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  • Christina Liebermann
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  • 19.12.2016

Heal the world - Medizinstudenten weltweit

Wovon träumen Medizinstudenten weltweit? Wir haben sechs Kommilitonen aus sehr verschiedenen Regionen der Welt zu ihren Wünschen und Plänen befragt.

 

Was haben Medizin und Esperanto gemein? Esperanto ist eine Sprache, die als neutrales, leicht erlern­bares Verständigungsmittel für die weltweite Kommunikation entwickelt wurde. Medizin funktioniert ganz ähnlich. Denn der Mensch als ärztliches „ Arbeitsobjekt“ ist grundsätzlich überall gleich. Und Wörter wie „Vertebra“ oder „Clavicula“ sind jedem Arzt auf dem Globus geläufig.

 

Trotzdem gibt es auch große Unterschiede. Das beginnt bei der Infrastruktur: So gibt es mittlerweile zwar weltweit insgesamt 2.409 medizinische Ausbildungsstätten, an denen Medizinstudenten ihren Weg zum weißen Kittel gehen – doch die Dichte ist sehr ungleich verteilt. Die meisten Medizin-Hochschulen gibt es in Indien (225), gefolgt von den USA (153). In Afrika dagegen haben viele Länder nur eine einzige medizinische Fakultät. Das wirkt sich natürlich auf die Versorgung aus: In Äthiopien kam z. B. noch vor wenigen Jahren nur ein Arzt auf 100.000 Einwohner (in Deutschland: 373 Ärzte/100.000). Infolgedessen bekommen 85% der Äthiopier in ländlichen Gegenden in ihrem ganzen Leben keinen Arzt zu sehen. Um gegenzusteuern, hat der äthiopische Staat 2012 mit der Eröffnung von 13 „medical schools“ rea­giert. Doch deren Ausstattung ist mager: Im Präpkurs müssen sich 30 ­Studenten eine Leiche teilen. Räume fehlen. Die Lehrkräfte sind rar.

 

Auch die gesundheitlichen Probleme, mit denen Ärzte zu tun haben, unterscheiden sich je nach Weltregion. Während in Deutschland Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Rückenschmerzen im Mittelpunkt stehen, kämpfen Ärzte in Afrika häufig mit ­Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder HIV. Kata­strophen wie die Ebola-Epidemie in Westafrika sind in Europa schwer vorstellbar. Kein Wunder, dass ein Land wie Sierre Leone mit 46 Jahren die weltweit niedrigste Lebenserwartung hat. Zum Vergleich: In Japan sind es 84 Jahre.

 

Vielerorts müssen Medizinstudenten in einem Umfeld aus Krieg und Gewalt ihren Beruf erlernen – zum Teil ohne Perspektive, dass sich irgendwann etwas ändert. Der Nahostkonflikt in Palästina dauert z. B. schon länger als ein Menschenleben. Hinzu kommen soziale Probleme. Nicht überall ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau so fortgeschritten wie bei uns. Im Iran sollen z. B. die Studienplätze für Frauen nun gekürzt werden, weil ihr Anteil von 70% an den medizinischen Hochschulen laut Vizeminister Amir Hussein Siaei zu hoch sei.

 

Ein Problem, das nicht nur arme Länder betrifft, ist, dass ein Medizinstudium vielerorts nur Wohlhabenden möglich ist. In den USA fallen pro Jahr 30.000 Euro Studiengebühren an. Die ­Eliteuniversität Stanford kassiert sogar 40.000 Euro pro Jahr. Viele europäische Länder wie Deutschland oder Schweden erheben keine Gebühren, dafür gelten andere Schranken, wie harte Zulassungskriterien. Der aktuelle Numerus Clausus in Deutschland liegt z. B. bei 1,0–1,2. In Frankreich gibt es keine Beschränkung. Dort kommen dafür auf 100 Plätze 800 Studierende, die dann durch harte Prüfungen ausgesiebt ­werden. So unterschiedlich wie die Aufnahmeregelungen ist auch der Klinikalltag: In Stanford beginnt er während des Studiums um 3.00 Uhr morgens und endet um ca. 19.00 Uhr. Deutsche PJler können bis ca. 6.00 Uhr „ausschlafen“ und sind meist am späten Nachmittag zuhause.

