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  • Dr. Motz
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  • 16.12.2013

Dr. Motz besinnt sich

Von wegen vorweihnachtliche Besinnung und festliche Adventsstimmung! Dr. Motz ist im Stress! Der Laden, sprich die Klinik, brummt und Dr. Motz verbringt seine Zeit nicht mit Lebkuchenhausbauen sondern mit Knochenbasteln. Und statt Plätzchen aus Teig formt er Figuren aus Kochenzement, während er auf dessen Aushärten wartet. Selbst ein Opernbesuch wird zum Reinfall.

 

Weihnachtsbild - Foto: shutterstock

Foto: shutterstock

 

Der Nussknacker und der Fußknacker

Normale Menschen gestalten ihren Dezember mit traditionellen kulturellen Highlights wie Glühweinbesäufnissen am Christkindlmarkt. Dr. Motz hingegen befundet ein komatöses Schädelhirntrauma CCT nach dem anderen. Normale Menschen erfreuen sich im Ballett an Märchen vom Nussknacker – Dr. Motz repariert währenddessen auf der Eisbahn geknackte Füße. Und während andere dem Bach'schen Weihnachtsoratorium lauschen, klingeln Dr. Motz die Ohren von den unzähligen Anrufen der Rettungsleitstelle.

 

Schal? Ich zieh doch keinen Schal an!

Wenn Dr. Motz endlich mal frei hat und sich etwas gönnen will – in diesem Fall einen Opernbesuch mit seinem Lieblingssänger – dann holen ihn auch hier Seuche und Krankheit ein und er muss enttäuscht erfahren, dass sein geliebter Bariton mit einer Erkältung im Bett liegt und durch einen unbekannten Nachwuchssänger ersetzt wird. Ja, kann der denn keinen Schal anziehen, zuckerfreie Hustenbonbons lutschen und sich einfach mal zusammenreißen? Dr. Motz operiert schließlich auch bei 39,5 Grad Fieber und geschüttelt von Hustenanfällen! So ein Weichei!

Dr. Motz ist sauer und damit im Gegenteil weihnachtlicher Friedfertigkeit angekommen.

 

Hommage an Loriot

Das Einzige was Dr. Motz an Weihnachten aufmuntert, ist Loriots Weihnachten bei den Hoppenstedts und das liebliche Adventsgedicht der Förstersfrau.

Familie Hoppenstedt birgt so viele medizinische Geheimnisse! Dickie (sic!), der Sohn, zeigt Ansätze eines Tourette Syndroms – Zicke Zacke Hühnerkacke ist ja nun wirklich kein Weihnachtsgedicht – und zudem wäre eine hypogonadische Chromosomenstörung mit adoleszenter Adipositas zu vermuten.

Opa Hoppenstedt zeigt mit seinem Altersstarrsinn eindeutige Demenzzeichen und präsentiert natürlich eine ausgeprägte Presbyakusis.

Mutter Hoppenstedt gehört mit ihrer Realitätsverkennung "Hach, ist das gemütlich" eindeutig in die Psychiatrie und ihr Ehemann hat vermutlich eine Zwangsneurose – wer lässt sich schon jede Weihnachten eine Krawatte schenken?

Vor lauter Loriot Begeisterung hat Dr. Motz sogar dasselbige Adventsgedicht auf das Krankenhaus assimiliert:

Advent

Draußen tut das Blaulicht blinken, Synkopen leis` herniedersinken.

Der Assi ist lang auf den Beinen, und kämpft mit seinen Notfallscheinen.

Auf Intensiv bei Kammerflimmern, hört man ihn plötzlich leise wimmern.

Er hatt` in dieser schönen Nacht, grad seinen Chefarzt umgebracht.  

Er war ihm bei des Defi´s Pflege, beim Entladen schlicht im Wege.

Schon lange wusst‘ er insgeheim, ein Arbeitsunfall müsst‘ es sein.

Nun kam er mit sich überein, im Notfalldienst da soll es sein.  

Und als die Schwester ging zur Klingel, der Pfleger folgt` dem Faxgebimmel, da hielt er ihm, aus lauter Frust, die Defipaddel an die Brust.

Vom Funkenschlag gibt’s einen Knall, darauf erfolgt des Chefes Fall. Ein Schrei erhebt sich in die Luft, verbranntes Fleisch, welch feiner Duft!

Und im Notfallschockraum drinnen, des Chefes Leben läuft von hinnen.

Der Assistent muss sich beeilen, den Chefarzt sauber zu zerteilen. Das Fleisch vom Knochen trennt er schnell, mit sichrem Schnitt durch das Skalpell.

Der Präpkurs hat sich jetzt gelohnt, kein Nerv, kein Muskel wird verschont. Die Gallenblas hält er zurück, als laproskopisch Übungsstück. Er packt zum Dienstschluss gegen vier, die Reste in Geschenkpapier.

Da tönt von fern ein Martinshorn,was Rotes nähert sich von vorn.

Der Weihnachtsmann trägt huckepack, nen Beutel als Geschenkesack.

He kleiner Arzt, hast du noch Sachen, die andren Menschen Freude machen?

Die Intensiv schnauft, piepst und schreit, doch der Arzt ist hilfsbereit. Die sechs Pakete Weihnachtsmann, ist alles was ich geben kann.

Rudolfs Nase zieht sich kraus, auf geht‘s zum nächsten Krankenhaus.  

Am Defi der Alarm noch brennt, der Akku blinkt – es ist Advent.

 

Dr. Motz wünscht allen ein frohes, besinnliches, erholsames und hoffentlich dienstfreies Weihnachtsfest und freut sich auf heftiges Weitermotzen im Neuen Jahr!

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