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  • Verena Päschke
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  • 05.03.2005

Famulatur-Tagebuch (17)

Markerschütternde Schreie

Verena wird von markerschütternden Schreien im Kreissaal-Trakt begrüßt. Das Ärzte-Team scheint sich allerdings nicht sehr gut zu verstehen.

Foto: Jupiterimages

 

Markerschütternde Schreie

Neidvoll blicke ich PJ Andi und PJ Mirko hinterher, die sich nach der Morgenbesprechung auf den Weg zur OP I machen. Miriam und ich biegen um die Ecke in den Kreissaal-Trakt ab. Dort trifft sich das Ärzteteam mit den Hebammen im Kreissaal-Vorzimmer. Von nebenan markerschütternde Schreie – eine Gebärende ist "vollständig", wie die Hebammen es nennen. Einige von ihnen sollen ja die reinsten Drachen sein, Miriam kommt allerdings aufgrund ihrer Mutterschafts-Erfahrungen blendend mit ihnen aus. Die beiden, die heute morgen nebst vier Hebammenschülerinnen Dienst haben, sehen aber ganz zahm aus. Anschließend Ärztefrühstück im "Kreissaalstübchen", einem kleinen Raum mit alten Schränken und einem üppig gedeckten Frühstückstisch, hurra! Besonders gut scheint sich das Team allerdings nicht zu verstehen.

Das Team

Die eine Oberärztin kümmert sich fast ausschließlich um ihre Privatpatientinnen, der andere ist im ganzen Haus nicht sonderlich beliebt. Und die Assistenzärztinnen Meyer und Spörl wirken gefrustet und unsympathisch. Dazu noch Dr. Habashi, ein albanischer Pathologe, der im Haus für die Histo zuständig ist und dafür nebenbei seinen Gynäkologie-Facharzt machen darf. Niemand nimmt ihn richtig ernst, wohl aufgrund seiner sprachlichen Probleme. Ein Highlight ist der hübsche Dr. Braun, Sohn eines Gynäkologieprofessors und selbst schon fast Oberarzt. Er lächelt mich freundlich an, als ich ihm Kaffee eingieße. Ich werde natürlich prompt rot und ärgere mich über mich selbst.

Blutentnahmen - Mist!

Mit AiPlerin Katharina – klein, blond und zuckersüß – mache ich mich nach einer halben Stunde Essen auf den Weg zur Wochenstation. Zuerst schickt sie mich zum Blut abnehmen. Wird kein Problem sein, schließlich sind Wöchnerinnen ja eigentlich gesund, denke ich mir. Doch schon bei der ersten Patientin, einer fülligen Türkin, kann ich keine Vene finden. Ein Stechversuch mit Butterfly misslingt. Mist, ab ins nächste Zimmer. Hier das gleiche: Wieder und wieder klappt es nicht. Bei einer einzigen von fünf Patientinnen gelingt es mir schließlich, ein Röhrchen Blut zu ergattern. Miriam muss her. Sie schafft es bei dreien, aber vor den Venen der Türkin muss auch sie kapitulieren. Katharina vollbringt das Wunder, nachdem sie vorher auf Bitten der Patientin einen Spruch aus dem Koran rezitiert hat!

Danach geht Miriam in den Kreissaal zurück, während ich bei den Abschlussuntersuchungen zugucke. Katharina tastet den Uterus und überprüft den Wochenfluss. Danach gibt es noch Instruktionen für die erste Zeit daheim mit dem Kind. Bei jeder Patientinnen das gleiche, "ich kann mich schon nicht mehr reden hören", seufzt Katharina. Da sonst nichts los ist auf Station, schreibt sie Arztbriefe, während ich in meinem Gynäkologiebuch blättere. Das kann ja heiter werden, wenn das jeden Tag so aussieht. Nach dem Mittagessen passiert überhaupt nichts mehr. Unter einem Vorwand mache ich die Biege und besuche "meine" OP I. Dort kann ich wenigstens ein paar Befunde einsortieren und jeder freut sich, mich zu sehen. Miriam verspricht mir bei der Abendbesprechung, mir morgen den Kreissaalpiepser zu überlassen, mit dem Studenten zum Assistieren beim Kaiserschnitt geholt werden. Wie schön, vielleicht gibt es dann mal ein bisschen Action.

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