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  • Uwe Glatz
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  • 19.08.2014

Praxisanleitung: Verhalten im OP

Für viele junge Mediziner ist der erste OP-Einsatz wie ein Sprung ins kalte Wasser. Zwar wissen die meisten, welche Gefäße aus dem Truncus coeliacus abgehen und was eine Weber C-Fraktur ist. Aber wie man sich chirurgisch „wäscht“, anzieht und am OP-Tisch verhält, erfährt man oft erst vor Ort unter Zeitdruck. Wir erklären, was bei den ersten OP-Einsätzen auf dich zukommt.

Tipps für die sterile Zone

Fremde Welt OP: Nicht mal anziehen darf man sich hier selbst, und wenn man aufs Klo möchte, muss man erst fragen! Wenn man ein paar Mal mitgeholfen hat, werden die ganzen Rituale aber schnell zur Routine und man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Foto: Uwe Glatz

Fremde Welt OP: Nicht mal anziehen darf man sich hier selbst, und wenn man aufs Klo möchte, muss man erst fragen! Wenn man ein paar Mal mitgeholfen hat, werden die ganzen Rituale aber schnell zur Routine und man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.

       

Der erste Besuch im OP ist einer der spannendsten und verwirrendsten Momente im Medizinstudium. Plötzlich befindest du dich in einer fremden Welt. Hier ist alles neu und seltsam: überall Geräte und Apparaturen, die du nicht kennst, Instrumente, von denen du nicht weißt, ob du sie anfassen darfst, Menschen, von denen du nur die Augen siehst und die mit dir reden, ohne dass du ihre Mundbewegungen verfolgen kannst. Dazu spuken einem wage Gerüchte durch den Hinterkopf über die „raue Luft“, die hier wehen soll. Stimmt es, dass OP-Neulinge besonders begehrte Mobbing-Opfer sind? Kann es wirklich passieren, dass man während eines OP-Einsatzes zwölf Stunden lang nicht aufs Klo darf? Keine Angst! Alles ist halb so schlimm, wenn du einige grundlegende Verhaltensregeln beherzigst. Vor allem die Besonderheiten der sterilen Umgebung musst du kennen. Dann kannst du den ersten Einsätzen im OP getrost entgegensehen und dich auf die faszinierenden Seiten der Chirurgie konzentrieren.

 

Verwandlung in Grün

Auf dem Weg in den OP lässt du das Schild mit der Aufschrift „Zutritt für Unbefugte verboten“ links liegen und betrittst die Umkleideschleuse. Hier deponierst du im „unreinen Bereich“ deine Straßenschuhe. Auf der „sauberen Seite“ der Umkleide ziehst du deine Stationskleidung aus und die meist grüne oder hellblaue OP-Bereichskleidung an. Dazu gehören: Hose, Oberteil, OP-Schuhe, OP-Haube und Mundschutz. Schmuck solltest du in der Umkleide ablegen und wegschließen. Lange Haare musst du nach hinten hochstecken und komplett unter der Haube verbergen, damit sie nicht nach vorne übers Gesicht hängen und eventuell ins OP-Gebiet fallen. Jetzt legst du noch einen Mundschutz an, dann darfst du den OP-Trakt betreten.

 

Passen Sie den Nasenbügel Ihrer Gesichtsform an. Dann binden Sie die beiden oberen, dann die beiden unteren Zügel – so dass der Mundschutz nicht plötzlich herunterrutschen kann. Brillenträger müssen darauf achten, dass die Brille trotz Mundschutz nicht beschlägt. Foto: Uwe Glatz

Pass den Nasenbügel deiner Gesichtsform an. Dann bindest du die beiden oberen, dann die beiden unteren Zügel – so dass der Mundschutz nicht plötzlich herunterrutschen kann. Brillenträger müssen darauf achten, dass die Brille trotz Mundschutz nicht beschlägt.

 

