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  • 29.03.2009

Hammerexamen-Tagebuch (4)

Teil 4: Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch.

Letztens verschickte ich meine Bewerbung um eine Assistentenstelle im Krankenhaus – obwohl ich das Hammerexamen noch gar nicht bestanden hatte. Eine Bewerbung zu schreiben war gar nicht so einfach, wie ich feststellen musste. Nun kam endlich eine Antwort - und mit ihr neue Probleme.

Foto: iStockphoto

Eine Antwort - und neue Probleme

Weil der ständige Gedanke ans Hammerexamen nicht so schön ist, denke ich oft an das Danach – bestandene Prüfung, Approbation, endlich den Arztberuf ausüben. Die Stellensituation ist gut; wenn das Examen gelaufen ist, wird sich aber wohl der Großteil der Kandidaten auf Stellensuche begeben. Aus diesem Grund hatte ich meine Bewerbung einfach schon jetzt abgeschickt. Zumal ich beim Lesen der Stellenanzeigen auf meine mögliche Wunschklinik gestoßen bin. Natürlich könnten in den folgenden Wochen andere interessante Angebote hereinkommen, und hätte ich dann die Stelle schon angenommen, wäre ich frühzeitig festgelegt. Jedoch was soll ich mit einer Taube auf dem Dach, wenn ich schon eine in der Hand habe?

Warten

Ich hatte meine Bewerbung im Postamt meines Vertrauens am Dienstag abgeschickt und wartete nun Tag um Tag. Starrte immer wieder auf mein Telefon und erschrak natürlich jedes Mal, wenn es klingelte. Doch kein Zeichen von der Klinik.

Am Mittwoch (natürlich noch) nicht. Am Donnerstag nicht. Am Freitag nicht. Samstag und Sonntag waren ein unglaublich langes Wochenende. Am Montag auch nicht – na ja am Wochenanfang ist die Zeit im Klinikalltag ja auch knapp.

Doch nun wurden die inneren Fragen immer quälender. Soll ich mal anrufen und nachfragen? Bewerbungsratgeber sagen dazu immer in ihrem euphorischem Ton: „Ja! Damit zeigen Sie Interesse.“ Da ich es nun aber auch nicht eilig hatte – schließlich muss ich ja nur noch vorher das Hammerexamen bestehen – beschloss ich noch ein paar Tage abzuwarten. Dann würde ich freundlich anrufen und unschuldig nachfragen, ob die Bewerbung denn sicher angekommen ist.

Das Telefon klingelt

Am Montagabend dann klingelte das Telefon – Chefärzte erledigen abends oft noch den Papierkram, vielleicht… Doch am anderen Ende der Leitung war ein guter Freund aus der Uni-Zeit, der von seiner Bewerbung erzählte. Eine Einladung habe er per Post bekommen. Natürlich, dass ich daran gar nicht gedacht habe. Schließlich habe ich meine Bewerbung mit der Post verschickt, dann kann eine Antwort auf dem gleichen Weg kommen. In der Tat: Am Folgetag fand ich in meinem Briefkasten einen Brief von der Klinik.

Der Brief

Im ersten Moment schoss mir durch den Kopf: „Und wenn es eine Ablehnung ist?“ Rasch riss ich den Umschlag auf und da standen die ersehnten Wort: „Wir bedanken uns für Ihre Bewerbung… möchten Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen.“ Angegeben war ein Termin in der kommenden Woche. Am nächsten Tag rief ich im Sekretariat an, um den Termin anzunehmen. Und dann hatte ich plötzlich wieder einmal ein Problem: das Bewerbungsgespräch.

Spontan? Unvorbereitet?

Ich glaube , ich hätte mir viel ersparen können von dem, was nun folgte. Ein Vorstellungsgespräch ist weniger schlimm als man gemeinhin denkt, und nicht selten sind Spontaneität und eine nicht hundertprozentig perfekte Vorbereitung günstiger. Trotzdem bereitete ich mich vor.

Weg finden

Um zur Klinik zu gelangen, die in einer anderen Stadt liegt, suchte ich nicht nur nach der nächst besten Bahn- und Busverbindung, sondern notierte mir zusätzlich alle möglichen Fahrmöglichkeiten, besonders Alternativen, wenn eine Verbindung ausfallen sollte. Ich suchte mir sogar die Nummer eines Taxiunternehmens der Zielstadt heraus, nur für den Fall, das alles schiefgeht.

Darüber hinaus ließ ich mir vom Touristik-Büro Broschüren zuschicken – auch aus allgemeinem Interesse. So hatte ich nicht nur einen freundlichen Einblick in die Sehenswürdigkeiten der Umgebung sondern auch einen Stadtplan, um vom Bahnhof zur Klinik zu kommen.

Sich über Klinik informieren

Für die Bewerbung hatte ich mich schon allgemein über das Krankenhaus und die Abteilungen informiert. Dies wiederholte ich nun noch einmal genauer, um so im Gespräch in kein Fettnäpfchen zu treten.

Fragen, Fragen, Fragen

Jeden Tag beschäftige ich mich beim Lernen fürs Hammerexamen mit Fragen und fünf Antwortmöglichkeiten – beim Bewerbungsgespräch hingegen würde ich es mit offenen Fragen zu tun bekommen. Raten wie beim Kreuzen ist da nicht möglich.

