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  • 22.02.2009

Hammerexamen-Tagebuch (1)

Teil 1: Vorbereitung und Anfang.

Ich hab es getan. Meine letzten drei Bescheinigungen liegen auf dem Tisch der netten Frau vom LPA. Jetzt gibt es kein Zurück mehr: Ich will teilnehmen am Hammerexamen Frühjahr 2009 und nebenbei natürlich auch bestehen. Da ich doch relativ unvorbereitet ins Praktische Jahr gestartet war, hatte ich mich für die Vorbereitung auf die Lernphase zum Staatsexamen gut gewappnet.

Foto: iStockphoto

 

Lehrbücher

Es sind nicht mehr viele Wochen bis zum Hammerexamen; keine Zeit also, um Fehler zu machen. Statt zu hohe Ziele zu setzen, die ich dann im Laufe der Lernphase doch runterschraube, stapel ich gleich tief. Eine Handvoll Bücher habe ich ausgewählt, die ich lesen werde, ansonsten werde ich einfach nur Altfragen kreuzen - soviel wie möglich. Wobei ich Bücher verwende, die mir schon vertraut sind, da fällt der Einstieg leichter.

Zudem lese ich auch nur Bücher für Fächer, die anteilsmäßig viel im Hammerexamen gefragt werden: Innere, Chirurgie und Neurologie - zudem sind sie auch meine Fächer im mündlichen Examen.

Gegen Ende der Prüfungsvorbereitung werde ich noch ein allgemeines Differenzialdiagnosebuch durchgehen.

Guckt man sich die Altfragen der vergangenen Examina an, dann merkt man schnell, die Leute vom IMPP fragen gerne zweimal "um die Ecke"; das ist noch einmal mehr gedacht als das reine Lehrbuchwissen liefert. So werde ich also voll aufs Kreuzen setzen und die Kommentare lesen - auch nicht gerade wenig bei mehreren Tausend Fragen.

 

Andere Bücher

Ist mehr Zeit vorhanden als erwartet und brauche ich mal zusammenhängendes Wissen ohne ABCDE-Buchstabensuppe, liegen Kurzlehrbücher für folgende Fächer bereit: Gynäkologie, Pädiatrie, Orthopädie und Psychiatrie. Die kommen anteilsmäßig ebenfalls oft im Examen vor.

Die dicken Bücher speziell fürs Hammerexamen hatte ich verworfen. Sie würden wahrscheinlich eh nur auf meinem Schreibtisch stets ein schlechtes Gewissen verursachen, weil ich doch nicht drin lesen werde. Und die Beine meines Schreibtischs sind auch alle gleich lang, ein Buch zum drunterlegen brauche ich nicht.

 

Der andere Kram

Soviel zu den medizinischen Sachen, was ist mit dem anderen Kram? Drei Monate können eine ziemlich lange Zeit werden. Da reichen gute Bücher und ein Haufen Altfragen zum Überleben nicht aus.

Eine kurze Checkliste:

  • Familie und Freunde, die ich zur Not anrufen kann
  • zehn Finger, um damit nervös auf dem Tisch zu trommeln
  • kein Fernseher in meinem Zimmer.
  • ein Zettel vollgeschrieben mit Motivationssprüchen, wie "Der Weg ist das Ziel" usw. Den habe ich gleich wieder in den Mülleimer geschmissen. Meine Motivation ist, das Examen bestehen und einen schönen Job haben.
  • ein Ententeich in der Nähe, um dort zu laufen, die Natur zu genießen und mal den Kopf frei zu bekommen.
  • ein Kühlschrank mit Essen, das immerhin besser ist als das aus der Krankenhauskantine
  • ein großer Vorrat an Schokolade
  • ein großer Geheimvorrat an Schokolade

 

Mein Anfang

Aller Anfang ist schwer - könnte ich jetzt sagen, sehr klischeehaft, doch leider stimmt das auch. Wobei mein erster Lerntag begann, als ich die drei letzten Bescheinigungen beim LPA abgegeben hatte. Bei der Rückfahrt in der Straßenbahn hatte ich ein Lehrbuch dabei und offiziell angefangen. Dabei braucht man in einer Bahn eigentlich kein Lehrbuch, um Medizin zu lernen. Du kannst genauso gut den Gesprächen der anderen Fahrgäste lauschen.

In meiner Wohnung verhielt ich mich dann leider weiter klischeehaft: Ich räumte erstmal meinen Schreibtisch auf. Dabei habe ich leider das Pech: Egal wie ordentlich ich meinen Schreibtisch halte, nach einer Woche sieht er so vollgepackt mit Papieren und Büchern aus wie eh und je. Mein Glück, dass ich eh selten am Schreibtisch lerne.

Als ich fertig war und vor mir eine reine, weiße Tischplatte glänzte, blickte ich skeptisch auf meine Fenster, die eigentlich auch ein bisschen Zuwendung verdient hätten.

 

Achtung: Süchtigmacher

Was das Stichwort Süchtigmacher betrifft, habe ich schon erwähnt, dass ich reichlich Schokolade in meiner Wohnung gehortet habe? Man kann ja nie wissen, ob neben Ölkrise und Bankennot plötzlich die Weltversorgung vom "Braunen Gold" zusammenbricht.

Doch eigentlich meine ich mit Süchtigmacher etwas anderes. Ich bekämpfte die Anziehungskraft, meine Fenster zu putzen - später dann mein Badezimmer/Küche/Flur - mit einer enorm effektiven Waffe. Ich fing an Altfragen zu kreuzen. Das ist nämlich ein bisschen so wie bei den Rateshows im Fernsehen. Hast du die Frage erstmal gelesen, willst du auch unbedingt die Antwort wissen, selbst wenn ein Werbeblock dazwischen gesendet wird. Und schwupps kommt schon die nächste Frage. Einmal angefixt hört man nicht so schnell wieder auf. Einzige Nebenwirkung ist wahrscheinlich, dass ich irgendwann bei jeder Entscheidung im Alltag in Gedanken aus fünf Möglichkeiten auswähle.

  • Esse ich jetzt..?
  • A) einen Apfel
    B) eine Banane
    C) einen Salat
    D) ein Brötchen
    E) ein Stück Schokolade

Niemand hat behauptet, alle Multiple Choice Fragen wären schwierig...

 

Immerhin

Immerhin - zumindest ist das mein momentaner Gedanke - ich bin vorbereitet auf fast alle Katastrophen. Abgesehen davon, wenn mein Computer explodieren sollte und ich nicht mehr kreuzen könnte. Falls das passiert, wird mir womöglich etwas einfallen.

Denn viel wichtiger: Letztens fand ich heraus, dass doch tatsächlich eine echte Schokoladenfabrik in meiner nächsten Umgebung steht. Was auch immer passieren mag, jetzt kann mich nichts mehr schrecken.

 

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