Bist du völlig neu im OP, solltest du dich in der Nähe eines erfahrenen OP-Gängers aufhalten – sei es dein Stationsarzt, die leitende OP-Schwester oder der zuständige Oberarzt. Lass dir die Räumlichkeiten zeigen! So kannst du dich in der ungewohnten Umgebung besser orientieren. Wo liegen die OP-Säle, wo die Einleiträume, wo der Aufenthaltsraum? Wenn du den OP-Grundriss kennst, wartet dann meist schon die nächste Herausforderung: Dein erster Einsatz am OP-Tisch! Der Oberarzt kommt auf dich zu und sagt: „Dann waschen Sie sich schon mal!  Sie müssen mir bei der Sprunggelenksfraktur assistieren!“ Und schon ist er hinter der nächsten Ecke verschwunden. Wenn dir das Wort „Waschen“ im Zusammenhang mit einer OP in diesem Augenblick überhaupt nichts sagt und du dich schon frägst, ob du dich jetzt unter eine Dusche stellen sollst, wende dich am besten schnell an Ihren OP-Begleiter. Er wird dir erklären, wie man sich für eine Operation richtig „wäscht“. Außerdem wird er dir sagen, ob bei der OP mit einem Röntgen-Durchleuchter gearbeitet wird. Dann musst du nämlich schon vor (!) dem Waschen eine Röntgen-Schürze anziehen. Was du außerdem noch erledigen solltest, bevor du mit dem Waschen beginnst: Stelle dich kurz bei der OP-Schwester oder dem OP-Pfleger vor! Immerhin wirst du in Kürze von ihr oder ihm angezogen. Wer möchte das schon von jemand Unbekanntem erledigen lassen?

 

Chirurgisches „Waschen“

Die chirurgische Händedesinfektion beginnst du, indem du deine Hände und Unterarme mindestens drei Minuten lang wäscht. Während dieser Zeit bürstest du auch die Fingernägel – die du natürlich schon zu Hause gekürzt und gereinigt hast – mit Seife, um sie von restlichem, unsichtbarem Schmutz zu befreien.

 

Zu Beginn der chirurgischen Händedesinfektion müssen Sie Ihre Fingernägel gründlich mit Bürste und Seife reinigen. Die Haut sollten Sie nicht bürsten. Dadurch würden Sie obere Epithelschichten abschilfern und zusätzlich Keime aus der Haut freisetzen. Foto: Uwe Glatz

Zu Beginn der chirurgischen Händedesinfektion musst du deine Fingernägel gründlich mit Bürste und Seife reinigen. Die Haut solltest du nicht bürsten. Dadurch würdest du obere Epithelschichten abschilfern und zusätzlich Keime aus der Haut freisetzen.

 

Nachdem du Hände und Unterarme mit Papiertüchern gründlich abgetrocknet hast, musst du sie mit Desinfektionsmittel einreiben. Welches deine Haut am besten verträgt, musst du einfach ausprobieren – irgendwann hat jeder Chirurg „seines“ gefunden. Dabei solltest du beachten, dass verschiedene Desinfektionsmittel im OP möglicherweise unterschiedlich lang einwirken müssen, um eine chirurgische Keimfreiheit zu erreichen. Normalerweise machst du alles richtig, wenn du Unterarme und Hände fünf Minuten lang desinfizierst.

 

Bevor Sie jetzt mit der Desinfektion der Hände und Unterarme loslegen, stellen Sie die Uhr! Fünf Minuten sind Goldstandard. Foto: Uwe Glatz

Bevor du jetzt mit der Desinfektion der Hände und Unterarme loslegst, stellst du die Uhr! Fünf Minuten sind Goldstandard.

       

Informiere dich aber trotzdem, ob in deiner Klinik eventuell andere Hygienestandards gelten. Diese Vorgaben sind für dich entscheidend.

Bei der Desinfektion gehst du folgendermaßen vor: Gebe reichlich Desinfektionsmittel in die geöffnete Hohlhand und verteile die Flüssigkeit gleichmäßig über beide Unterarme und Hände – bei Bedarf holst du einfach Nachschub.

 

Spritzen Sie ausreichend Desinfektionsmittel in die Handfläche. Dabei betätigen Sie den Spender nur mit dem Ellenbogen! So vermeiden Sie, dass Keime vom Spender auf bereits desinfizierte Hautpartien gelangen. Foto: Uwe Glatz

Spritze ausreichend Desinfektionsmittel in deine Handfläche. Dabei betätigst du den Spender nur mit dem Ellenbogen! So vermeidest du, dass Keime vom Spender auf bereits desinfizierte Hautpartien gelangen.

       

Etwa ein Drittel der Zeit verwendest du, um den gesamten Unterarm einschließlich Hand bis zum Ellenbogen einzureiben. Dabei wechselst du zwischen rechtem und linken Arm. Sind sämtliche Hautareale benetzt, lässt du das Desinfektionsmittel verdunsten. Dann geht’s wieder von vorne los: Desinfektionsmittel aus dem Spender holen, einreiben, einwirken lassen. Im zweiten Drittel der eingestellten Zeit wird nur noch bis zur Mitte des Unterarms desinfiziert. Die proximalen Anteile dürfen nicht mehr berührt werden. Während des letzten Drittels bearbeitest du ausschließlich die Hand und die Fingerzwischenräume.

