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  • Dr. Motz
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  • 10.06.2013

Dr. Motz auf dem Spielplatz

Dr. Motz kann kleine Kinder nicht ausstehen. Leider kommt er ab und an nicht drum herum, mit seiner kleinen Nichte auf den Spielplatz zu gehen. Was er da erlebt, übertrifft seine kühnsten Erwartungen.

Sterilium wirkt nicht nur gegen Bakterien

Wenn es etwas gibt, das Dr. Motz noch weniger mag als Tiere mit mehr als vier Beinen, dann sind das Kleinkinder. Leider hat er eine Schwester, die darauf besteht, dass der ewige Grantler ab und an mit seiner kleinen Nichte in Kontakt tritt. Das einzig Gute daran ist, dass die Kleine ähnlich schlau ist wie Dr. Motz - muss an den Genen liegen - und schon kapiert hat, dass mit ihrem Onkel nichts anzufangen ist. Außerdem kann sie Dr.Motz` Geruch nicht ausstehen, denn der desinfiziert sich vor und nach jedem Kontakt ausführlich mit Sterilium.

 

Die Menschheit geht zugrunde

Es hilft alles nichts, Dr. Motz muss heute Schwester und Nichte auf den Spielplatz begleiten. Und dort bestätigt sich ihm, dass die Menschheit irgendwann an Dummheit zugrunde gehen, jedoch nicht aussterben wird. Denn während die Geburtenrate bei Akademikerinnen weit unter dem IQ einer Semmel liegt, liegt der IQ einer Semmel weit über dem Gesamt-IQ, den Motz auf dem Spielplatz vorfindet - seine eigene Familie natürlich außen vor gelassen ...

 

Der kaulquappige Homunculus

Dr. Motz sieht nicht nur einer dummen, sondern auch einer fetten Welt entgegen. Einige der Kleinkinder überschreiten sichtlich das zugelassene Höchstgewicht der Kettenschaukel. Pausbäckige Speckbeine versuchen durch unkoordiniertes Strampeln die Schaukel in Gang zu setzen, erreichen aber nur Rotationsgeschlinger. Was zu wildem Geheule führt. Innerlich auch bei Dr. Motz, denn dass Kinder nicht mehr fähig sind rückwärts zu laufen, war ihm aus der Studienlage schon bekannt. Aber das? Er fand den Homunculus im motorischen Cortex ja schon immer ziemlich frankensteinmäßig deformiert, aber in zukünftigen MRT Scans wird der wohl nur noch aus einem durch Playstation, SMS- und Touchscreengebrauch hypertophierten Riesendaumen bestehen. Mit Extremitätenreststummeln. Die Zukunft von Homo sapiens liegt also in der Rückentwicklung zu Kaulquappe mit Daumen statt Kopf. Großartig.

 

Rückbildung des Hörorgans

Auf Ohren würde Dr. Motz allerdings gerne jetzt schon verzichten. Nicht nur, dass angesichts des hochfrequenten Gekreisches um ihn herum seine Cochleaendstrecke platt liegt, auch der Inhalt der Gespräche haut ihn um. "Tschakeline, nich dat Sand inne Maul stecken, kommst du her, tu den Bombom lutschen, is Vitamine drin!" oder "Marvin-Lee-Roy nich´ zu nah an dat Mädschen da jehen, da kriechste Läuse von!"

 

Ein Albtraum in Pink

Dr. Motz kriegt auch gleich Läuse, vor allem juckt es ihn in den Füßen. Glücklicherweise meldet sich just in diesem Moment sein Handy. Nie zuvor hat er sich so gefreut, in die Klinik zu einem Notfall zu müssen. Fix lässt er Schwester und Nichte in der Sonne zurück, doch kaum im Krankenhaus angekommen, setzt er seine Sonnenbrille wieder auf. Pink brennt ihm in die Netzhaut! Auf der Liege ein dreijähriges Mädchen mit Regenbogenschleife im Haar, Glitzerpuder auf den Wangen und rosa Fingernägeln, daneben die komplett in einem pinken Nicki-Jogginganzug gehüllte Erziehungsberechtigte. Eine Hand hält das Kind am Körper angewinkelt, in der anderen hält es sein Schminktäschchen.

 

Kindersicherheitstag

Das Kleinkind habe auf dem Sofa Trampolin springen geübt und sei dann heruntergefallen, so der diensthabende Assistenzarzt. Dr. Motz grummelt. Und das, wo heute doch (10.6.) Kindersicherheitstag ist! Und Eltern extra darauf achten sollen, die lieben Kleinen nicht vom Wickeltisch fallen zu lassen, ihnen keine verschluckbaren Spielzeugkleinteile in den Weg zu legen und verführerisch fruchtig duftende Reinigungsmittel wegzuschließen! Dr. Motz ist ja eher dafür, das Kind wegzuschließen. Jetzt aber muss er erstmal das Röntgenbild beurteilen und siehe da, er findet eine typische suprakondyläre Humerusfraktur. Zum Glück ohne Rotationsfehler und regelrechter Rogerschem Linienverlauf, sodass er nur noch den von Laer - die Bibel der Kinderorthopädie - nach der Dauer der konservativen Ruhigstellung konsultieren muss (Von Laer, Frakturen und Luxationen im Wachstumsalter, Thieme Verlag).

 

Angst vor der Klage

Dr. Motz ist froh, dass er nicht operieren muss, denn erstens macht ihn die Herausforderung, K-Drähte an noch wachsenden Epiphysen und störenden Nerven vorbei zur Frakturstabilisierung am besten im ersten Versuch perkutan zwecks Narbenvermeidung in den Knochen zirkeln zu müssen, etwas nervös. Und zweitens nerven ihn Eltern, die bei der Narkoseeinleitung unbedingt die Hand des Kindes halten wollen und dann angesichts des plärrenden Zwerges selbst hysterisch in Tränen ausbrechen. Und drittens fürchtet er sich sehr davor, bei einem bleibenden Schaden verklagt zu werden … dann müsste er länger an das Kind Rente zahlen, als er leben wird! Dabei findet er, dass Eltern, die ihr Dormicum benebeltes Kind bei Youtube ausstellen, auch für lebenslange Schäden verklagt werden sollten!

 

Lieber Tierbabies als Menschkinder

Nach einer erneuten Röntgenkontrolle im Gips - in Pink! - trollt sich Dr. Motz in seine Single Wohnung. Erleichtert lässt er sich aufs Sofa fallen, schaltet den Fernseher an, zappt herum ... und bleibt bei einer Reportage über Geparden-Babys hängen… Mei, sind die süß!

 

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