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  • Mona Herz
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  • 22.09.2014

Was man im Medizinstudium nicht lernt: 4. Blutabnehmen

Wie funktioniert das eigentlich mit dem Blutabnehmen?

 

 

Zu den Dingen, die wir im Studium nicht lernen aber unbedingt wissen sollten, zählt so ziemlich alles was irgendwie mit Praxis zu tun hat. Deshalb heißt es wahrscheinlich auch Studium und nicht Praktikum, wobei ein fünf jähriges Praktikum mit anschließendem praktischen Jahr auch irgendwie komisch klänge. Im Laufe der Zeit hört und liest man auf jeden Fall zu allen praktischen Tätigkeiten des Jung-Arztberufes die skurrilsten Geschichten, die immer dem Freund vom Bekannten eines Cousins passiert sind, möglicherweise aber auch der erzählenden Person, der das peinlich ist.

So eine entsprechend weitläufige Person hat beim Blutabnehmen in einem städtischen Krankenhaus (natürlich nicht mit einem Butterfly) die Vene eines Patienten einfach nicht getroffen. Daraufhin wollte sie den Patienten noch mit der klassischen „Es tut mir leid, aber Sie haben eine Roll-Vene.“-Ausrede beruhigen, als wie aus dem Nichts der Oberarzt auftaucht, und mit harschem Ton sagt: „So, das reicht, wollen Sie unseren Patienten durchlöchern? Noch ein Versuch, dann ist Schluss.“

Voller Tatkraft sticht sie mit zittriger Hand zu und punktiert eine Arterie. Die Sauerei war groß, der Oberarzt genervt und die Schwester, die das Bett neu beziehen musste, soll dem armen Punkteur sogar lebenslängliches Kaffee-Verbot im Schwesternzimmer erteilt haben. Was kann man daraus lernen? Bei der Blutabnahme immer ruhig wie konzentriert sein und möglichst genug Licht haben. Sollte ungewollt eine Arterie getroffen werden erkennt man das am pulsierenden Blutfluss und sollte schnell einen Druckverband anlegen, oder „Erdbeben“ rufen, schnell aus dem Zimmer rennen und sich nach einem Job als Hilfsgärtner umsehen. Wenn die Blutabnehme nach zwei Malen nicht klappt, nicht unter Druck setzen lassen sondern am Besten jemanden um Hilfe bitten.

Und die ganz übermüdeten Kollegen sollten darauf achten nicht an der operierten Mamma Ca Seite oder an dem Arm an dem eine Infusion liegt, Blut abzunehmen. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass man sich gewundert hat warum dann ein Ödem entsteht oder der Hb bei 2 liegt.

Kannst du jede Übermüdung oder Fehlpunktion ausschließen und dein Patient hat nach der Blutabnahme dennoch einen blauen Arm, als wäre er die Treppe herunter gefallen? Ist der Patient zudem möglicherweise dement oder Medikamentenincomplient? Dann solltest du Ursachenforschung betreiben, dabei könntest du zum Beispiel mit einem Quick anfangen. So hat es sich in einer Reha-Maßnahme zugetragen, dass eine verzweifelte junge Ärztin schließlich herausfand, dass ihr Patient ein lang abgesetztes gerinnungshemmendes Medikament (das er noch in der Tasche hatte) hin und wieder in ordentlicher Dosierung einnahm, was bei der Blutabnahme zu starken Hämatomen führte.

Bleibt zu hoffen, dass man in zwanzig Jahren mit Freude solche Geschichten unerfahrenen, unbescholtenen Studenten erzählt oder damit eine verstaubte Tagung auflockern kann...


Hier geht's zur Übersicht der Serie "Was man im Medizinstudium nicht lernt"

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