 

Bei der chirurgischen Händedesinfektion werden zunächst beide Hände und Unterarme komplett bis zum Ellenbogen mit Desinfektionsmittel eingerieben (A). Im zweiten Schritt desinfizieren Sie bis zum mittleren Unteram-Drittel (B). Abschließend werden nur noch die Hände und Fingerzwischenräume bearbeitet (C). Zwischendurch sollten Sie das Desinfektionsmittel verdunsten lassen, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Achten sie dabei immer darauf, dass kein Desinfektionsmittel vom Ellenbogen Richtung Hände läuft! Foto:Uwe Glatz

Bei der chirurgischen Händedesinfektion werden zunächst beide Hände und Unterarme komplett bis zum Ellenbogen mit Desinfektionsmittel eingerieben (A). Im zweiten Schritt desinfizierst du bis zum mittleren Unteram-Drittel (B). Abschließend werden nur noch die Hände und Fingerzwischenräume bearbeitet (C). Zwischendurch solltest du das Desinfektionsmittel verdunsten lassen, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Achte dabei immer darauf, dass kein Desinfektionsmittel vom Ellenbogen Richtung Hände läuft!

       

Nach fünf Minuten meldet sich der Zeitmesser, und du kannst den OP-Saal betreten.

 

Beten und Anziehen

Manchmal muss die OP-Schwester noch die Instrumente fertig richten oder erst dem Oberarzt den OP-Kittel anziehen, bevor sie sich dir widmen kann. Bis dir der sterile Kittel angezogen wird, musst du deswegen deine Hände und Unterarme steril halten. Jetzt darfst du nichts mehr anfassen! Halte also während der Wartezeit deine Hände etwa auf Brusthöhe und lege die Fingerspitzen oder Handflächen aneinander – in etwa so, als ob du beten würdest. Die Zonen oberhalb der Brust und unterhalb des Bauchnabels sind absolute Tabuzonen. Achte auch peinlich darauf, dass du den bereits gerichteten, sterilen OP-Tischen und Abdeckungen nicht zu nahe kommst. Eine Berührung mit dem Zipfel deiner grünen Bereichskleidung reicht aus, um etwas unsteril zu machen.

Gibt dir die OP-Schwester das Signal zum Start, tritts du vor sie hin. Sie hält dir den OP-Kittel auf, sodass du mit den Armen hineinschlüpfen und die Hände in die Ärmel schieben kannst.

 

Die OP-Schwester hält den Kittel auf. Sie schlüpfen mit beiden Armen hinein. Achten Sie dabei darauf, dass Sie nur die Innenseite des Mantels berühren dürfen. Dann schieben Sie ... Foto: Uwe Glatz

Die OP-Schwester hält den Kittel auf. Du schlüpfst mit beiden Armen hinein. Achte dabei darauf, dass du nur die Innenseite des Mantels berühren darfst. Dann schiebst du ...

... Ihre Hände durch den Ärmel. Sind die Bünde zu eng, hilft Ihnen die OP-Schwester. Keinesfalls dürfen Sie die Ärmel selbst nachziehen, solange Sie noch keine Handschuhe tragen! Foto: Uwe Glatz

... deine Hände durch den Ärmel. Sind die Bünde zu eng, hilft dir die OP-Schwester. Keinesfalls darfst du die Ärmel selbst nachziehen, solange du noch keine Handschuhe trägst!

       

Von hinten geht dir eine zweite, nicht steril gekleidete OP-Pflegekraft – der so genannte Springer - „an den Kragen“. Er verschließt deinen Kittel am Hals und auf Beckenhöhe.

Eine zweite OP-Pflegekraft, der so genannte Springer, verschließt Ihren Kittel auf der unsterilen Innenseite am Hals ... Foto: Uwe Glatz

Eine zweite OP-Pflegekraft, der so genannte Springer, verschließt deinen Kittel auf der unsterilen Innenseite am Hals ...

... und auf Beckenhöhe. Dabei bleiben Sie mit der Frontseite der steril gekleideten OP-Schwester zugewandt. Foto: Uwe Glatz

... und auf Beckenhöhe. Dabei bleibst du mit der Frontseite der steril gekleideten OP-Schwester zugewandt.

       

Dann drehst du dich langsam um die eigene Achse, während du von der OP-Schwester eingewickelt wirst.

Die Schwester greift sich die nach rechts abstehende Gürtelschleife. Sie drehen sich gegen den Uhrzeigersinn etwa eine Dreivierteldrehung um die eigene Achse, ...Foto: Uwe Glatz

Die Schwester greift sich die nach rechts abstehende Gürtelschleife. Du drehst dich gegen den Uhrzeigersinn etwa eine Dreivierteldrehung um die eigene Achse, ...

