• Tipps
  • |
  • Björn-Ole Bast
  • |
  • 21.12.2016

How to survive Medschool

Dass das Medizinstudium kein Zuckerschlecken ist, stellt ein jeder Medizinstudent ziemlich schnell fest. Aber man kann trotzdem das beste daraus machen. Hier ein kleiner Überlebensratgeber.

Gerade im Winter kommt es einem so vor, als gebe es keinen Tag mehr. Man radelt morgens in aller Früh mit dem Rad durch die Nacht zur Uni – die Augen noch vollkommen verklebt vom über Nacht gesammelten Sekret der Glandulae lacrimales – eingesperrt in diverse stickige Hörsäle verschläft man das Tageslicht, bis man wieder von der Nacht umhüllt den Weg nach Hause anstrebt, um sich dort nicht ins Bett zu legen, sondern am Schreibtisch die Glutealmuskulatur wund zu sitzen. 

Kommt dir diese Situation bekannt vor und du fragst dich, wie du das überleben sollst? Bist du auf der Suche nach deinem bzw. einem Leben zwischen Hörsaal, Schreibtisch und Bett? Dann habe ich, der diesen Wahnsinn bald hinter sich gebracht hat, ein paar hilfreiche Tipps für dich.

  • 1. Frischluft erfrischt Körper und Geist. Nutze die kurzen Pausen zwischen zwei Veranstaltungen, um so viel frische Luft, wie mögliche zu bekommen. Trete vor die Tür, lass dich nicht vom Regen irritieren, atme tief durch. Das wirkt gegen die sich einschleichende Müdigkeit, steigert die Aufmerksamkeit und motiviert dazu, weiter zuzuhören und vielleicht das Handy in die Tasche zu stecken.

  •  Halte eine positive Energiebilanz ein. Wenn du in Physiologie aufgepasst hast, dann weißt du, dass das Gehirn generell einen hohen Energiebedarf hat, der unter erhöhter Aufmerksamkeit nahezu exponentiell ansteigen kann. Ist dir diese Tatsache entgangen, so lag das vermutlich daran, dass dein Gehirn etwas hypoglykäm war. Ein Frühstück sowie kleine Pausensnacks in Form eines Apfels oder Müsliriegels halten deinen Kopf in Form und stärken das Immunsystem. „An apple a day, keeps the doctor away.“

  •  Vergiss das Trinken nicht. Mit dem Trinken ist es ähnlich, wie mit der Energiebilanz. Das Gehirn verbraucht unter Belastung eine erhebliche Menge an Sauerstoff, der an das Blut gebunden ist, welches einen gewissen Blutdruck benötigt, um auch in ausreichender Form die graue Substanz zu erreichen. Bei der Energieverbrennung verliert der Körper Flüssigkeit, wodurch der Blutdruck absinken kann. Die Aufmerksamkeit sinkt. Also trinke regelmäßig ein bisschen Wasser, aber nicht zu viel, damit du nicht während der Vorlesung deinen Detrusor vesicae bemühen musst und das Wichtigste verpasst.

  • Ein Tag Pause muss sein. Erholung ist wichtig, um nicht den Fokus zu verlieren. Egal wie nah eine Prüfung rückt, plane von vornherein einen komplett freien Tag am Wochenende ein, an dem du ausschlafen darfst und weder Buch noch Stift in die Hand nimmst. Das motiviert und verbessert die Lernleistung in der kommenden Woche.

  •  „Take it step by step“ Gerade am Anfang des Studiums denkst du vermutlich, das du auf Anhieb alles wissen müssest, doch lass dir gesagt sein, dass das Blödsinn ist. Du musst am ersten Tag noch nicht wissen, dass Megalin und Cubilin dazu dienen, im terminalen Ileum das an den Intrinsic Factor gebundene Vitamin B12 zu resorbieren. Du wirst alles Schritt für Schritt lernen. Kurz vor dem Physikum wird sich der gigantisch umfangreiche Haufen an Puzzlesteinen, die du zuvor mühsam umgedreht hast, zu einem großen Puzzle zusammensetzen.

