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  • Verena Päschke
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  • 02.03.2005

Famulatur-Tagebuch (14)

Ein riesiger Uterus myomatosus

Verena hat es in der OP mit einem gigantischen Uterus myomatosus zu tun. Zusammen mit Andi und Pia bringt sie Pflegepraktikantin Pia das Blutabnehmen bei.

Foto: Jupiterimages

Groß wie ein Blumenkohlkopf

Donnerstags ist Privatpatienten-Tag im OP: Frauenfreund persönlich operiert, allerdings setzt er nur die entscheidenden Schnitte. Alles andere darf ein Oberarzt machen, der offiziell als 1. Assistent eingetragen ist. Ich bin inoffiziell 3. Assistentin. Ich kenne die Patientin nicht, aber ihr Bauch sieht so riesenhaft aufgebläht aus, dass die Diagnose unschwer zu erraten ist: Wieder ein Uterus myomatosus. Tom steht am Tisch nebenan und soll heute seine erste Hysteroskopie selbständig durchführen. Bevor Sander, sein "Assistent" kommt, lässt er mich die Patientin vaginal untersuchen und erklärt mir ausführlich, auf was ich zu achten habe. Das ist wirklich nett von ihm, wo er doch bestimmt selber aufgeregt ist.

Dann muss ich wieder zurück an meinen Tisch. Breuer und Dr. Körber, die Assistentin der Station "Gyn privat", eröffnen den Bauch mit einem großen Längsschnitt: Denn der Uterus ist so riesenhaft, wie ihn selbst die Operateure und Schwestern selten gesehen haben. Er hat das Volumen von zwei Blumenkohlköpfen. Wieder wird ein Foto mit der Digitalkamera gemacht. . Für den entfernten Uterus muss eine extragroße Blechschüssel hergerichtet werden. Danach ist Warten angesagt: Frauenfreund lässt sich Zeit. Nach einer Viertelstunde kommt er endlich und bittet mich, doch mal zur Seite zu treten. Na toll. Jetzt darf ich nicht mehr zuschauen.

Ich kann nichts mehr sehen

Doch OP-Schwester Andrea flüstert mir zu: "Stellen Sie sich ruhig so hin, dass Sie was sehen können." Das versuche ich zwar, es gelingt mir aber nicht. Langsam steigt der Frust in mir hoch: Jetzt geht Frauenfreund bestimmt nicht mehr weg, und ich schaue in die Röhre. Demonstrativ gehe ich zu Tom hinüber, doch der ist schon fertig und wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Komm doch auch mit auf Station, wenn sie Dich nicht mehr brauchen", schlägt er vor. Genau das mache ich jetzt.

Auf Station ist heute tote Hose. Pia wurde bei Hieber am Tisch schlecht, und "Himmel, A.. und Zwirn" blieb ihr natürlich nicht erspart. So erbarmt sich PJ Andi und geht für sie in den OP. Wir zwei Mädels sortieren mal wieder Befunde in die Akten ein. Bei einer Patientin darf ich noch Klammern entfernen. Sie jammert bei jeder Klammer so laut, dass mir der kalte Schweiß ausbricht. Aber ich weiß, dass ich es richtig mache, denn Andi hat es mir genau gezeigt. Irgendwann ist die letzte der dreißig Klammern draußen, beide atmen wir erleichtert auf und müssen lachen. Nach der Oberarztvorstellung ist Pia, Andi und mir so langweilig, dass wir uns Pflegepraktikantin Petra schnappen und ihr Blutabnehmen beibringen – an uns selber. Petras Finger zittern zwar stark, aber sie schafft es bei uns allen auf Anhieb und ist vor Stolz ganz rot im Gesicht. Die Abendbesprechung schenken wir uns und verschwinden heimlich still und leise mit den OP-Plänen.

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