• Interview
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  • Dr. med. Kurt Moosburger
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  • 08.12.2014

Wie giftig sind Vitamine?

Vitaminpräparate haben den Ruf, harmlose „gesunde“ Medikamente zu sein, die hoffentlich die Abwehrkräfte stärken und im schlechtesten Fall wirkungslos sind. Geht die Rechnung auf? Oder können Vitaminen auch gefährlich sein? Wir fragten Dr. Kurt Moosburger, Facharzt für Innere Medizin,Sport- und Ernährungsmedizin aus Hall in Tirol.

Dr. med. Kurt Moosburger

Können Vitamine in Tablettenform auch schädlich sein?

Ja. Mit den herkömmlichen Vitaminpräparaten kann man sich zwar kaum vergiften. Trotzdem sollte man vorsichtig sein. Kopenhagener Forscher haben in Metastudien, den sogenannten ACE-Studien*, nachgewiesen, dass die regelmäßige Einnahme von antioxidativen Vitaminen die Mortalität erhöht. Zudem weiß man aus anderen Studien, dass Raucher keine hoch dosierten β-Carotin Präparate einnehmen sollten, da sie das Risiko für Lungenkrebs stark erhöhen können.

 

Das lässt sich dadurch erklären, dass in unserem Körper ständig Redox-Prozesse ablaufen, bei denen freie Radikale entstehen. Diese Moleküle sind zwar potenziell toxisch. Sie haben
aber auch sinnvolle Aufgaben wie zum Beispiel, Krebszellen anzugreifen und abzutöten. Wenn man durch eine unnötige Vitamineinnahme die Radikale eliminiert, kann man somit indirekt die Krebsentstehung fördern. Generell gilt: Finger weg von hoch dosierten Vitamin-Präparaten! Um überschüssige freie Radikale abzufangen, haben wir körpereigene Enzyme.

 

Braucht unser Körper bei Belastung Vitaminsupplemente?

Nein. Ich rate selbst sportlichen Menschen von der Einnahme von Vitaminpräparaten ab. Wenn man sich stattdessen mit einer vernünftigen Mischkost ernährt, holt sich der Körper alle Stoffe heraus, die er braucht. Der Vitaminbedarf steigt nicht überproportional zum Energiebedarf an. Wenn ich mehr Sport mache und dadurch mehr esse, nehme ich auch automatisch mehr Vitamine zu mir. Die Einnahme von antioxidativen Vitaminpräparaten kann sogar den Trainingseffekt beeinträchtigen.

 

Wie sieht das bei kranken Menschen aus?

In einigen Fällen von chronischer Polyarthritis verabreichen manche Ärzte Vitamin E und C, eventuell auch Selen. Dies kann möglicherweise helfen, Gelenkschmerzen zu verringern. Allerdings gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege oder gar Empfehlungen. Gleiches gilt für die Applikation von Vitamin E bei Arteriosklerose, einem Raucherbein oder bei Diabetikern mit Gefäßverschluss. Dafür, dass das was bringt, gibt es keine Beweise.

 

Wann kann ein Vitaminmangel auftreten und wie äußert er sich?

Alkoholiker können aufgrund der einseitigen Ernährung z. B. einen Vitamin-B12-Mangel entwickeln, der sich im Bild der perniziösen Anämie manifestiert. Solche Menschen leiden dann aufgrund einer Nervenschädigung unter anderem an der für Alkoholiker typischen Gangunsicherheit und Polyneuropathie. Menschen mit chronischen gastro-intestinalen Erkrankungen können ebenfalls Vitaminmängel entwickeln, da sie die Nahrung nicht richtig verdauen können.

 

Auch wenn man sich sehr einseitig ernährt, z. B. von sehr viel Fleisch und nur wenige Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Nudeln oder Brot und zu wenig Obst und Gemüse zu sich nimmt, kann ein
Vitaminmangel entstehen. Ein gesunder Organismus, der vernünftig ernährt wird, entwickelt in der Regel aber keinen Mangel!

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