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  • Maren Oldörp
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  • 05.04.2001

Famulatur - Als Student im Klinikalltag

Das Herzklopfen am Morgen des ersten Tages einer Famulatur kennt jeder. Viele neue Eindrücke wollen verarbeitet werden und ungewohnte Aufgaben stellen neue Herausforderungen dar. Hier sind ein paar Tipps, die die ersten Tage etwas erleichtern sollen.

Foto: Shutterstock

 

Die Vorbereitung

Die Vorbereitung beginnt schon mit der Anmeldung. Im Vorfeld sollte geklärt werden, welche Formalitäten erledigt werden müssen. Dafür genügt meist ein Anruf bei der Sekretärin. Manchmal reicht es schon aus, sich im Sekretariat für die Famulatur anzumelden. In anderen Kliniken möchte der Chef auch die Studenten bei einem kurzen Gespräch persönlich kennen lernen.
Bei der Anmeldung sollte gleich gefragt werden, welche Kleiderordnung gefordert ist. In jeder Klinik gibt es andere Regelungen. In der einen Einrichtung bringt sich der Famulus seine Dienstkleidung selber mit, in einer anderen wird sie gestellt. Die Frage nach dem Dienstbeginn sollte auch nicht vergessen werden.
Ein paar Tage vor Beginn der Famulatur ist die Lektüre eines Anamnesebuches empfehlenswert, um die wichtigsten Dinge noch einmal zu wiederholen. Auch ein Blick in ein Buch des jeweiligen Fachgebietes lohnt sich. Die so gewonnene Übersicht über die wichtigsten Krankheiten erleichtert den Einstieg in den Klinikalltag.

 

Das Personal

Nichts ist auf einer Station so wichtig wie das Personal. Teamwork zwischen Ärzten und Schwestern ist unerlässlich, um die gestellten Aufgaben zu lösen. Der Famulant ist der Neue in der Gruppe und sollte sich den Satz in Erinnerung rufen, den schon die Großeltern kannten: Der erste Eindruck ist entscheidend. Deshalb ist es empfehlenswert sich bei Dienstantritt auf der Station nicht nur den dort tätigen Ärzten vorzustellen sondern auch der Stationsschwester. Sie ist die Person, die im Pflegebereich die Fäden der Station in der Hand hält und sozusagen eine Managerposition inne hat. Dem Famulanten kann sie das Leben leichter oder auch schwerer machen.
Ein gutes Verhältnis zu den Schwestern und Pflegern erleichtert vieles. Kniffe, Tricks und Erfahrungen, die sie in ihrer Tätigkeit erworben haben, geben die meisten von ihnen gerne weiter - auch an Studenten. Die Küchenkräfte auf den Stationen sind die Quelle zu einer Tasse Kaffee zwischendurch oder nach anstrengendem Hakenhalten im OP. Wer sie unfreundlich und herablassend behandelt, wird wohl so schnell nicht in den Genuss einer Tasse dieses Coffeinspenders kommen.

Die wichtigsten Orte

Am ersten Tag in einer neuen Klinik sorgen die vielen Gänge und Etagen oftmals für Verwirrung bei den Famulanten. Eine kurze Führung durch das Haus kann dem Abhilfe schaffen. Am besten ist, einfach mal jemanden um einen Rundgang zu bitten. Die wichtigsten Sachen, die gedanklich erfasst werden sollten, sind folgende:

  • der Weg zum OP (und den Schleusen)
  • Notaufnahme
  • Ambulanz / Poliklinik
  • Sekretariat
  • Besprechungsraum
  • Röntgenabteilung
  • Archiv
  • Kantine / Cafeteria
  • Bibliothek

 

Tagesablauf

Jede Klinik hat ihren eigenen Tagesablauf. Wann die Röntgenbesprechung, Chefvisite, Schwerpunktvisiten und andere Dinge stattfinden, lässt sich bei den Ärzten schnell in Erfahrung bringen. Bei Weiterbildungsveranstaltungen für Pjler oder AIPler sind in der Regel auch Famulanten willkommen.
Der Tag beginnt vielerorts entweder mit der Visite oder mit den Blutentnahmen. Danach sind Untersuchungen, Aufnahme von Patienten und weitere Stationsarbeit an der Tagesordnung. In operativen Fächern sind Famulanten als Assistenz für den OP eingeplant. Wer im OP steht, lässt sich dem OP-Plan entnehmen. Dieser wird in den Nachmittagsstunden des Vortages auf die Stationen gegeben. Bei der Röntgenbesprechung - je nach Klinik vormittags oder nachmittags - werden die neuen Röntgenbilder und Problemfälle vorgestellt.
Der Tag, an dem die Chefvisite stattfindet, hebt sich meist schon vor der eigentlichen Visite dadurch von anderen ab, das alles möglichst perfekt erledigt werden soll. Die Schwestern wienern seit den frühen Morgenstunden die Zimmer auf Hochglanz und sortieren alle halbe Stunde die Stapel mit den Krankenakten. Für die Famulanten heißt es, Röntgenbilder herauszusuchen und bereitzuhalten, die allerneuesten Untersuchungsergebnisse zu besorgen und das Labor zu nerven mit der Bitte, die Daten schneller als schnell herüberzuschicken.
Die Chefvisite selbst gleicht dann einer "Invasion der Weißkittel". Wer daran teilnimmt, unterscheidet sich an den Kliniken. Für Famulanten empfiehlt es sich, die Chefvisite (auch auf anderen Stationen der Klinik) ruhig mitzumachen, da hier eine Möglichkeit besteht, einiges dazuzulernen. Bei den teilweise sehr kleinen Krankenzimmern in manchen Häusern, passiert es schon, dass nicht alle Mitarbeiter in den Raum hineinpassen. Hier sollte es niemand persönlich nehmen, wenn er gebeten wird, auf dem Flur zu warten.

