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  • 28.03.2011

Hammerexamen-Tagebuch (3)

Die erste Bewerbung um eine Arztstelle.

Den ganzen Tag damit zu verbringen, für das Hammerexamen zu lernen und Examensfragen zu kreuzen, ist sicherlich keine gute Idee. Statt ununterbrochen Krankheiten zu lernen, studierte ich aus diesem Grund lieber nebenbei fleißig Stellenanzeigen.

Foto: iStockphoto

 

Wie man das eigene Leben auf eine Seite quetscht

Die Auswahl für Assistenzärzte ist wirklich groß, wobei ja noch all die Kliniken hinzukommen, die zwar zurzeit keine Stelle anbieten, doch eventuell dann eine haben, wenn ich fertig bin; lange ist es ja nicht mehr hin. Letzte Woche stolperte ich durch Zufall auf meine mögliche Traumstelle.

 

Warten, doch nicht zu lange

Seit einigen Monaten schon lese ich bewusst Stellenanzeigen. Immer wieder waren interessante Angebote dabei. Bei zwei oder drei der Kliniken, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen, möchte ich im Frühjahr anrufen um nachzufragen, ob es noch möglich ist, sich zu bewerben. Schließlich kann ich erst in einigen Monaten nach bestandenem Examen anfangen.

Ich muss dabei wohl berücksichtigen, dass der Stellenmarkt in einer Krankenhausabteilung ständig im Fluss ist: Auch wenn aktuell keine Stelle frei sein mag, in ein paar Monaten sieht das eventuell wieder ganz anders aus. Sich rechtzeitig zu bewerben bringt ziemlich viel, auch wenn man keinen Studienabschluss in der Tasche hat, denn Klinikchefs müssen weiter als nur die nächsten Monate vorausdenken.

Letzte Woche stolperte ich zufällig über die bisher beste Stelle überhaupt. Genau das, was ich wollte. Es war sicherlich nicht alles perfekt und eine Anzeige allein sagt recht wenig aus. Aber ich sah mir sofort den Auftritt des Krankenhauses im Internet an, betrachtete den amateurhaften Werbefilm: ziemlich neuer Bau, große Räume, freundlich, nicht klinisch kalt wie andere Häuser. Auf der Internetseite www.pj-ranking.de las ich aktuelle Kommentare von PJlern, worauf Interessenten aber meiner Erfahrung nach nicht zu viel geben sollte.

Dennoch, das positive Bild wurde insgesamt bestätigt. Auf den ersten Blick entdeckte ich keine "Kontraindikationen" für diese Stelle. So beschloss ich, mich dort sobald wie möglich zu bewerben.

 

Bewerbung wie geht das?

Und da war es dann plötzlich: mein großes Problem. In der Hohen Schule lernte ich Bomben zu basteln, na gut, eher Formeln für Knallgasreaktionen. Ich lernte zu übersetzen, wie Cäsar mal wieder einen Plan der Norddeutschen durchschaute. Und ich lernte Goethes "Götz von Berlichingen" zu zitieren. Aber wie ich eine Bewerbung verfasse, lernte ich am Gymnasium sinnigerweise nicht.

Nun gibt es zehntausend Bücher zu diesem Thema, doch ich suchte zuerst diverse Foren für Medizinstudenten ab und wurde schnell fündig. Nur hatte da natürlich jeder sein eigenes Erfolgsrezept inclusive fertiges Süppchen zu bieten. Allein die Diskussion darüber, welche Unterlagen in die Bewerbungsmappe gehören, kann manchen Diskussionsteilnehmer sehr verstimmen, wenn nicht gar agressiv machen.

Ich traf also meine eigene Entscheidung und verzichtete einfach auf die meisten Dokumente. Weder mein Abitur- noch mein Physikumszeugniss legte ich bei, wen kümmert solch unwichtiger Kram von gestern? Stattdessen kopierte ich die Zeugnisse meiner PJ-Tertiale und das eines medizinnahen Jobs - da steht drin, was ich praktisch gemacht habe und was ich kann.

 

Mein Plan

Dieses kaltschnäuzige Vorgehen passte perfekt in meinen Plan. Für eine Bewerbung zum Assistenzarzt kommt es sicherlich gut, wenn man sich als "Macher" darstellt. Mit Noten konnte ich nicht groß glänzen - wollte ich auch nie. Aber so musste ich Argumente finden, die mich aktiv und motiviert aussehen lassen. Abteilungschefs suchen wohl eher nach jemandem, der eine ganzes Station schmeißen kann als jemand, der ganze Lehrbucher auswendig kennt. Denke ich jedenfalls. Hoffe ich jedenfalls...

Bevor ich jedoch ins Detail gehen konnte, musste ich erstmal wissen, wie eine Bewerbung aussieht. Klar Anschreiben, Lebenslauf und so weiter. Doch gibt es Besonderheiten für Mediziner?

