• Glosse
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  • Dr. Motz
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  • 04.11.2013

Dr. Motz und die Notaufnahme

Dr. Motz ist nicht gerade ein Fan der Notaufnahme. Und er wird es auch nie werden. Viel zu sehr nerven ihn Patienten, die wegen Bagatellen die Notaufnahme belagern. Meist lautet nämlich der Grundsatz: Je eiliger es ein Patient hat, einen Arzt zu sprechen, desto weniger akut ist sein Leiden.

 

Notfalltransport eines Patienen - Foto: T. Möller

Eine Patientin wird in die Notaufnahme gebracht - Foto: T. Möller

 

Manche Kollegen lieben sie, weil sie endlich mal selbstständig sein dürfen (Training für die eigene Praxis), manche setzen freiwillig keinen Fuß hinein, weil sie den Irrsinn dort nicht ertragen: Die Notaufnahme, Rettungsstelle oder wie die erste Akutanlaufstelle im Krankenhaus auch immer genannt werden mag. Wobei „akut“, „Notfall“ oder „Rettung“ in Patientenaugen sehr dehnbare Begriffe sind.

 

Ein Hauch von Nichts

In dieser Hinsicht erinnert Dr. Motz sich sofort an eine Patientin, die per Rettungswagen (!) mit einem durch ein Küchenhandtuch dick umwickelten Daumen zu ihm gebracht wurde. Die Frau hatte sich mit einem großen Fleischermesser den Finger nahezu amputiert und erzählte, dass die ganze Küche voller Blut gewesen sei. Auf das Schlimmste gefasst, brachte Dr. Motz die aufgeregte Frau in den Schockraum, legte einen Stapel sterile Kompressen zurecht, wies die Pflegekraft an, schon mal einen Zugang zu legen und begann das Handtuch abzuwickeln. Und dann sah er … nichts! Die Wunde war kaum zu sehen und die Blutung hatte längst gestoppt. Als ob er nichts besseres zu tun habe, welch Unverschämtheit!  

 

Vom Affen gebissen

Genauso hatte er nichts gesehen, aber mehr Spaß gehabt, als er eines Abends in die Notaufnahme gerufen wurde. Schon am Telefon bemerkte er, dass sich der Pfleger beherrschen musste, keinen Lachanfall zu bekommen. Er kündigte an, dass gerade ein Patient gekommen sei, der vom Affen gebissen wurde.

Der Mann hatte neugierig der Ankunft eines Zirkus zugeschaut, doch beim Versuch, den gerade aus seinem Transportkäfig entlassenen Affen zu streicheln, habe dieser zugebissen. Vielleicht. Also fast. Eine Wunde war jedenfalls nicht zu sehen. Aber Tollwut könne der ja schon haben, meinte der Patient.

Dr. Motz lies sich zu der Erklärung herab, dass es unwahrscheinlich sei, dass ein dressierter Zirkusaffe Tollwut habe und eine Übertragung ohne Verletzung unmöglich sei. Nein, auch nicht durch mögliche fliegende Speicheltropfen.

 

Lieblingspatienten

Dr. Motz hasst die Notaufnahme und ist froh, als Oberarzt dort nicht mehr an vorderster Front zu stehen. So entgeht er aggressiven Junkies, die als „hilflose Person“ von gutgläubigen Rettungssanitätern eingeliefert werden, dann wach und agil werden und nur mit der Hilfe von drei Mannschaftswagen Polizei zu bändigen sind. Ebenso muss er sein eigenes Ausflippen nicht mehr kontrollieren, wenn mitten in der Nacht ein Patient zu ihm sagt:

-        Ich habe seit sechs Monaten Rückenschmerzen und heute ist es besonders schlimm, aber meinen MRT-Termin habe ich erst morgen.

-        Ich habe mir gestern den kleinen Zeh angestoßen und jetzt ist er dick, aber ich konnte erst jetzt kommen, weil ich ja arbeiten musste.

-        Ich habe seit drei Monaten immer mal so Schmerzen im Knie, wenn ich mit den Kindern Trampolin springe. Aber mein Orthopäde hatte keinen Termin für mich und Sie sind ja eh wach.

 

Und die echten Notfälle?

Die echten Notfälle stellen sich brav hinten an und warten bis die ganzen Simulanten abgearbeitet wurden. Einmal nahm Dr. Motz an einem trubeligen Samstagsnachmittagsdienst zwischen chronischen. Rückenschmerzpatienten, Bagatelltraumen und den üblichen Dauerpatienten einen Mann wahr, der an der Anmeldung über Schulterschmerzen klagte und von der dortigen Schwester auf vier Stunden Wartezeit vertröstet wurde. Circa fünf Stunden später stand besagter Patient dann endlich im Sprechzimmer vor Dr. Motz. Und der blickte den Patienten an und erkannte durchs T-Shirt anhand des unregelmäßigen Schulterreliefs … eine Schulterluxation.

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