 

Tätigkeiten des Famulanten

Die Frage, welche Tätigkeiten ein Famulant ausführen darf und welche nicht, lässt sich schwer beantworten. Viele Dinge zeigen einem die PJler oder AIPs. Unter Aufsicht ist es möglich, auch schon anspruchsvollere Aufgaben zu lösen. Für einige Sachen existieren an den Kliniken Vorschriften, die zu beachten sind. Beispielsweise ist dort festgelegt, wer Blut zur Blutgruppenbestimmung abnehmen darf oder wer bestimmte Medikamente intravenös verabreichen kann. Bei Unsicherheit ist es besser bei den Ärzten nachzufragen, auch wenn die Schwester drängelnd in der Tür steht und Angelegenheit schnellstmöglich erledigt haben will.
Die Aufnahme von neuen Patienten gehört zu den Hauptaufgaben eines Famulanten. Hier ist die Gelegenheit, das Erlernte aus dem Untersuchungskurs täglich anzuwenden. Doch das ist nicht das einzige, was bei der Aufnahme erledigt werden muss. Der dazugehörige Stapel Papier will auch noch ausgefüllt sein. Welche Formulare und Anforderungsscheine selbst unterschrieben werden dürfen, klärt man am besten mit einem der Ärzte. Dass die Bewältigung des Papierkrams einen gehörigen Teil der ärztlichen Tätigkeit in Anspruch nimmt, hat jeder spätestens nach einem Vormittag mitbekommen.
Eine weitere Aufgabe für Famulanten ist die Assistenz im OP. Diese Tätigkeit kann einerseits wahnsinnig spannend sein, andererseits aber an die Grenzen der körperlichen und auch psychischen Belastbarkeit gehen. Über das richtige Verhalten im OP hat "Via medici" in der Ausgabe 3/2000 ausführlich berichtet.

 

Notfälle

Bei Notfällen spielt meist nicht nur der Puls des Patienten verrückt, sondern auch der des Famulanten. Für alle Fälle ist es daher ratsam, gleich zu Beginn der Famulatur zu klären, was bei Notfällen zu tun ist und welche Abläufe zu befolgen sind. Die zentrale Notrufnummer, die es in vielen Kliniken gibt, sollte zumindest im Notizheft stehen, besser noch in den kleinen grauen Zellen gespeichert sein.

 

Die eigene Gesundheit

Während der Famulatur steht die Gesundheit bzw. die Krankheiten anderer Menschen im Vordergrund. Dabei besteht leicht die Gefahr, die eigene Gesundheit zu vernachlässigen. Wichtig ist vor allem, einen Ausgleich in der Freizeit zu schaffen - zum Beispiel mit Sport. Auch eine ausreichende Schlafdauer ist notwendig. Die Möglichkeit mal eben die erste Vorlesung ausfallen zu lassen, um den fehlenden Nachtschlaf nachzuholen, gibt es nicht. Ein ordentliches Frühstück am Morgen bildet eine gute Grundlage für den Tag. Schließlich kann die Visite oder eine Operation auch mal länger dauern. Wie das Mittagessen organisiert ist, lässt sich durch Nachfragen bei den Kollegen in Erfahrung bringen. Einige Kliniken subventionieren das Essen für Studenten. Gelegentlich ist es erforderlich Essenmarken zu kaufen.
Bereits in Vorbereitung auf die Famulatur sollte an den Schutz vor übertragbaren Krankheiten gedacht werden. Empfehlenswert ist eine Impfung gegen Hepatitis A und B. In Rostock können sich Studenten (vorzugsweise ab dem 3. Studienjahr) bei der Betriebsärztin der Fakultät kostenfrei gegen Hepatitis B impfen lassen. Der Schutz gegen andere Infektionskrankheiten (z.B. Tetanus) sollte anhand des Impfausweises ebenfalls überprüft werden. Während der Tätigkeit in der Klinik ist das Tragen von Handschuhen beim Umgang mit Blut und Blutprodukten ratsam.
In einigen Bereichen ist der Strahlenschutz wichtig. Die Vorschriften sind Studenten oft nicht so geläufig. Hier gilt wie in anderen Abteilungen auch: Fragen stellen und sich alles erklären lassen.
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