Natürlich sind spontane Antworten wichtig, um die eigene Echtheit im Gespräch zu zeigen. Doch, um keinen Blödsinn zu reden oder lange um eine gute Antwort zu rignen, kann ich nur empfehlen: Man sollte sich vorher mögliche Fragen und passende Antworten überlegen. Zumindest Stichworte, auswendig gelernte Antworten wirken sicherlich nicht so gut.

Fragen an mich

In einem Internetforum für Mediziner gab es einen Thread speziell für Fragen im Bewerbungsgespräch. Ich trug alle in einer Liste zusammen und suchte mir die am wahrscheinlichsten aus. Beispielsweise: „Warum dieses Fach? Warum dieses Haus?“ Bis auf "Ihre Stärken/Ihre Schwächen?“ verzichtete ich auf die horrorartigen Psychofragen, die in den Büchern stehen. Würde der Chef darauf abfahren, würde ich nicht gern in dieser Klinik arbeiten.

Ausgewählte Fragen vom Chef

  • Was sind Ihre Stärken und Schwäche?
  • Warum dieses Haus, warum dieses Fach?
  • Wie weit ist die Doktorarbeit? Beschreiben sie kurz, was genau sie in Ihrer Doktorarbeit gemacht haben?
  • Was tun sie in Ihrer Freizeit? Was sind Ihre Hobbys?
  • Bezug auf Aktuelles, besonders Tätigkeiten im PJ?
  • Welche Erfahrung mit dem Fachgebiet?
  • Was ist Ihnen in einer Klinik am wichtigsten?
  • Schildern Sie einen Fall, der Sie besonders beeindruckt hat.
  • Was war für Sie die größte Herausforderung im (Berufs-)leben?
  • Was haben Sie zu bieten, was andere Bewerber nicht haben?
  • Fassen Sie kurz Ihren Lebenslauf zusammen.
  • Können Sie Dienste machen?
  • Haben Sie persönliche Verbindungen zur Stadt und Umgebung?

Fragen von mir

Natürlich kann das Fragenspiel auch andersherum laufen. In der Regel bekommst du im Bewerbungsgespräch die Möglichkeit selbst Fragen zu stellen. In genau diesem Moment fällt einem natürlich nie etwas Gescheites ein. Deshalb ist es schlau, sich mehrere davon vorher zu überlegen – mehrere auch deshalb, weil eventuell die meisten im Gespräch schon geklärt werden. Mit eigenen Fragen signalisieren wir wieder das berühmte „Interesse zeigen“ - Lieblingsphrase aller Bewerbungsratgeber.

Ausgewählte Fragen an den Chef

  • Wie lange gilt der Vertrag?
  • Weiterbildung: gibt es feste Rotation bzw. einen Zeitplan wohin: z.B. Intensivstation, Funktionsdiagnostik, Notaufnahme?
  • Supervision, was beinhaltet das?
  • Inwiefern elektronische Krankenakte, papierloses Krankenhaus, Kodierhilfen?
  • Wie funktioniert Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen?
  • Wie viele Dienste sind zu leisten, wie ist es überhaupt geregelt mit Diensten?
  • Arbeitszeiten?
  • Welche Vergütung/Tarif? (Ja, das darf man fragen, sollte man sogar!)
  • Überstunden – Ausgleich mit Freizeit oder ausbezahlt
  • Externe Fortbildungen: Finanzierung und frei?
  • Zimmer im Haus bis eine Wohnung gefunden ist?

Was ziehe ich an?

Zuletzt bleibt da eine Frage übrig, eigentlich eine Kleinigkeit: Was ziehe ich an? Ohne weiter nachzudenken, entschied ich mich für den Klassiker: Hemd und Jacket – da kann man nichts falsch machen. Wie ist es mit einer Krawatte? Sicherlich nicht nötig. Doch da ich eine sehr schöne Krawatte besitze und auch kein schönes Foto, oder besser gesagt überhaupt kein Foto bei der Bewerbung mitgeschickt hatte, wollte ich darauf nicht verzichten.

Knoten

Da ich nicht jeden Tag Krawatten binde und trage, musste ich das vorher noch wieder etwas üben, wäre schlecht, das erst am Morgen der Fahrt zu machen. Ich hatte ein Buch mit Seemannsknoten, in dem auch einige Krawattenknoten abgebildet waren. Das erinnerte mich an mein Chirurgie-PJ – in dem jeder nur vom Nähen träumt. Sterilen Knoten mit Nadelhalter sind Krawattenknoten ebenbürtig. Unzählige Techniken, soll halten und schön aussehen soll es auch. Ich suchte mir den Windsorknoten aus. Falls der Knoten während der Fahrt zum Vorstellungsgespräch zu sehr verrutschen sollte und neu gebunden werden müsste, merkte ich mir dann noch folgenden Spruch – abgewandelt aus einer Krankenhausserie:

Das Kaninchen (breites Ende) springt einmal über die Baumwurzel (schmales Ende), krabbelt darunter wieder zurück. Fällt ins große Loch (Kragenschlaufe). Springt erneut über die Wurzel und dann von unten aus dem großen Loch heraus mitten hinein - Heim (durch neu gebildete kleine Schlaufe).

Fertig, jetzt kann der große Tag kommen.

Linktipp

Infos zum Bewerbungsgespräch finden Sie auch hier: 
So punktet man beim Bewerbungsgespräch

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Zur Übersicht des Hammerexamen-Tagebuchs

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