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  • Luise Eberlein
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  • 20.03.2020

Die Liebe und das Medizinstudium

Luise lebt seit 4 Jahren in einer Fernbeziehung mit ihrem Freund. Wie sie das Medizinstudium und die Liebe vereinbart, erzählt sie hier.

 

Das mit der Liebe während des Studiums ist so eine Sache. Viele Studierende haben schon Zweifel, ob sie neben dem vielen Lernen überhaupt Zeit haben, einen Partner zu finden oder eine Beziehung zu führen. Zu ersterem kann ich euch beruhigen, zumindest die Partnersuche ist kein Problem, das Medizinstudium ist die reinste Partnerbörse, wenn ich meine Kommilitonen so beobachte. Eine Beziehung oder gar Fernbeziehung zu führen, ist dagegen gar nicht so leicht.

Ich lebe seit Beginn meines Studiums in einer Fernbeziehung mit meinem Freund, mit dem ich nun fast vier Jahre zusammen bin. Wie wir es bis hierhin geschafft haben und was dabei für Probleme auftreten können, möchte ich euch erzählen.
Bis zu meinem Studienbeginn lebten mein Freund und ich in derselben Stadt und konnten uns fast jeden Tag sehen. Mit dem Beginn meines Studiums änderte sich das schlagartig, als uns plötzlich mehr als 500 km voneinander trennten. Seit einem halben Jahr studiert mein Freund nun in einer schönen Stadt im Süden von Deutschland, sodass uns nun nur noch knapp 200 km voneinander trennen. Sicherlich ist dies keine allzu große Entfernung, allerdings bei einem Dualen Studium und einem Medizinstudium trotzdem eine große Herausforderung.
Mit dem Umzug meines Freundes hatten wir nicht mehr die Freiheit, dass er mich lange besuchen konnte, sondern nahmen uns vor, dass wir uns nun abwechselnd alle zwei Wochen gegenseitig besuchen würden. Spätestens in der Prüfungsphase mussten wir dies allerdings realistisch sehen und so wurden aus 2 Wochen auch ganz schnell 4 Wochen und mehr. Solche langen Phasen sind für mich sehr frustrierend.
Um damit klar zu kommen schreiben wir uns jeden Tag, auch wenn wir uns nur gegenseitig Instagramposts zu schicken. Hinzu kommen viele Telefonate, die auch mal 2-3 Stunden dauern und in denen wir uns am Ende nur noch belanglose Dinge erzählen, darüber etwa, wie Blau der Himmel heute ist. Beenden will das Telefonat meistens nämlich keiner.  Denn diese Telefonate sind etwas Besonderes, wie eine Art Date.
Wenn wir uns nicht sehen, geht natürlich auch jeder von uns ganz normal mit seinen Freunden feiern oder anderen Freizeitbeschäftigungen nach. Keinem von uns beiden bringt es etwas, zuhause zu sitzen und darauf zu warten, dass der andere sich meldet oder während einer Party nur auf das Handy zu schauen. Dadurch können wir auch nicht mehr beieinander sein und verpassen sonst vielleicht schöne Momente mit Freunden.
Dazu gehört am Ende natürlich auch Vertrauen in den Partner. Wie in jeder anderen Beziehung ist es auch bei uns wichtig, dass wir uns gegenseitig vertrauen. Dies hilft auch generell, die Beziehung nicht ständig anzuzweifeln. Vor 1 ½ Jahren hatte ich vor diesem Schritt, den anderen so selten zu sehen, auch sehr viel Panik. Letztendlich blieb aber damals keine andere Wahl und ich lernte damit umzugehen und in den kleinen Gesten zu sehen, dass es egal ist, ob man sich jeden Tag sieht oder nicht - solange man sich gegenseitig Vertrauen kann.

Mein letzter Tipp für eine gelungene Fernbeziehung (und wie immer in Beziehungen generell): eine gute Kommunikation! Leute redet miteinander! Auch wenn es noch so schwer fällt. Solltet ihr Medizin in Gießen studieren, könnt ihr das spätestens nach dem Blockkurs in Psychologie definitiv. An alle anderen: wiederholt das 4 Ohren Modell, überdenkt eure eigenen Botschaften und  seid lieb bei euren Kritiken am Partner.
Am Ende eines jeden Tages schreibe ich meinem Freund eine Gute Nacht Nachricht, meistens kommt dann direkt eine „Schlaf schön“ Nachricht zurück. Wenn nicht, weiß ich, dass er gerade etwas anderes zu tun hat für die Uni oder er ist einfach vor lauter Anstrengung schon eingeschlafen. Trotzdem kann ich darauf vertrauen, dass er mich liebt und wir bald wieder 48 Stunden Zeit miteinander genießen können. Durch unsere Fernbeziehung weiß ich einfach, dass die gemeinsame Zeit zu kurz ist, um miteinander zu streiten oder unsere Liebe gar anzuzweifeln.

PS: Die aktuelle Situation durch das Corona-Virus hat tatsächlich gar keinen Einfluss gehabt auf unsere Fernbeziehung. Aufgrund meines Praktikums und der Prüfungsphase meines Freundes hatte es sich leider ergeben, dass wir uns erst nach Ostern wieder gesehen hätten. Da mein Freund allerdings recht früh von der Uni frei gestellt wurde, hatten wir beschlossen die Zeit gemeinsam zu verbringen in meiner Uni-Stadt. Also leben wir zurzeit das absolute Gegenteil einer Fernbeziehung.

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