... bis die OP-Schwester den Kittel mit dem Gegenstück zur Gürtelschleife auf der sterilen Außenseite verschließen kann. Foto: Uwe Glatz

... bis die OP-Schwester den Kittel mit dem Gegenstück zur Gürtelschleife auf der sterilen Außenseite verschließen kann.

       

Dabei darfst du mit dem Kittel selbstverständlich keine unsterilen Gegenstände berühren.

Zum Schluss werden noch deine Hände steril verpackt*.

Die OP-Schwester hält Ihnen zuerst den rechten Handschuh auf. Dabei berührt sie nur die sterile Außenseite. Achten Sie darauf, dass Sie nur die unsterile Innenseite berühren (A). Mit der linken Hand können Sie den Handschuh von innen etwas aufhalten. Während Sie reinschlüpfen, zieht Ihnen die Schwester den Handschuh über den Kittelbund (B). Dann kommt die linke Hand an die Reihe. Auch den linken Handschuh können Sie etwas vordehnen (C), bevor Sie reinschlüpfen (D) – jetzt aber mit der steril behandschuhten rechten Hand und von außen!  Foto: Uwe Glatz

Die OP-Schwester hält dir zuerst den rechten Handschuh auf. Dabei berührt sie nur die sterile Außenseite. Achte darauf, dass du nur die unsterile Innenseite berührst (A). Mit der linken Hand kannst du den Handschuh von innen etwas aufhalten. Während du reinschlüpfest zieht dir die Schwester den Handschuh über den Kittelbund (B). Dann kommt die linke Hand an die Reihe. Auch den linken Handschuh kannst du etwas vordehnen (C), bevor du reinschlüpfst (D) – jetzt aber mit der steril behandschuhten rechten Hand und von außen!

       

Meistens haben Oberarzt und Assistent mittlerweile den Patienten und das OP-Gebiet steril abgedeckt. Wenn du noch warten musst, stelle dich wieder in Gebetshaltung. Zu unsterilen Bereichen solltest du jetzt einen Sicherheitsabstand einhalten.

 

Tabuzonen und Tischmanieren

Wenn’s losgeht, weist dir der Operateur deinen Platz zu. Fehlt es dir im Vergleich zum restlichen OP-Team an Körpergröße, solltest du dir vom Springer noch ein kleines Podest an den Tisch stellen lassen. Während des Eingriffs stehst du möglichst dicht am OP-Tisch, damit du nicht versehentlich rücklings unsterile Apparaturen berührst. Im OP stehen oft viele Geräte herum – von Infusionsständern über Generatoren für die Elektrochirurgie bis hin zum C-Bogen, dem mobilen Röntgengerät. Aber natürlich gibt es auch nach vorne Tabuzonen. Wenn deine Hände gerade nichts zu tun haben, sollten sie immer in einem Areal zwischen deiner Brust und deinem Bauchnabel bleiben. Zur Sicherheit gelten die Bereiche unterhalb der Hüfte und oberhalb der Schulter sowie die Achseln und der Rücken als nur eingeschränkt steril. Wenn du dort mal zufällig hinfässt, solltest du um neue Handschuhe bitten.

Wenn der Hautschnitt gesetzt ist und das Subkutangewebe durchtrennt wird, kommst du ins Spiel. Meist sagt der Operateur etwas wie „Hier! Mal halten!“ und drückt dir Haken in die Hände. Keine Angst! Wenn du noch nie Haken gehalten hast, zeigt er Ihnen, wie’s geht.

 

Bei den Wundhaken unterscheidet man scharfe Haken – hier so genannte Volkmann-Haken – mit spitzen Krallen, die sich im subkutanen Gewebe einhaken, ... Foto: Uwe Glatz

Bei den Wundhaken unterscheidet man scharfe Haken – hier so genannte Volkmann-Haken – mit spitzen Krallen, die sich im subkutanen Gewebe einhaken, ...

... von stumpfen Haken – hier so genannte Roux-Haken. Damit kann man Gewebe atraumatisch aufhalten. Wundhaken hält man am besten im Untergriff. Das spart Kraft. Foto: Uwe Glatz

... von stumpfen Haken – hier so genannte Roux-Haken. Damit kann man Gewebe atraumatisch aufhalten. Wundhaken hält man am besten im Untergriff. Das spart Kraft.

       

Gelenkinstrumente wie Scheren oder Nadelhalter führst du sicher, indem du den Zeigefinger auf das Scharnier legst.