 

Zusammengehalten wird dieser Flicken­teppich durch die 1951 ins Leben gerufene ­„International Federation of Medical Students’ Associations“ (IFMSA). Ihre Vision ist, dass ­Medizinstudenten auf der ganzen Welt vernetzt sind und für die globale Gesundheit an einem Strang ziehen. Mit 1,2 Mio. Mitgliedern in 110 Ländern bietet diese internationale Vereinigung eine Plattform für den weltweiten Austausch unter Medizinstudenten. Wir haben einige ­Kommilitonen, die sich beim IFMSA engagieren und an den ­unterschiedlichsten Flecken der Erde studieren, zu ihren Träumen und Hoffnungen für die Zukunft befragt. Ihre Antwort zeigt, was alle Medizinstudenten weltweit – trotz vieler ­Unterschiede ­vereint. Frei nach Michael Jackson: „Heal the world – make it a better place“.

 

 

 

Faheem, Südafrika

Ich komme aus Johannesburg, Südafrika, und studiere Medizin im vierten Jahr an der University of the Witwatersrand Medical School, gemeinhin als "Wits" bekannt. Viele andere studieren Medizin hauptsächlich, weil es ihre Leidenschaft ist, Menschen zu helfen. Mir gefällt dagegen die dynamische Natur des Berufs, die ständig wechselnden Bedingungen und das Gefühl, dass der Beruf meinem Leben einen Sinn gibt. In Südafrika sind die Möglichkeiten zur Spezialisierung unglaublich vielfältig. Ich denke, meine angestrebte Fachrichtung wird sich im Laufe des Studiums Schritt für Schritt herauskristallisieren. Zur Zeit interessiere ich mich am meisten für Notfallmedizin, besonders die Behandlung von Herznotfälllen finde ich faszinierend. Für einen zukünftigen südafrikanischen Arzt gibt es eine Menge Arbeit zu erledigen. Wenn ich einen spürbar positiven Einfluss auf die Gesundheitsversorgung nehmen kann, erachte ich meine Karriere als erfolgreich. Ich freue ich mich besonders auf das differentialdiagnostische Denken in Verbindung mit dem Anspruch, auch in ernsten Situationen die richtige Entscheidung für den Patienten zu treffen.

 

Die größte Sorge in Südafrika ist das Ungleichgewicht zwischen Bedarf und Ressourcen. Armut ist weit verbreitet, so dass es im Bereich der öffentlichen Gesundheit große Herausforderungen gibt. HIV und Tuberkulose sind die größten Probleme, zusammen mit vielen anderen Krankheiten. Trotz dieser düsteren Aussichten, gibt es immer Hoffnung hier. Wir sind ein wachsendes Land mit einer vielversprechenden Zukunft, einer lebendigen und bunten Bevölkerung, einer stabilen Wirtschaftslage, malerischen Gegenden und einer Menge Optimismus. Unsere größte Hürde wird es sein, die richtige Richtung einzuschlagen, um Armut und Gesundheitsrisiken langfristig anzugehen. Aber ich bin mir sicher, wir werden einen Weg finden.

 

 

 

 

Karla, El Salvador

Ich komme aus El Salvador und studiere im 7. Jahr an der Universidad de Evangélica. Ich bin in einem medizinischen Umfeld aufgewachsen. Mein Vater und auch einige meiner Tanten und Onkel sind Ärzte. Die Praxis meines Vaters ist in unserem Haus. So hatte ich häufig die Gelegenheit, meinem Vater bei seiner Arbeit zuzusehen. Wegen ihm habe ich beschlossen, Medizin zu studieren. Ich will den Menschen genauso helfen wie er es tut. Er war und ist eine meiner größten Inspirationen. Mein Wunsch ist, ein Arzt werden, der nicht nur die Krankheit, sondern den Menschen als Ganzes sieht. Ich möchte den Patienten helfen, dass sie nicht nur ihre Krankheit überwinden, sondern eine echte Balance zwischen Körper, Seele und Geist finden, da ich überzeigt bin, dass sie eine Einheit bilden. Am liebsten möchte ich Kinderärztin werden. Ich liebe Kinder! Man weiß nie, was einen erwartet und sie sind lustige kleine Persönlichkeiten. Mit ihnen wird es nie langweilig.

