäniendeutschen Dialekt, den ich nur schwer verstehen kann, und macht ständig sich widersprechende Angaben. Wenigstens klappt das Blutabnehmen trotz der dicken Fettschichten.

Bedside-Teaching

Mit PJ Andi und Pia gehe ich anschließend zum "Bedside-Teaching". Diese Bezeichnung ist der reinste Hohn. Von wegen Bedside. Offiziell soll das Ganze wöchentlich stattfinden, meistens hat aber kein Stationsarzt Lust dazu, sich mit den Studenten abzugeben. Immerhin, Frau Dr. Fried von OP II erklärt uns im Arztzimmer anhand von zwei Patientenakten die Unterschiede zwischen Birch und TVT (transvaginales Tape), zwei Eingriffe zur Behebung von Inkontinenz. Urogynäkologie ist ihr Spezialgebiet, auf dem sie promoviert hat. Mittendrin ruft Peter an und verlangt, dass ich Frau N. jetzt gleich dem Oberarzt vorstellen soll. Das ruft bei mir prompt einen Anfall schlechter Laune hervor: Ich sehe gar nicht ein, dass ich nun als einzige früher gehen soll. Auf dem Zettel im PJ-Zimmer steht schließlich groß und breit, dass die Stationen die Studenten für die Zeit der Fortbildung freistellen sollen! Peter übernimmt Frau N., ist aber schon leicht angesäuert: "Wenn Du eine Patientin aufnimmst, musst Du sie auch selbst vorstellen", mault er mich an. Heute ist mir das egal, morgen ist das Ganze hoffentlich schon vergessen.

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