• Interview
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  • Kirstin Ludwig
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  • 21.03.2016

Gibt es Frühlingsgefühle wirklich?

Im Frühling erwärmt die Sonne das Gemüt, der Tatendrang steigt und man fühlt sich fröhlicher. Besser bekannt ist das Phänomen als "Frühlingsgefühle". Gibt es die wirklich oder sind sie nur ein Mythos? Wir haben Professor Weber, Mediensprecher der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und Leiter der Endokrinologie in Mainz gefragt.

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> Herr Professor Weber, sind Frühlingsgefühle ein Mythos?

Ich glaube, dass es Frühlingsgefühle wirklich gibt. Alles, was man spürt, ist erstmal eine echte Empfindung. Von daher gibt es die Frühlingsgefühle. Das kennt wahrscheinlich jeder: Wenn der Frühling beginnt, freuen wir uns auf einen neuen Aufbruch und entwickeln solche Frühlingsgefühle.

> Was sind die Ursachen für Frühlingsgefühle?

Frühlingsgefühle haben viele Ursachen. Zum Teil ist ein ein psychologisches Phänomen, das viele Ursachen hat. Natürlich ist es schön, wenn es draußen wieder wärmer wird und man sich wieder öfter draußen aufhalten kann, wieder körperlich aktiver sein kann, mehr an der frischen Luft. Das trägt sicherlich zur Besserung der Stimmung bei. Man freut sich auf den kommenden Sommer, auf die neue Jahreszeit. Es gibt sicher aber auch hormonelle Einflüsse, weil durch das länger werdende Tageslicht die Melatoninkonzentration wieder absinkt. Melatonin ist ein Hormon, das mit Schlaf und Ruhe assoziiert ist. Wenn der Spiegel also absinkt, ist man wieder aktiver. Auch die sogenannte Winterdepression geht im Frühling vorüber. Allerdings treten diese Gefühle nicht bei jedem auf. Es gibt sogar Menschen, die eine Frühlingsdepression haben.

> Gibt es Frühlingsgefühle nur in Gegenden mit Jahreszeiten?

Die klassischen Frühlingsgefühle gibt es wahrscheinlich nur in Regionen mit starken saisonalen Schwankungen und in denen es den Wechsel zwischen Sommer und Winter gibt. Je näher wir an den Äquator kommen, desto weniger sind die Unterschiede, was zum Beispiel auch die Lichteinstrahlung und die Tageslängen angeht. Deshalb wird es dort auch keine klassischen Frühlingsgefühle geben.

> Was sind die physiologischen Vorgänge im Körper?

Durch die längere Lichteinstrahlung wird weniger Melatonin produziert, dadurch ist man wieder aktiver. Das kann auch das Hormon Serotonin oder auch Dopamin ansteigen lassen, sodass mehr Aufbruchstimmung und insgesamt eine positivere Stimmung herrscht. Sicherlich spielen aber auch optische Reize und Geruchsreize eine wichtige Rolle. Wenn man draußen die ersten Sonnenstrahlen, die den Boden wieder erwärmen, förmlich riechen kann, dann wird das einfach Lust auf den kommenden Frühling und Sommer machen.

> Kann man Frühlingsgefühle künstlich erzeugen?

Das ist schwierig zu sagen. Aber diese Hormone werden als Medikamente eingesetzt, um Depressionen zu behandeln. Licht wird genutzt, um die Winterdepression zu bekämpfen. Da gibt es also durchaus Ansätze, dass man sich diese Phänomene zu nutze macht.

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