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  • Verena Päschke
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  • 08.03.2005

Famulatur-Tagebuch (20)

Summa summarum...

Heute endet Verenas Famulatur. Summa summarum kann sich Verena gut vorstellen, als Gynäkologin im Krankenhaus zu arbeiten.

Foto: Jupiterimages

 

Mein letzter Tag

Unwiderruflich tickt die Uhr, meine Famulatur neigt sich dem Ende zu...Bei der Morgenbesprechung kommt Sander auf mich zu und meint, ich solle ihn heute Mittag doch noch einmal daran erinnern, dass heute mein letzter Tag ist! Wenn er jetzt dran gedacht hat, wird er es bis zum Mittag schon nicht vergessen haben. Da Katharina gestern in Urlaub gefahren ist, hat Rainer von OP II die Wochenstation übernommen. Bis auf das lästige Blutabnehmen, das bei den Wöchnerinnen nie so richtig klappen will, ist absolut nichts los dort und so verkrieche ich mich mit seiner Erlaubnis auf die OP I. Wir frühstücken mit reichlich Schokocroissants, Schwester Martha gibt alte Krankenhausanekdoten zum Besten...Auf einmal geht mein Piepser. Schrecklich, so ein Ding mit "Eigenleben" ständig mit sich herumtragen zu müssen! Man fühlt sich wie mit einer Fußfessel, die jeden Schritt kontrolliert. Habashi will mich sprechen: Er bietet mir an, ihm in der Pathologie ein bisschen zuzuschauen.

Habashi prüft mein Wissen

Schnell hüpfe ich die Treppen ins Untergeschoss hinunter. Habashi steht an einem Schneidbrett und zerlegt Mamma- und Ovarialtumoren im Akkord. Dabei prüft er mein spärliches Wissen über Benignität und Malignität von Tumoren und erzählt Geschichten aus alten albanischen Zeiten. Oft hat Habashi einen besseren Draht zu den vielen ausländischen Patientinnen im Hause als seine deutschen Kollegen – kein Wunder, er erfährt jeden Tag am eigenen Leib, wie schwer es ist, als Ausländer hier zu leben.

Wieder geht mein Piepser: PJ Andi fragt, ob ich mit zum Essen kommen will. Über eine Stunde lang sitzt das OP I-Team in der Kantine – bis auf Peter natürlich, der es nie länger als 10 Minuten auf einem Fleck aushält. Die anderen fragen mich, welche Bilanz ich nach vier Wochen Frauenklinik ziehe. Hmmm....auf der OP I und dank Achmed auch auf der Onko II habe ich viel gelernt, vor allem über Krebserkrankungen. Von Geburtshilfe habe ich dafür nicht viel mitbekommen, wie auch, wenn 16-jährige Hebammenschülerinnen immer den Vorrang haben vor störenden Medizinstudenten. Dass ich keinen Kaiserschnitt sehen konnte, war Pech, denn normalerweise findet innerhalb von vier Tagen mindestens eine Sectio statt.

Frauenheilkunde macht Spaß

Insgesamt kann ich mir aber gut vorstellen, später mal als Ärztin im Krankenhaus zu arbeiten, vielleicht sogar als Gynäkologin? Denn besonders gut hat mir gefallen, dass ich sowohl körperliche Untersuchung und Anamneseerhebung als auch Assistieren im OP gelernt habe – die Frauenheilkunde ist eine gute Mischung, da stimmen mir alle am Tisch zu. Schon ist es Zeit für die Mittagsbesprechung. Vorher gebe ich noch schnell meinen Schlüssel für das PJ-Zimmer bei der Bibliothekarin ab. Alle Ärzte strömen in die Bibliothek, sogar Frauenfreunds hagere Gestalt erscheint im Türrahmen. Wieder wird von schwierigen Fällen berichtet, die Diensthabenden für das Wochenende aufgerufen.

"Gibt es sonst noch etwas?" fragt Frauenfreund am Ende des üblichen Durchlaufs. "Ja, Famulantin Päschke hat heute ihren letzten Tag", sagt Sander laut. "Wir bedanken uns für die Arbeit, die sie für unser Haus geleistet hat und wünschen Ihr alles Gute für die Zukunft." Alle klatschen und lächeln mich an – Achmed, Andi, Miriam, Susanne, Peter, Tom, Rainer, Silke, Fried, Brand, Breuer, Fechner und sogar Frauenfreund. Ich laufe knallrot an – und bin einfach glücklich.

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