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  • Verena Päschke
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  • 24.02.2005

Famulatur-Tagebuch (8)

OP - die Zweite.

Verenas erste richtige OP dauert drei Stunden. Alles klappt wie am Schnürchen und sie ist stolz wie Oskar.

Foto: Jupiterimages

Drei Stunden non-stop: die zweite OP

Juhu, ein supertolles Frühstück wartet auf die hungrigen Mädels von OP I. Heute werden Pia und ich von den OP-Schwestern abgerufen. Bis dahin treiben wir unseren Blutzuckerspiegel mit Mohnstreusel, Brezeln und – erraten – Schokocroissants in die Höhe. Heute bin ich an Tisch 1 für eine "Laps/Lap" (Laparaskopie, möglicherweise Laparotomie) eingeteilt. Schwester Miriam erklärt mir alle Instrumente, danach decken wir das OP-Feld mit grünen Tüchern ab. Immer noch habe ich ziemlich Angst, etwas unsteril zu machen. Aber Miriam ist nicht so streng wie die anderen, sie ist jung, hübsch und ein begehrtes Flirtobjekt unter den Herren Gynäkologen.

 

Meine erste richtige OP

Oberarzt Breuer erscheint, der 1. Assistent allerdings nicht. Kurzerhand drückt er mir die Kamera in die Hand. Leider kapiere ich nicht richtig, was er von mir will, so aufgeregt bin ich. Immerhin macht das mit der Kamera normalerweise der erste Assistent. Mit unendlicher Geduld erklärt er mir, wie ich die Kamera halten soll, damit er auf dem Bildschirm gute Sicht hat. Nach Ewigkeiten klappt es auch einigermaßen. Dann wird beschlossen, dass der Bauch nun doch eröffnet wird. Sander assistiert Breuer und drückt mir Haken, Scheren oder Overholts in die Hand. Meine erste richtige OP! Die beiden haben wirklich viel Geduld mit mir, denn oft bemerke ich nicht, dass sie mit ihren knappen Befehlen mich meinen und nicht Miriam. Unter dem Mundschutz kann ich ja ihre Lippen nicht sehen. Aber überraschenderweise kennen beide meinen Nachnamen und reden mich als "Famulantin Päschke" an.

 

Zum Glück keine anatomischen Fragen!

Nach einer Stunde geht es schon ganz glatt, auch mein Kreislauf spielt noch gut mit. Doch aus einer Stunde werden drei, meine Handschuhe und Kittel sind schon blutverschmiert. Das hätte ich mir irgendwie steriler, sauberer vorgestellt. Der Anblick von Eingeweiden und Spritzblutungen macht mir nichts aus. Auch den Geruch beim "Zisch", wenn Gefäße verödet werden, kann ich gut ertragen. Oberarzt Breuer hat verschiedenfarbige Wimpern – rechts weiß, links hellbraun, wie interessant! Er ist wirklich nett und erklärt mir viel. Optimale Sicht aufs OP-Feld habe ich leider nicht, aber zum Glück stellt er wenigstens keine anatomischen Fragen. Fechner hat gestern von Pia verlangt, sie solle ihm doch mal die motorische Endplatte zeigen...!

Was bin ich stolz, als ich um 12 Uhr noch stehen kann und die beiden sich bei mir für die Hilfe bedanken. Wie die Queen persönlich schwebe ich in die "Notaufnahme" zurück. Dort holt mich Tom schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Von wegen Ausruhen oder Mittagessen! Fünf Patientinnen sind neu aufzunehmen: "Eine davon ist Deine!"

 

Eine Aufnahme für mich

Grinsend drückt er mir eine Akte mit türkischem Namen in die Hand. Patientinnen mit Verständigungproblemen schiebt er bevorzugt an "Blond, Braun und Rot" ab. Haha, Frau Y. kann perfekt Deutsch. Über eine halbe Stunde lang beantwortet sie geduldig meine Fragen und lässt sich untersuchen. Auf dieser Station muss man auch die Brustuntersuchung mitmachen. Vorsichtig, weil Frau Y. eine frische Narbe hat: Nach der Entfernung eines Carcinoma in situ kommt sie nun zur Nachresektion. Ich schreibe mir einen langen Zettel, um bei der Oberarztvorstellung kein Detail zu vergessen.

Das Mittagessen verläuft hektisch und kurz: Denn der Oberarzt kommt, wenn die OP vorbei ist, nicht wenn die Mägen gefüllt sind. Nach zehn Minuten scheucht Tom uns schon wieder die Treppen hinauf zur Station. Mir ist ganz schlecht von soviel Essen in so kurzer Zeit, vom langen Stehen und vor der Aussicht auf Fechner. Doch das Schicksal ist mir hold, der nette Breuer mit den zweifarbigen Wimpern kommt herein. Ich sprudle alles über Frau Y. hervor, doch so viel will er gar nicht wissen. Dummerweise habe ich vergessen, nach Hormonsubstitution zu fragen, was er wissen wollte. Das ist aber nicht weiter tragisch. Bei Fechner hätte es sicher strafende Blicke gegeben! Den Rest des Tages hängen wir in den blauen Stühlen herum, legen Befunde ab und machen Kurvenvisite. Tom widmet sich mit Inbrunst dem OP-Plan und verschiebt bunte Kästchen auf dem Bildschirm umher. Irgendwie fühle ich mich schon richtig zuhause auf OP I. Hoffentlich bleibt das so.

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