• Glosse
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  • Dr. Motz
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  • 23.09.2016

Dr. Motz und der Gesundheitskunde

Im Jahr 2015 entdeckte Dr. Motz einen Artikel im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl 2015; 112(29-30): A-1280 / B-1072 / C-1044). Damals lachte er kurz und gehässig. Gestern blieb ihm das Lachen im Halse stecken. Denn der zum Gesundheitskunden avancierte Patient aus der Studie tauchte plötzlich leibhaftig in seinem Krankenhaus auf.


Futuristischer Ratgeber

Besagte Studie rät dem geneigten Doktor der Zukunft, aktiv auf seinen Gesundheitskunden zu zugehen. Ihn anzurufen, regelmäßig zu treffen und in den Mittelpunkt zu stellen. Zudem solle der Arzt „die verengte Sicht der Schulmedizin aufbrechen und nicht nur wissenschaftlich begründet und medizinisch fundiert“ handeln. Bedeutet dies nun Behandlung nach ökonomischen Aspekten und Therapie nach dem Wunsch des Kunden? Der Internet - aufgeklärte Patient der Gegenwart mit Vollkasko Reparaturanspruch will vor allem letzteres!

Der Gesundheitskunde

Heulend rennt plötzlich eine Assistenzärztin aus dem Patientenzimmer und in Dr. Motz hinein. Da er, Zynismus hin oder her, Frauen einfach nicht weinen sehen kann, kümmert er sich um das verstörte Wesen. Es kommt heraus, dass der Gesundheitskunde nach einem Fehlversuch beim Blutabnehmen weitere verweigerte. Und der jungen Ärztin an den Kopf warf, dass er „es gewohnt sei, mit Profis zu arbeiten und nicht mit Dilettanten!“

Mehr als nur Privatpatient

Als nächstes lässt sich die Verpflegungsassistentin empört schnaubend neben Dr. Motz auf die Bank im Aufenthaltsraum fallen. Der Gesundheitskunde hat ihr die Menükarte für Privatpatienten hinterhergeworfen und sich geweigert „sich von dem Fraß hier vergiften zu lassen“. Weder das Prosecco Frühstück mit französischem Croissant noch das rib eye Steak findet bei ihm Wohlgefallen. „Davon abgesehen, dass ich ihm sowieso eigentlich die Schonkostkarte hätte geben müssen!“ Im Verlauf des nächsten Tages werden regelmäßig Mitarbeiter diverser Lieferservices gesehen, die Sushi, Pizza und anderes Fast Food liefern.

Zauberei

Während sich Dr. Motz mittags postoperativ hungrig über kalte Pommes und eine fettige Currywurst hermacht, klingelt das Telefon des internistischen Kollegen nebenan. Besagter Gesundheitskunde bestehe auf eine sofortige Entlassung. „Er meint, dass wir unfähig sind! Wir haben doch glatt seinen Blutdruck, den er sich jahrelang durch fettes Essen und mangelnde Bewegung angezüchtet hat, im Verlauf der letzten 48 Stunden noch nicht normalisieren können!“ erklärte der Kollege seinen abrupten Aufbruch.

Optimale Lösung

Auf dem Weg zurück auf seine Station kommt Dr. Motz der Gesundheitskunde entgegen. Erkennbar an Budapester Loafern, Schmerbauch, der über den Bund der Boss-Jeans hängt, und Ralph Lauren Hemd samt Seidenschal. Hinterher wieselt ein beflissener Chief Assistant Manager mit dem Louis Vuitton Köfferchen. „He, Sie, wie komme ich hier raus?“ blafft der Gesundheitskunde. Dr. Motz schaut sich erst einmal um, ob wirklich er derartig unhöflich angesprochen wird. Dann antwortet er: „Indem sie das nächste Mal gar nicht erst den Notarzt rufen, wenn sie sich von uns sowieso nicht helfen lassen wollen!“

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