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  • 31.03.2009

Hammerexamen-Tagebuch (6)

Mein Vorstellungsgespräch - Ein Bericht in zwei Teilen (2)

Im ersten Teil berichtete ich von meiner Reise zu meinem ersten Bewerbungsgespräch um eine Arztstelle. Zwar liegt das Hammerexamen noch vor mir - doch warum warten? Jetzt folgt Teil 2: Ist die erste Bewerbung auch die letzte?

Foto: iStockphoto

 

Erst der Anfang

Die ersten Hürden hatte ich zu meiner Zufriedenheit bewältigt. Das Gespräch mit dem Chef und seinen Oberärzten war glatt gelaufen. Ich glaube, ich habe einen guten Eindruck hinterlassen. Nun stand ich wieder im Sekretariat. Zwar dachte ich mir schon, man würde mir eventuell noch kurz die Abteilung zeigen, doch weit gefehlt.

Gleich mehrere Programmpunkte kamen auf mich zu: Zuerst sollte ich noch zum Personalmanager, um mich vorzustellen. Danach würde mich einer der Oberärzte in der Klinik herumführen. Im Anschluss hätte ich die Gelegenheit, mit einem Assistenten allein zu sprechen. Zum Ende dann würde es noch ein Abschlussgespräch geben. Anscheinend war ich nicht der einzige hier, der "Interesse zeigen" wollte.

 

Kein Notlagentarif

Die Sekretärin beschrieb mir den Weg zum Personalbüro. Erst hatte ich Sorge, ich würde mich hoffnungslos im Haus verlaufen – was etwas peinlich gewesen wäre. Doch ziemlich zielsicher und dank der Beschreibung fand ich schnell das Büro. Der Personalchef plauderte gerade mit seiner Sekretärin und bat mich gleich herein. Während des Gesprächs hielt der Mann in keiner Minute hinter dem Berg, wie gerne er mich einstellen würde, wenn die Abteilung mich auch will. Während des Gesprächs blätterte er dabei etwas in meiner Bewerbung herum. Bei der derzeitigen Stellensituation hätte er wahrscheinlich auch einem Besen im Kittel den Vertrag in die Hand gedrückt. Trotzdem fühlte ich mich geschmeichelt. Rasch erzählte er mir vom Krankenhaustarif, betonte dabei, hier würde es keinen Notlagentarif geben, die Klinik schreibe Schwarze Zahlen, was auf gar nicht so viele Krankenhäuser zutreffe.

 

Die Abteilung

Das ganze Haus bekam für mich jetzt mehr und mehr ein Gesicht. Es war keine riesige Uniklinik oder nur ein Glied einer profitorientierten Klinikkette. Ich dachte: Hier könnte ich mich schon wohl fühlen.

Wieder zurück im Sekretariat wurde ich sogleich von einem der Oberärzte abgeholt, der mir die Abteilung zeigte. Ich bekam die Funktionsdiagnostik gezeigt, genauso wie Notaufnahme und die Stationen. Was besonders auffiel, waren die großen Zimmer; besonders die Größe der Arztzimmer beeindruckten mich. In vielen Krankenhäusern ähneln diese doch eher Besenkammern. Neben dem Arztzimmer gab es sogar einen separaten Untersuchungsraum.

Während der Führung stellte ich immer wieder ein paar Fragen, die mir nun spontan einfielen, weil ich immer interessierter wurde. Außerdem wollte es der glückliche Zufall, dass ich mich besonders für das Spezialgebiet des Oberarztes interessierte. So sagte ich ihm wahrheitsgemäß, dass ich mich in diesem Gebiet besonders engagieren möchte. Jedenfalls gefiel mir die Klinik immer besser. Wenn es Schattenseiten gab, dann wurden sie gut versteckt.

Wir begegneten immer wieder auch Pflegekräften. Ich wurde dann als Bewerber kurz vom Oberarzt vorgestellt. Stets schüttelte ich dabei die Hand – was nicht unbedingt nötig gewesen wäre, doch ich glaube, das macht einen guten Eindruck, zudem konnte ich so auch die Reaktion der Leute beurteilen: Waren sie neugierig oder genervt von neuen Ärzten? Allgemein konnte ich so ein wenig die Stimmung in der Abteilung abschätzen. Und die Stimmung schien zu stimmen.

 

Assistentengespräch

Im Anschluss dann folgte noch das Vieraugengespräch mit einem der Assistenzärzte. Eigentlich hatten sich Chef und Oberärzte so offen mir gegenüber gezeigt, dass ich dieses Gespräch gar nicht mehr gebraucht hätte. Aber dem Assistenten konnte ich dann die heiklen Fragen stellen, wie beispielsweise die tatsächlichen Arbeitszeiten und Belastung. Mein Gesprächspartner war deutlich unter Zeitdruck, blickte immer wieder hektisch auf seinen Monitor und sagte sehr direkt, dass es hier viel Arbeit gebe. Teilweise redeten wir auch aneinander vorbei. Als ich wieder draußen stand, hatte ich lustigerweise das Gefühl, ausgerechnet das Gespräch mit dem Assistenten habe sich von allen am wenigsten ergiebig gezeigt. Obwohl ich doch eigentlich gerade von diesem Gespräch mehr erwartet hätte. Egal, davon ließ ich mich nicht mehr beirren. Diese Stelle entsprach ganz meinen Erwartungen.

