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  • 14.09.2018

Die Notwendigkeit sozialer Kontakte im Medizinstudium

Das Medizinstudium ist hart, umso wichtiger sind Freunde und Familie, die einen auch in schlechten Zeiten unterstützen und aufbauen.

 

Medizinstudierende lernen oft mehr als Studierende anderer Fächer. Sie schreiben schwerere, härtere Prüfungen und können sich kaum lernfreie Tage leisten. Studien zeigen, dass dies auch zu einer der höchsten Burnout und Depressionsraten unter den Studierenden führt (siehe auch hier). Umso wichtiger ist ein Sozialleben neben der Uni, um mit Tiefen umzugehen. Warum, erzähle ich euch jetzt.

Ich bin im zweiten Jahr meines Medizinstudiums, einem der Wohl härtesten Jahre an meiner Uni. Wir haben gerade Themen wie Pathologie, Pharmakologie und Pathophysiologie, die sehr umfangreich im Stoff und zeitaufwendig im Lernen sind. Die Prüfungen in diesen Fächern gehören zu den schwierigsten des gesamten Studiums.
Die Angst steht meinen Kommilitonen und mir bereits ins Gesicht geschrieben, als in den Vorlesungen die Durchfallquoten genannt werden. Jeder von uns weiß, dass dies wohl das härteste Semester des Studiums für uns wird und dass einige von uns die Prüfungen wiederholen werden müssen. Wenn der Vortragende sagt, dass es sinnvoller ist zu Hause zu lernen als in der Vorlesung zu sitzen, da sonst zu viel potentielle Lernzeit verloren geht, dann weist du wie es um dein Wohlbefinden und dein Sozialleben steht.
Manche meiner Kommilitonen stürzen sich sofort aufs Lernen, andere gönnen sich erst einmal einen Kaffee. Ich bin mir noch nicht sicher zu welcher Sorte von Studierenden ich gehöre, denn ich weiß im Moment noch nicht einmal wie und wo ich beginnen soll. Wie soll ich solche Wissensmassen in meinem Gehirn unterbringen?
Nach ein paar Tagen ist es auch mir gelungen, mich zum Lernen zu überwinden. Kontakt zur Außenwelt halte ich kaum mehr, mein Freund, mit dem es schon seit geraumer Zeit schlecht läuft, bekommt das nun umso mehr zu spüren. Eigentlich will ich mich von ihm trennen, nur wäre dieses Semester nicht der absolut schlechteste Zeitpunkt dafür? Darf ich das anhand eines schlechten Zeitpunktes auswählen? Diese Gedanken belasten mich zusätzlich zu dem enormen Lernaufwand, den ich vor mir habe. Meine Freundinnen werden zu Bekannten, da keine Zeit mehr für sie bleibt. Ich verbringe jeden Tag hinter meinem Bücherhaufen. Habe keine Zeit mehr für ein Sozialleben, mich mit Freunden zu treffen, geschweige denn eine Folge meiner Lieblingsserie zu sehen.

Es kommt wie es kommen muss, getrennt von meinem jahrelangen Freund, bestreite ich nun wirklich völlig alleine den Weg zu meiner Prüfung. Ich habe kaum noch jemanden der hinter mir steht und mich aufbaut, da ich mich von allen anderen inklusive meiner Familie völlig abgeschottet habe, um für die Prüfung zu lernen. Abende an denen ich weine, hoffe und bete, dass ich die Prüfung doch wohl schaffen werde, werden zum Alltag. Niemand der mir den Rücken stärkt ist nun mehr da.

Es sind noch zwei Wochen bis zur Prüfung. In leicht depressiver Stimmung erhalte ich einen Anruf eines meiner Familienmitglieder, die mich für einen Ausgeh-Abend gewinnen möchte. Ich sage ihr, dass ich es mir überlegen werde.
Am darauffolgenden Tag wird an meiner Uni ein Seminar abgehalten, indem uns die Vortragende über die Wichtigkeit sozialer Kontakte aufklärt. „Achtet auf euch, habt euren eigenen emotionalen Mistkübel, der für euch da ist, wenn ihr jemanden zum Reden benötigt!“ sind Worte, die mich in diesem Seminar doch ein wenig berührt haben.

Irgendwie hat sie Recht. Es muss ja etwas Wahres dran sein. Folglich willige ich meiner Verwandten ein, einen gemeinsamen Abend zu verbringen.
Überraschenderweise habe ich richtig Spaß, auch wenn ich weiß, dass ich morgen wieder lernen muss. Ich gönne mir sogar zwei, drei Getränke. Seit Ewigkeiten verspüre ich so etwas wie Spaß und lerne sogar neue Leute kennen. Personen, die ähnliche Interessen pflegen.

Zu Hause angekommen wird mir klar, dass ich mich nicht mehr nur auf die Bücher konzentrieren darf, sondern auch manchmal Spaß haben muss. Das Lernen fällt mir nächsten Tag um einiges leichter, denn ich weiß nun, dass ich mich schon wieder auf eine Lernpause außerhalb der Bibliothek freuen kann. Die Depression, die Einsamkeit, all diese Gefühle sind Verflogen. Die neuen Bekanntschaften haben sich bereits gemeldet und würden sich ebenso über ein Treffen freuen. Mir geht es wieder gut.

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen: Gönnt euch Pausen, gebt euch Zeit euren Hobbys und Interessen nachzugehen und vernachlässigt euer soziales Umfeld nicht zu sehr. Ihr benötigt emotionale Stützen, gerade in Zeiten, wenn die Decke auf den Kopf zu fallen droht. Was bringen euch perfekte Noten, wenn die eigenen Gesundheit darunter leidet?

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