  • Schreibtisch oder Bibliothek? Finde für dich heraus, wie bzw. wo du am besten lernen kannst. Weil alle in die UB (Universitätsbibliothek) gehen, heißt das nicht, dass du auch dort lernen musst. Ich hab’s für mich ausprobiert und war nach kurzer Zeit vom lauten Auf- und Abstöckeln einiger Studentinnen so genervt, dass ich fortan zuhause lernte. Wenn man die Disziplin hat, sich da auch an den Schreibtisch zu setzen, ist das eigentlich auch der viel bessere Ort, denn dort hast du ein Bett, eine Küche, ein eigenes Klo und kannst in der Theorie in den Lernpausen den Haushalt schmeißen. So hast du dann nach dem Lernen wirklich Feierabend.

  • (K)Ein Ende in Sicht. Egal ob du ein Tag- oder Nachtlerner bist. Setze dir einen Endpunkt. Das kann ein Kapitel bzw. Thema sein, das du an diesem Tag durcharbeiten möchtest, oder eine Endzeit. Bei mir fiel der Stift immer spätestens um 20:00.

  • Sport, Sport, Sport. Bewegungsmangel ist einer der Risikofaktoren für KHK und Co, da hilft auch die Ausrede „wann soll ich das denn noch machen“ nicht. Nach einer langen intensiven Lernsession ist der Kopf vollgedröhnt, man lebt im Tunnelblick, die Wahrnehmung ist eingetrübt, dass man selbst im Supermarkt die Gesichter von Freunden übersieht. Ich kann nur empfehlen an solchen Tagen Sport zum Ausgleich zu machen. Das befreit den Kopf und stärkt das Immunsystem. Vereinssport kann sich durch Überschneidungen von Uni und Training als schwierig erweisen, aber Laufen und Fitnessstudio gehen immer.

  •  „Soll ich auf die Medis fahren?“ Das hab ich mich in den ersten Semestern immer wieder gefragt, denn mit den Medis beginnt für viele die Lernzeit für die Klausurenwoche. Irgendwann hab ich es dann gewagt und kann dir nur raten: Fahr! Es bringt nicht nur unheimlich viel Spaß, sondern befreit, reseted das Gehirn vor der Lernphase und das Studium rückt komplett in den Hintergrund.

  •  YouTube – das beste Repititorium. Wer kennt das nicht, der Kopf raucht, die Buchstaben der Lesetexte verschwimmen, es geht einfach nix mehr rein .. .plötzlich erwischt du dich, wie du von via medici  zu YouTube abrutschst und nun Lifehacks, Pannenfilmchen oder Schminktipps schaust. Dabei hat YouTube noch viel mehr zu bieten: Schau dir diese zwei von mir favorisierten Kanäle an und verstehe endlich mehr von Physiologie, Biochemie und noch mehr: https://www.youtube.com/user/armandohasudungan  https://www.youtube.com/user/UCDMedicine

  •  „Nach dem Physikum wird alles besser!“ Dabei handelt es sich nicht bloß um ein Gerücht, sondern um eine Tatsache. Man verbringt bei einem gut gelegten Stundenplan deutlich weniger Zeit in der Uni, der zu lernende Stoff wird greifbarer und bezieht sich endlich auf Erkrankungen. Also halte durch, bleib am Ball.

Ich hoffe, dass der ein oder andere Tipp für dich von Nutzen sein konnte und wünsche dir in diesem Sinne alles Gute für das Studium. Bald ist es geschafft, die Zeit vergeht schneller, als man denkt.

 

Mehr zum Thema

Bericht: Nur nicht aufgeben!

Fachartikel: Arzt in Serie

Übersicht: Happy- oder Horror-Nachtdienst?

Schlagworte
Mein Studienort

44 Uni Städte:
Medizinstudenten berichten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 150 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete

Pressespiegel

21.08.2019 - Ärzteblatt online Psychische Leiden häufen sich bei Luftverschmutzung

20.08.2019 - Ärztezeitung online Tipps gegen Prüfungsangst beim Physikum

19.08.2019 - Ärzteblatt online Neues Schmerzorgan in der Haut entdeckt