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  • Verena Päschke
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  • 03.03.2005

Famulatur-Tagebuch (15)

Erste Versuche

Leitsatz für Famulanten: "Niemals vor den Patienten zugeben, dass man den ersten Versuch unternimmt!"

Foto: Jupiterimages

 

Ist eine von uns schwanger?

Der letzte Tag auf OP I für Pia und mich – eine schreckliche Vorstellung, irgendwie habe ich mich hier schon so richtig eingewöhnt. Noch dazu wo ich am Montag auf der Wochenstation anfangen muss, auf der es Pia gar nicht so recht gefallen hat. Famulanten werden prinzipiell nicht für den Kreissaal selbst eingeteilt, nur PJler. Und der egoistische PJler, der mit Pia im Kreissaalteam war, hat nicht einen Tag lang mal mit ihr getauscht. So musste sie Nachtdienst schieben, um einmal bei einer Geburt dabei sein zu dürfen. Nächste Woche ist PJ Miriam mit den zwei Kindern für den Kreissaal eingeteilt. Sie verspricht mir, dass wir gerne tauschen können, wann immer ich möchte. Schließlich hat sie selbst schon live erlebt, was sich im "Allerheiligsten" so abspielt.

Vor der Visite finde ich das Ergebnis meines kleinen Blutbildes, das Pflegepraktikantin Petra bei mir abgenommen hat, im Fach. "Übrigens, da liegt noch ein Befund von Euch vorne in der Notaufnahme. Mit positivem Beta-HCG", meint Tom lässig. Pia wird abwechselnd rot und bleich – der kann ja nur von ihr sein! Ein paar Sekunden lasse auch ich mich von Toms gespielt gleichgültiger Miene täuschen, dann gehen wir beide auf ihn los. Kein Respekt hat er vor "Blond" und "Rot", unser Moppelchen!

Nach der Morgenbesprechung kommt PJ Mirko auf mich zu und fragt, ob ich für ihn am Montag noch mal auf OP I gehen könnte. Er sollte dort neu anfangen, hat aber ein Vorstellungsgespräch für eine AiP-Stelle an der Uniklinik, und Tom wollte ihm nicht freigeben, wenn er keinen Ersatz herschafft. Super, doch noch ein Tag auf OP I! Am liebsten würde ich die ganze letzte Woche hier bleiben. Aber die Hoffnung, mal eine Geburt zu sehen, will ich doch nicht so schnell aufgeben.

Im Op ist nicht viel zu sehen

Diesen Freitag sind nur "Kleinstoperationen" wie Laserungen oder Hysteroskopien und vaginale Hysterektomien auf dem Plan. Dafür werden keine 2. Assistenten gebraucht. Trotzdem wandere ich ein bisschen im OP hin und her und versuche, durch Zugucken etwas zu lernen. Da man bei vaginalen Eingriffen aber kaum etwas sieht und ich den OP-Schwestern nur im Weg stehe, verziehe ich mich gleich wieder. Auf Station gehen Pia und ich zu Frau P., um den Redon zu ziehen. Nach ihrer abdominellen Hysterektomie ist sie immer noch ziemlich erschöpft, aber auch erleichtert: "Jetzt wo das Ding im Bauch weg ist, kann ich endlich wieder Sport machen", meint sie. Als wir leicht am Schlauch anziehen, stöhnt sie auf vor Schmerz. Hilfe, das muss Pia machen!

"Jetzt atmen Sie mal ganz tief ein und aus", befiehlt sie und zieht den Schlauch schnell, aber nicht ruckartig heraus. Richtig profimäßig sieht das bei ihr aus. Hoffentlich werde ich das im 9. Semester auch so gut beherrschen! Statt Aufnahmen gibt es heute jede Menge Entlassungen zum Wochenende. Bei der Patientin mit der Dermoidzyste sollen die Fäden gezogen werden, Dr. Fried führt das Abschlussgespräch mit ihr, weil Peter auf einem Kongress ist.

Niemals zugeben, dass man den ersten Versuch unternimmt!

Auf einmal blickt Fried mich an und sagt: "Die Fäden kann die junge Frau Kollegin ziehen, holen Sie doch mal eine sterile Klinge." Bisher habe ich nur Klammern entfernt! "Ich will es gern versuchen, habe es aber noch nie gemacht", sage ich. Fried zeigt es mir, es geht glatt, aber als die Patientin zum Zimmer heraus ist, kriege ich eine Abreibung: "Niemals vor dem Patienten zugeben, dass man etwas noch nie gemacht hat!". Irgendwie hat sie ja auch recht. Aber immer so tun, als ob man schon alles könnte, wenn man keine Ahnung hat und dem Patienten nicht unnötig wehtun möchte...? Tom gibt mir den Tipp, so zu tun als ob man es zum zweiten oder dritten Mal machen würde und gerne noch mal eine kleine Anleitung haben möchte.

Es gibt Essen

Der angenehmste Teil des Tages beginnt nach der Mittagsbesprechung. PJ Andi hat heute Geburtstag und der ganzen Station eine Riesentüte gigantischer Krapfen spendiert. Im Feiern sind die operativen Stationen Weltmeister: Dr. Fried und Rainer von OP II und sogar Cool-Oberarzt Sander riechen es meilenweit gegen den Wind, wenn es in unserer Teeküche umsonst Futter gibt, und so schlagen wir uns in der großen Runde gemütlich den Bauch voll.

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