Du darfst diese Aufgabe aber auch nicht unterschätzen! Mit den Haken ermöglichst du dem Chirurgen eine gute Sicht auf das OP-Gebiet – eine der Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Eingriff! Versuche, dich in den Operateur hineinzuversetzen. Dann verstehst du auch schnell, was er von dir erwartet, wenn du deine Hakenhaltung korrigieren musst. Einer der häufigsten Befehle ist „Spitze betonen!“. Hörst du diese Worte, musst du den Druck auf die Hakenspitze, die in die OP-Wunde hineinragt, verstärken, ohne dabei am Haken noch kräftiger zu ziehen. So sieht der Operateur besser auf tiefer gelegene Strukturen, was vor allem bei viszeralchirurgischen Eingriffen wichtig ist. Grundsätzlich gilt, dass Wundhaken am besten per „Untergriff“ gefasst werden sollten. So sparst du Kraft, und deine Hände und Arme ragen möglichst wenig ins Gesichtsfeld des Operateurs.

Vergesse vor lauter Konzentration nicht, dass du etwas lernen möchtest. Nutzen deine Zeit, beobachte den OP-Verlauf und stelle Fragen! Die meisten Chirurgen erklären gerne, wenn man etwas nicht versteht. Wenn’s gerade nicht so geschickt ist, kriegst du das schon gesagt. Nehme es dann nicht persönlich und probiere es einfach später nochmals, wenn die OP wieder in ruhigerem Fahrwasser ist. Wenn der Chirurg fühlt, dass du geistig bei der Sache bist und Anteil nimmst, lässt er dich eher mal eine Hautnaht oder andere „Nicht-Haken-Jobs“ machen. Wenn du völlig abschaltest, reduzierst du dich selbst auf die Rolle eines bloßen Haken-Halters.

 

Vegetative Turbulenzen

Angenommen die OP schreitet fort, und plötzlich macht sich in deinem Oberbauch ein flaues Gefühl breit. Es flimmert vor deinen Augen und deine Beine beginnen zu zittern. Das sind Warnzeichen einer Kreislaufdysregulation! Jetzt solltest du keinen falschen Stolz an den Tag legen. Melde deine Probleme und trete vom Tisch ab, bevor du kollabierst, ins OP-Gebiet stürzt und alles unsteril machst. Es ist keine Schande, wenn der Kreislauf schlapp macht. Vielen Chirurgen ist in jungen Jahren schon selbst Ähnliches widerfahren.

Allerdings kannst du vorbeugen: Lasse deine Gedanken nicht schweifen, sondern konzentriere dich auf den OP-Ablauf! Zehengymnastik oder Stützstrümpfe können dazu beitragen, den Kreislauf während der Operation in Fahrt zu halten. Vor größeren Eingriffen ist ein nahrhaftes Frühstück empfehlenswert. Für die Pausen zwischen den OPs solltest du ein Vesper und ein Getränk im Aufenthaltsraum deponieren. Und was tut man, wenn man während einer Operation plötzlich ein menschliches Bedürfnis spürt? Oft kann man diesen Drang bis zum Ende der OP unterdrücken. Wenn die Speicherkapazitäten deiner Blase aber tatsächlich an ihre Grenzen geraten, musst du den Operateur bitten, kurz abtreten zu dürfen. Dies ist dann meist innerhalb kurzer Zeit möglich. Der Chirurg muss jedoch entscheiden, ob er ganz auf deine Hilfe verzichten kann, oder ob du auf eine Ablösung warten musst. Möchtest oder sollest du nach dem Toilettengang wieder in den OP-Trakt zurückkehren, musst du in der Umkleide frische Bereichskleidung anziehen.

Hast du bis zum Ende der OP ohne vegetative Turbulenzen durchgehalten, legst du nach der Hautnaht die sterile Kleidung ab und wirfst Sie sie in den entsprechenden Wäschesack. Im Aufenthaltsraum hast du jetzt Zeit für einen Kaffee oder ein ausgiebiges Vesper. Sitzt der Operateur mit im Raum, kannst du ihm noch die Fragen stellen, zu denen du vorher nicht gekommen bist. Dann geht’s weiter. Der nächste Patient ist schon im Einleitraum: Wecker stellen, Waschen, Einkleiden, Handschuhe anziehen ... aber das kennst du jetzt ja alles schon. Schließlich bist du ja nicht (mehr) das erste Mal im OP!

Die wichtigsten Tipps zusammengefasst

 

Grafik: Thieme

 

Der Autor

 

Der Autor Uwe Glatz. Foto: Privat

Uwe Glatz ist Medizinjournalist und Assistenzarzt in der Chirurgischen Klinik der Rechbergklinik Bretten.

 

   

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