• Glosse
  • |
  • A. Goez, M. Ahrberg, S. Alvermann, S. Schelcher
  • |
  • 11.01.2013
  • Skelett mit Zigarette - Foto: ccvision

    Der Fluppenkaspar ist nie ohne Zigarette anzutreffen.

     

Der Fluppenkaspar

Was tun, wenn im Seminar der Sekundenschlaf droht? Gedichte schreiben! So verfassten vier Hannoveraner Medizinstudenten kurzerhand während des Moduls "Prävention" aus Spaß eine literarische Adaption des "Suppenkaspars".

 

Der Kaspar, der war kerngesund,
ein stattlich Bub von hundert Pfund.
Und seine Lunge, stets wohlauf,
trug ihn durch jeden Dauerlauf.

Doch des Nachts in finst’ren Gassen
Konnt‘ er die Finger dann nicht lassen
Von den teuflischen Produkten,
die neckisch aus der Schachtel guckten.

Am nächsten Tag, oh Weh und Ach,
wie ist des Kaspars Lunge schwach!
Den einst geliebten Morgenlauf
Gibt er nach zwei Minuten auf.
Mit gelb verfärbter Fingerkuppe
Greift er frustriert zur nächsten Fluppe.

Die Mutter leidet große Nöte,
befürchtet, dass die Sucht ihn töte.
Der Herr Papa, vor Wut ganz rot,
erteilt dem Bub ein Rauchverbot.

Doch der Kaspar sieht’s nicht ein
Und fängt lauthals an zu schrei’n:
„Ich geb dir meine Fluppe nicht!
Nein, meine Fluppe kriegst du nicht!“

Die Freundin sich dem Kaspar nähert,
doch ihr Wunsch bleibt ihr verwehrt,
weil des Kaspars Manneskraft
lange vor dem Ziel erschlafft.

„Mir ist heut nicht nach Fummeln, Puppe –
Reich mir lieber gleich die Fluppe!“
Die Freundin fängt zu zetern an,
weil er den Qualm nicht lassen kann:
„Du bist mir nicht nur viel zu schlapp,
auch dein Fötor törnt mich ab!“

Doch der Kaspar bleibt nicht stumm,
schon wieder schreit er laut herum:
„Ich geb dir meine Fluppe nicht!
Nein, meine Fluppe kriegst du nicht!“

Die Flimmerhärchen, schwach und krumm,
beginnen ihr Martyrium.
Ein Differenzierungsschritt schlägt fehl,
schon wird’s zum Plattenepithel.

Doch mit dem Rauch ist längst nicht Schluss,
da freut sich der Hämophilus!
Ein zäher Schleim von gelblich Glanz
Verschließt die Bronchien fast ganz!

Der Arzt erstrahlt: „Ich hab’s erkannt!
Ihnen fehlt’s an Surfactant!
Der einz’ge Weg zu überleben
Ist, die Noxe aufzugeben!“

Doch der Kaspar stellt sich stur
Und heiser schreit er wieder nur:
„Ich geb dir meine Fluppe nicht!
Nein, meine Fluppe kriegst du nicht!“

„Jetzt reicht’s mir aber!“ spricht die Zelle,
„dann teil ich mich halt auf die Schnelle!“

Und sie vollführt mit Euphorie
Die hohe Kunst der Neoplasie.
Bald schon bläst ihr ganzer Clan
Zum Sturm auf die Basalmembran.
An Pleomorphie und Infiltration
Erkennen wir das Karzinom!

Schnell tickt des Kaspars Lebensuhr,
jedoch von Einsicht keine Spur:
„Ich geb dir meine Fluppe nicht!
Nein, meine Fluppe kriegst du nicht!“

Das Siechtum zeichnet Kaspar schwer,
kachektisch-blass und voller Teer,
verfaulen tut sein Raucherbein,
und ob des Dufts bleibt er allein.
Der Flimmerhärchen Agonie
bewirkt des Kaspars Asphyxie.

Der Tumor wiegt ein halbes Lot,
schon kurz darauf ist Kaspar tot.
Noch mit dem letzten Atemhauch
Entweicht dem Schlund ein Kringel Rauch.

Und die Moral von der Geschicht‘:
Übe Nikotinverzicht!

Mein Studienort

44 Uni Städte:
Medizinstudenten berichten

Werde Lokalredakteur Die Unistädte auf Google Maps
Medizin im Ausland

Erfahrungsberichte und Tipps aus über 150 Ländern

Erfahrungsbericht schreiben Auslands-Infopakete
Cookie-Einstellungen