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  • Verena Päschke
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  • 25.02.2005

Famulatur-Tagebuch (9)

Es wird hektisch!

Heute steht für Verena keine OP an. Doch zwei Notaufnahmen kommen auf die Station und es wird hektisch. Da heisst es Nerven behalten, aber das ist leichter gesagt als getan!

Foto: Jupiterimages

 

Zwei Notaufnahmen auf Station

Heute ausnahmsweise keine OP für Pia und mich – wir sind zu dritt mit Tom auf Station. Erst mal Blutabnehmen. Alles klappt super, zum Glück. Wir benutzen immer diese praktischen Butterflies. Damit habe ich noch kein einziges Mal daneben gestochen. Dann wieder Frühstück mit den Schwestern. Die sind hier ganz lässig, ein totaler Kontrast zu den Hektikerinnen auf Onko II. Stets versuchen sie, ihren zwei Ärzten Details über deren Liebesleben aus der Nase zu ziehen, meistens ohne Erfolg, aber stets mit viel Gelächter. Danach wieder Aufnahmen. Ich bekomme Frau P. zugeteilt, eine relativ junge Frau, die vor der Entscheidung steht, ob sie ihren Uterus myomatosus entfernen lassen soll oder doch noch versuchen will, ein zweites Kind zu bekommen. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und unterhalten uns lange. Doch der unbarmherzige Fechner fragt bei der Oberarzt-Vorstellung natürlich sofort nach der exakten Größe des Uterus. Das habe ich die Patientin nicht gefragt, was auch richtig war, aber ich hätte im Ambulanzblatt nachschauen müssen. Peinlich! Fechner ist zwar genervt, verzichtet aber zum Glück auf einen zynischen Kommentar.

 

Auf einmal wird es hektisch

Nachmittags spülen wir bei einer 14-jährigen einen eröffneten Mamma-Abszess mit Jod-Lösung und machen bei Yara einen Ultraschall. Ihr Baby ist wirklich schon ganz schön groß. Es lutscht gerade am Daumen, als wir das Bild machen. Unerwartet wird es auf einmal doch noch hektisch: Zwei Notaufnahmen kommen auf Station, eine Schwangere mit Fruchtblasenprolaps und eine mit Verdacht auf intramuraler Schwangerschaft, die morgen gleich eine Laparaskopie bekommen soll. Beide Frauen sind im gleichen Zimmer und psychisch ziemlich am Boden – immer abwechselnd bricht eine in Tränen aus. Pia und ich machen die Blutabnahmen, dann bringe ich zusammen mit Schwester Romy die Fruchtblasen-Patientin zum Sono. Danach soll ich die beiden Notfall-Blut-Röhrchen ins Notfall-Labor bringen, kann aber das von der Sono-Patientin nicht mehr finden! Die Schwestern – insbesondere Schwester Irmgard mit dem großen Mundwerk – weisen jegliche Schuld von sich. Was hilft´s, wir müssen noch mal abnehmen, Peter will unbedingt ganz schnell Hb und C-reaktives Protein haben. Während die arme Frau unter Tränen im Sono liegt, steche ich zweimal daneben, unter den kritischen Blicken der Funktionsärztin. Pia muss her! Sie schafft es auf Anhieb. Schweißgebadet trabe ich mit den neuen Röhrchen zum Labor und greife in meine Manteltasche. Statt Fisherman`s Friend habe ich das vermisste Blutröhrchen in der Hand. Wie peinlich! Warum habe ich nicht ordentlich danach gesucht? Wegen meiner Dummheit musste die Frau vier Stiche über sich ergehen lassen. Das soll mir nicht noch einmal passieren! Weitererzählt habe ich es nicht. Muss ja keiner wissen, wie schlampig ich bin.

 

Wenn Sie müde sind, legen Sie sich hin

Nach der ganzen Aufregung noch PJ-Fortbildung in der Bibliothek mit Dr. Mertash, Kategorie "schöner Arzt der das auch weiß". Er redet eintönig und langsam über Erkrankungen des Endometriums. Verzweifelt kämpfe ich gegen meine immer schwerer werdenden Augenlider an. Auf einmal donnert mein Namensschild zu Boden, mit dem ich herumgespielt habe, um mich wachzuhalten. "Sie brauchen sich nicht zwingen, hier zuzuhören. Wenn Sie müde sind, können Sie sich irgendwo auf Station hinlegen", kommentiert Mertash mit eisiger Höflichkeit. Auch das noch! Die anderen kichern und versorgen mich mit Fishermans. Nach einer Stunde hat Mertash Erbarmen und lässt uns gehen. Das war heute nicht gerade der tollste Tag. Wenn die anderen Studis nicht wären, die einen immer wieder trösten und aufbauen, wäre alles nicht so leicht zu ertragen, vor allem die eigenen Fehler.

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