Eine enorme Hilfe war da ein Artikel, den ich aus einer alten Via medici ausgegraben hatte. Und zwar Heft 3/2006, Seite 22 von Dr. Sven Hengesbach. Dabei hatte ich das Heft eigentlich mal wegwerfen wollen, weil auf dem Cover eine ziemlich eklige Augen-OP abgebildet ist.

Im Artikel war ein richtig schönes Muster mit Anschreiben und Lebenslauf und einer Handvoll guter Tipps abgebildet. Selbst auf solche Feinheit wie "Bewerbung um..." statt "Bewerbung für..." wurde eingegangen. Zudem wusste ich nun, was ich überhaupt erwähnen könnte, wie ich Famulaturen und PJ einbaue.

Zum Via medici Artikel: Die Bewerbungsmappe - Tipps für Mediziner

Die äußere Form hatte ich somit, der Inhalt wird ja wohl nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen, oder doch?

 

Knapper Lebenslauf

Erstmal wollte ich meinen Lebenslauf schreiben; für den Anfang etwas Einfaches, dachte ich: Ein primitives Aufzählen meiner Lebensstationen würde sicher schnell gehen. Wobei ich nach der ersten Stunde erstaunt war, was ich alles allein in den Uni-Jahren gemacht habe und somit selbst bei aller Bescheidenheit in den Lebenslauf schreiben könnte.

Blöd nur, dass ich quasi mein ganzes Leben auf eine Seite quetschen musste. Natürlich hätte ich auch zwei Seiten nehmen können, doch wer liest das dann noch?

Damit der Text lesbar blieb, wählte ich Schriftgröße 12, trickreich stellte ich jedoch die Leerzeilen auf Größe 8, was ein klein bischen gewöhnungsbedürftig ist, doch kaum auffällt.

Meine "Grunddaten" wie Schulzeiten, Zivildienst, Uni hatte ich zum Glück schon vorher mal zusammengeschrieben. Doch dann begann das große Jahresraten: Wann habe ich nochmal meine Doktorarbeit angefangen, wann machte ich dies und wann das, und wo sind doch gleich meine blöden Famulaturbescheinigungen.

 

Zusatzqualifikationen

Und wie ist es mit Zusatzqualifikationen? Fast hätte ich meine EDV-Kenntnisse vergessen. Für mich eigentlich ganz normal, dass man heutzutage weiß, wie man einen Computer einschaltet, aber dennoch ist es unheimlich wichtig, das zu erwähnen, auch wenn sich der Begriff EDV wie aus dem letzten Jahrhundert anhört.

Ebenso ist es wichtigt Englischkenntnisse anzugeben. Weil beides zusammen jedoch etwas mager dastand, schrieb ich einfach davor "sehr gute".

Bei aller Bescheidenheit sah ich mich dazu berechtigt, schließlich hatte ich im PJ ein Dopplergerät, das noch unter MS-DOS lief, wieder zum Laufen gebracht. (Für alle Jüngeren dort draußen: DOS ist ein antiquiertes Betriebssystem von Microsoft, das weder Maus noch "Fenster" brauchte.) Und Englisch, sogar medizinisches, konnte ich dank unzähliger amerikanischer Krankenhausserien, die ich ausgiebig auf DVD studiert hatte.

Ob es meinen zukünftigen Chef interessieren würde, wo ich am anderen Ende der Republik vor über 20 Jahren als kleiner Pups zur Grundschule gegangen bin, sei dahin gestellt, so fehlte allerdings aufgrund dieser Standardangaben Platz für aktuellere Sachen. Spontan verzichtete ich auf die Sparte "Hobbys". Im Nachhinein betrachtet, hätte ich die wohl doch reinschreiben sollen.

 

Ein schönes Foto

Jetzt fehlte nur noch ein schönes Foto. Nun gibt es die Story einer Bewerberin, die ein freizügiges Urlaubsfoto ihren Unterlagen beigefügte - und die Stelle bekam. Wahrscheinlich ist die Geschichte sogar wahr. Jedenfalls schreiben alle Ratgeber, ein Foto sei heutzutage nicht mehr Pflicht, doch gut und wichtig, um sich von der Masse abzuheben; und noch wichtiger ist, dass es schön aussieht.

Ok, dachte, gehen wir mal zu einem professionellen Fotografen und machen schöne Fotos. Aber was allein das Fotografieren kostet, und dann kommen ja auch noch die Abzüge hinzu. Hey, ich brauche schließlich kein MRT, nur ein Bewerbungsfoto. Nachdem ich die Preise erfahren hatte, fragte ich mich ernsthaft, warum ich eigentlich Medizin studiert habe und nicht "Bildermacher".

In Anbetracht der guten Stellensituation für Ärzte - ach ja, das war ein Grund - war ich dann einfach mutig und verzichtete auf das Foto in der Bewerbung. Zudem wollte ich ja mit meinem Inhalt glänzen.

