Dr. Motz macht sich Sorgen um sich selbst

Bei Dr. Motz nehmen die Feierabendbiere verdächtig zu. Ist das schon pathologisch?

 

 

„Na, noch auf ein Feierabendbier?“ – diese Frage seiner Kollegen beantwortet Dr. Motz gerne mit einem Ja. Zwar mag er eher fachübergreifende interdisziplinäre Feierabendtreffs, denn wer will schon mit den Leuten ein Bier trinken gehen, die einem sowieso den ganzen Tag auf die Nerven gehen, aber es gibt einfach zu viele Anlässe: Gemeinsam durchgestandene stressige Stunden im Schockraum mit gelungener Lebensrettung enden oft mit: „Komm, lass uns das begießen!“ Das Pokalhalbfinalspiel des Lieblingsvereines wird mit den Worten angekündigt: „Heute Abend um Acht in der Klause?“ Oder das unbändige Bedürfnis, sich sämtlichen Frust des Tages von der Seele zu reden: „Du, heute Abend, saufen? Mein Chef hat echt ein Rad ab!“

Dabei ist regelmäßiger Alkoholkonsum doch verpönt! Patienten, die sich nachts betrunken die Knochen brechen und notfallmäßig operiert werden müssen – niemand schimpft darüber mehr als Dr. Motz. Besoffene Schläger, die sich in der Notaufnahme lallend aggressiv weigern, ihre spritzende Kopfplatzwunde versorgen zu lassen und zu ihrem Wohl die Hilfe von fünf schwergewichtigen Polizisten im eigens angeforderten Mannschaftswagen in Anspruch nehmen müssen – der Alptraum jedes Diensthabenden. Der nervig unruhige Patient auf Station, der auf seine Entlassung drängelt – na klar, der braucht seinen Alkohol! Und hat er dann noch laborchemisch verdächtige Marker, wie eine leicht erhöhte yGT oder makrozytäre Erythrozyten, bekommt er (oder sie) sofort den Stempel „Alkoholiker“ verpasst.

Doch die übliche Narkoseaufklärungsbogenfrage: „Wie oft trinken Sie Alkohol – nie, selten, gelegentlich, täglich?“ müsste Dr. Motz ehrlicherweise derzeit mit "fast täglich" beantworten. Und das macht ihm Sorgen. Offenbar ist er mit diesem Problem jedoch nicht allein. Schon 2011 machte die Geschichte eines Chirurgen die Runde mit dem Zitat: „Als Chirurg muss man eben saufen, sonst schafft man seine Arbeit nicht.“ Auch das Fernsehen widmete sich wiederholt diesem Thema: Nano: "Operieren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss." Als Ursache angeführt werden die hohe Arbeitsbelastung, die große Verantwortung, der andauernde Stress.

Und C2 ist nicht die einzige Droge, die Ärzte sich selbst zum Stressabbau verschreiben. Als überdurchschnittlich suchtgefährdet gelten auch Anästhesisten. Für sie seien viele Mittel besonders einfach verfügbar, heißt es z.B. hier

Dr. Motz glaubt, dass Ärzte eine geringere Hemmschwelle haben, Medikamente zu nehmen. Während die Normalbevölkerung Beipackzettel studiert, werfen die Kollegen Pillen ein, um zu funktionieren. Das reicht von Muskelentspannungsmitteln, wenn der Nacken verspannt ist, aber dennoch der OP Betrieb weiter laufen muss, bis zu diversen Erkältungsmitteln bei dröhnendem Kopf, laufender Nase, kratzendem Hals und verschleimten Bronchien, schließlich muss ja irgendwer die Stationsvisite machen. Das in diesen Mitteln Benzodiazepine oder Morphinabkömmlinge wie Codein enthalten sind, würde Dr. Motz zwar vom Autofahren abhalten, aber nicht vom Arbeiten.

Erschrocken nimmt sich Dr. Motz vor, demnächst achtsamer zu sein. Und Apfelschorle wird irgendwann sicher ein total cooles, angesagtes Getränk werden. Vielleicht kann das Dr. Motz` Plan C werden: er wird Vertreiber eines neuen alkoholfreien Feierabendgetränkes für Ärzte. Apfel-BrauseSeltersLimoMatchaSmoothie-artig oder so :-) 

Schlagworte
Mein Studienort

44 Uni Städte:
Medizinstudenten berichten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 150 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete
Cookie-Einstellungen