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  • Verena Päschke
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  • 04.03.2005

Famulatur-Tagebuch (16)

Die Gynäkologie - eine Männerdomäne

Verena muß feststellen, dass die Gynäkologie paradoxerweise immer noch eine Männerdomäne ist und dass das Krankenhaus ihrer Figur im wahrsten Sinne des Wortes zuträglich ist.

Foto: Jupiterimages

 

Ein dickes Fell

Endgültig letzter Tag heute! Und jetzt bin ich wirklich die einzige Famulantin im Haus, denn Pias Zeit ist um, sie macht ab heute einen Neurologie-Blockkurs. Wie schade, wir beide haben uns wirklich super verstanden und konnten einander immer erzählen, wenn wir uns über irgendetwas geärgert haben oder dumm angeredet worden sind. Denn das bleibt einem wahrhaftig nicht erspart als Student in diesem Haus. Vielleicht hat es aber auch sein Gutes: Schließlich kann man später im Leben nicht erwarten, überall mit Glacéhandschuhen angefasst zu werden.

Ein letztes Mal im OP

Da auch PJ Andi nicht arbeitsscheu ist, werden wir ganz schnell mit den Blutabnahmen fertig. Ein letztes Mal darf ich in den OP. Eine Tumorexstirpation mit axillärer Dissektion und wieder ein Uterus myomatosus. Leider operiert Dr. Fried, dann ist es gleich gar nicht mehr so lustig wie bei den anderen Operateuren. Aber eigentlich mag ich sie auch, trotz ihrer "haarigen Zähne". Sie hofft auf eine Stelle als Oberärztin – ob sie es wohl schaffen wird, sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen? Gynäkologie ist paradoxerweise immer noch eine Männerdomäne, das merkt man hier im Haus ganz deutlich. Die meisten Frauen, die hier ihre Facharztausbildung gemacht haben, haben sich danach in einer Praxis niedergelassen, während die Männer an der Uni auf der Karriereleiter emporgestiegen sind. Blöde Bemerkungen, wie meine Freundin sie in der Herzchirurgie gehört hat, von wegen Frauen seien nicht geeignet für dieses Fach, habe ich allerdings noch keine gehört. So weit würde vermutlich nicht einmal Chefarzt Frauenfreund gehen. "Patientinnenfreund" wäre der bessere Name für ihn, "Karrierefrauenfreund" dürfte er sich wahrhaftig nicht nennen.

Meiner Figur tut das Krankenhaus nicht gut!

Nachmittags bringen wir Oberarztvorstellung, Kurvenvisite und Befundablage im Eiltempo hinter uns, um mit den Schwestern eine gemütliche Kaffeerunde zu genießen. Immer bringt irgendeine Patientin einen Kuchen vorbei, oder es sind noch Reste vom Frühstück übrig. Meiner Figur tut das Krankenhaus leider nicht so gut, aber das ständige Herumlaufen macht einfach einen Bärenhunger. Peter bedankt sich bei mir für die Mitarbeit, das ist wirklich nett von ihm. Er weiß schon, was er an den Studenten auf seiner Station hat!

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