 

Ein Abschied

So kehrte ich noch einmal zurück ins Sekretariat. Der Chef bat mich noch zu einem Abschlussgespräch. Er sagte, es gäbe noch andere Bewerber und Gespräche. Ganz konkret empfahl er mir, in der übernächsten Woche bei ihm anzurufen, dann stünde die Entscheidung fest, und es sei dann auch entschieden, ob noch eine weitere Stelle zu besetzen ist. Zuletzt betonte ich dann, wie sehr mir die Vorstellung der Klinik gefallen habe. Und ich fügte hinzu, dass ich es mit meiner Bewerbung ernst meine und keine andere Klinik im Blick habe. Ich glaube dieses Bekenntnis kann sehr ausschlaggebend sein.

Ich verabschiedete mich – gerade rechtzeitig. Wenige Minuten später stand wieder der Bus vor dem Krankenhaus Mit einem großen Seufzer der Erleichterung, dass alles gut geklappt hat, stieg ich ein. Und so fuhr ich zurück zum Bahnhof und dann weiter nach Hause.

 

Warten

Knapp zwei Wochen also musste ich nun warten. Es war keine schlimme Zeit. Einerseits war meine Stellensituation ideal: Wenn es nicht klappen würde, dann würde ich anderswo eine ähnlich schöne Klinik finden. Außerdem hatte ich ja noch reichlich Zeit, bis ich überhaupt anfangen könnte. Doch andererseits wollte ich sehr gerne in dieser Klinik anfangen. Schließlich hatte ich während Famulaturen und PJ viele Krankenhäuser kennen lernen können und konnte so eine gute Klinik einschätzen. Auch wenn ich nur einen kurzen Einblick gehabt habe

Doch Tag für Tag wurde meine Unruhe größer. Wie würden sich wohl die anderen Bewerber präsentieren? Und ist es nicht sonst so, dass der Chef einen zurückruft? Ich las dann wieder ein paar andere Stellenanzeigen, die mir ebenfalls gefielen und überlegte immer mehr, ob ich mich nicht doch woanders zumindest bewerben sollte. Aber das könnte ich immer noch machen, wenn ich eine Absage bekäme.

 

Erstes Gespräch

Montagnachmittag, knapp zwei Wochen nach meinem Bewerbungsgespräch, gab ich mir einen Ruck. Eigentlich hatte ich die ganze Zeit eine Antwort ersehnt, doch am Stichtag zögerte ich erst. Es erschien mir wie der Moment, bevor Prüfungsergebnisse veröffentlicht werden. Ich griff zum Telefon. Die freundliche Sekretärin sagte, sie werde zurückrufen, da der Chef gerade telefoniere. „Ja, natürlich.“ Und wieder musste ich warten. Kein gutes Zeichen oder nur unnötige Sorge? Ich warte jedoch nicht nur ein paar Minuten, erst eine Stunde später klingelte endlich das Telefon. Die Sekretärin entschuldigte sich vielmals: „Der Chef musste leider gleich weiter zu einer Besprechung.“ Meine Enttäuschung überspielte ich mit großer Freundlichkeit: „Ja, bei Chefärzten ist es ja häufig mit der Zeit schlecht.“ Der Sekretärin lachte, trotzdem wagte ich nicht einfach zu fragen, ob sie mehr wisse über meine Zukunft.

 

Noch eine Nacht

Also noch eine Nacht warten. Am nächsten Morgen, so die Sekretärin, solle ich es einfach noch mal versuchen. Durch das Vertrösten waren meine Hoffnungen auf die Stelle geschmälert – schlechte Nachrichten verschiebt man schließlich gerne. Leider sei der Chef noch in der Morgenbesprechung antwortete mir die Sekretärin, sie würden dann zurückrufen. Wieder wartete ich, nahm sogar mein Handy mit aufs Klo. Eine knappe Stunde später dann endlich sprach ich mit dem Chef persönlich. Seine Stimme war etwas sachlicher und geschäftsmäßiger als vor zwei Wochen. Doch dann kamen die erlösenden Worte: „Wir würden Sie gerne einstellen.“ Ich sollte mich wieder melden, wenn ich meine Prüfungstermine hätte, würde dann den Vertrag zugeschickt bekommen und alles Weitere würde geregelt werden.

 

Schluss

Geschafft! Für einige Tage stand ich noch quasi unter Schock, die Freude kam erst Schritt für Schritt. Zudem habe ich ja auch noch das Hammerexamen vor mir. Mit einer Wunschstelle in der Hand, lerne ich gleich motivierter.

Natürlich ist es für Ärzte heutzutage nicht schwer, eine Stelle zu bekommen, dennoch freue ich mich auch über den Erfolg. Meine Vorstellung war richtig: Man muss nicht durch Noten oder hochtrabendes Auftreten wirken, sondern durch Freundlichkeit, Höflichkeit und ehrlichem Zeigen der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Und so wird meine allererste Bewerbung auch erst einmal meine einzige bleiben.

 

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