 

Anschreiben und Stichpunkte

Puh, ganz schön anstregend alles. Doch war ich noch lange nicht fertig. Schließlich fehlte noch das Anschreiben. Und das hat es wirklich in sich.

Dank des Musters aus der Via medici wusste ich, wie so etwas aussehen sollte. Jedoch ist das Anschreiben fasst noch individueller als der Lebenslauf. Schließlich soll ich da begründen, warum ich ausgerechnet in diesem Krankenhaus und in dieser Abteilung arbeiten möchte, oder weshalb ich ausgerechnet jenes Fachgebiet erlernen will.

In einer Umfrage, die auf Via medici online veröffentlicht ist, legten Chefärzte wert auf eine Begründung des Bewerbers, warum er überhaupt Arzt werden möchte. Prima, vielleicht, weil ich mich nicht umsonst durch all die Jahre Medizinstudium gequält habe.

Ich umschiffte dieses Thema also recht elegant. Immerhin macht sich nun der Deutsch-Leistungskurs auf dem Gymnasium bezahlt; dies ist eine späte Rache an allen Chemie-LKlern, die sich nicht wie ich mühsam durch die Vorklinik quälen mussten.

Bevor ich mit dem Text anfing, machte ich mir einfach ein paar Stichpunkte und schrieb die Liste dann zu ganzen Sätzen um, was fast von selbst lief. Außerdem recherchierte ich bei pubmed nach Publikationen des Chefarztes, um seine Interessen zu erkennen und darauf in meinem Anschreiben einzugehen. Ferne schrieb ich, dass ich zurzeit fürs Examen lerne, nebenbei an meiner Doktorarbeit schreibe und nach bestandener Prüfung so früh wie möglich anfangen wolle.

 

Eine Bewerbung fertig

Nach einem halben Tag hatte ich also meine erste Bewerbung zusammengeschrieben. Und selbst wenn ich lediglich das Anschreiben hätte verändern müssen für weitere Bewerbungen, so verzichtete ich doch zunächst darauf, auf weitere Stellenanzeigen zu antworten. Es erschien mir auch sehr seltsam, plötzlich zu begründen, warum ich lieber in jene Klinik will, wobei ich doch eben noch unbedingt in diese wollte.

Ich rief im Sekretariat der Abteilung an, die die Stelle anbot und fragte, ob diese noch nicht besetzt sei. Die Sekretärin zögerte kurz - und meinte dann "Nein, die ist noch frei." Irgendwie hatte ich da den Eindruck, dass die Stelle eigentlich schon vergeben ist. Eigentlich war mir das auch egal.

Mit meinen ausgedruckten Papieren eilte ich am nächsten Tag in die Stadt, kaufte eine Bewerbungsmappe - worüber ich jetzt hier lieber nicht mehr schreibe. Unglaublich, wie schwierig es manchmal sein kann, eine Handvoll Papierseiten ohne zu Knicken in unflexible Schienen einzuklemmen. Da wurden Erinnerungen wach an die PJ-Zeit mit den Visitekurven.

Schließlich hatte ich alles beisammen. Erst als ich schon in der Schlange stand, sah ich im Verkaufsregal der Post qualitativ hochwertiges Druckerpapier. Ich hatte für meine Bewerbung schlichtes weißes Papier genommen... Wieder dachte ich: "Egal". Jetzt wird der Mist abgeschickt, bevor noch mehr Zweifel kommen.

 

Warten

Und dann plötzlich, als ich das Postamt verließ, stürzte ein großen Haufen unangenehmer Gefühle auf mich ein.

  • Habe ich vielleicht was vergessen?
  • Hätte ich diesen oder jenen Satz weglassen sollen?
  • Wäre doch ein Foto besser gewesen?
  • Und wann bekomme ich jetzt Nachricht?

Die Bewerbung war noch gar nicht unterwegs, da meinte ich schon, jeden Moment einen Anruf zu bekommen. Sollte ich mich darauf vielleicht vorbereiten?

Was mich am meisten irritierte war jedoch der Zweifel, ob es überhaupt die richtige Stelle ist, dabei war mich mir doch die ganze Zeit so sicher. Jedenfalls begann das große Warten in jenem Moment.

 

Was dann passierte...

...dazu ein andern Mal mehr.

 

Tipp für die Bewerbung

Prima Tipp für alle Bewerbungsschreiber dort draußen, die sich mit Microsoftprodukten nicht so gut auskennen: Wenn du mit MS-Word deinen Lebenslauf schreibst und einer immer gleichen Abstand zwischen den Jahreszahlen und den Tätigkeiten haben willst, dann benutze nicht die Leertaste sondern die Tab-Taste (die mit den zwei Pfeilen, die in entgegengerichteter Richtung zeigen, in der Regel liegt die links oben auf der Tastatur). Zwar beweist dieses Wissen nicht "sehr gute EDV-Kenntnisse", doch " gute EDV-Kenntnisse" sind dann sicherlich eine berechtigte Angabe in der Bewerbung.

 

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