 

Leider bereitet das Gesundheitssystem hier eine Menge Ärger. Es gibt nicht genug Medikamente, die Ausrüstung der Krankenhäuser ist oft mangelhaft und es gibt sehr wenig Gesundheitspersonal für die große Nachfrage. Das schlimmste Problem, das wir haben, ist nach wie vor die hohe Kriminalität. Für mich ist das Schlimmste definitiv das Gefühl der Machtlosigkeit, wenn man aufgrund der Mängel im System nicht in der Lage ist, den Patienten zu helfen. Momentan kämpfen wir mit einer Epidemie von zwei Viruserkrankungen, die durch eine Mücke übertragen werden: Chikungunya-und Dengue-Fieber.

 

Trotzdem liebe ich mein Land! Abgesehen von allen Sorgen, ist es ein großartiger Ort zum leben. Die Chancen zur Weiterentwicklung sind gegeben, man muss nur nach ihnen suchen. Glücklicherweise finanzieren meine Eltern mir das Studium zu 100%. Zu Beginn seiner Tätigkeit verdient ein Assistenzarzt bei uns $ 400-800. Das Studium hier dauert 8 Jahre. Die Zulassungsverfahren sind abhängig von der Universität. An der Nationalen Universität muss man eine Aufnahmeprüfung ablegen, an privaten Unis reicht es, sich einzuschreiben und zu zahlen. Das gute an meiner Uni ist, dass wir hier direkt in die Patientenversorgung involviert sind. Wir dürfen Patienten untersuchen und einfache Verfahren unter Aufsicht selbst durchführen. Im Laufe der Zeit habe ich viele tolle Erfahrungen gemacht, am schönsten ist immer die Dankbarkeit der Patienten.

 

 

 

 

Kasun, Sri Lanka

Ich studiere im dritten Jahr an der Universität Ruhunu in Sri Lanka. Medizin ist meine Leidenschaft und deshalb ist es mein Traum, Arzt zu werden, am liebsten Kardiologe. Nach dem Studium möchte ich gerne einige Jahre in meinem Land arbeiten und dann vielleicht auswandern. Aber ich denke, spätestens nach 5 Jahre werde ich zurückkehren und mich in einer ländlichen Gegend mit einer eigenen Praxis niederlassen. Das Schlimmste in meinem Leben als Medizinstudent ist die Angst, keine ausreichenden Noten zu erzielen. Einmal musste ich eine Prüfung wiederholen, obwohl ich sehr viel dafür gelernt hatte. Außerdem sind Medizinbücher sehr teuer und in den Bibliotheken nicht so leicht zu bekommen.

 

Aber ich bin nicht unzufrieden. Ich habe mich für ein Leben als Arzt entschieden und wusste, dass es harte Arbeit bedeuten würde. Wenn ich die Erfüllung in den Augen der Ärzte sehe, nach einer gelungenen Operation und jedesmal, wenn ein Mensch geheilt wurde, weiß ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.
Natürlich lebe ich gerne in meinem Land. Die Menschen bringen uns Ärzten hier sehr viel Anerkennung und Respekt entgegen. Manche verhalten sich uns gegenüber fast als seien wir Götter, weil wir Leben retten können. Schlecht an unserem Land finde ich, dass es sehr schwer ist, einen Platz an einer medizinischen Universität zu ergattern. Mehr als 100.000 Studenten legen die Eintrittsprüfung ab, aber nur 400 bis 600 werden zugelassen. Man muss immer der Beste sein. In Sri Lanka gibt es ein System, genannt „Z-Score“. Wenn nur ein einziger Punkt fehlt, wird man nicht zum Medizinstudium zugelassen und muss auf Biowissenschaften oder ähnliches umsteigen.

 

Leider gibt es nicht genug Ressourcen, um mehreren jungen Menschen ein Studium zu ermöglichen. Auf der anderen Seite müssen wir für die Uni nichts zahlen, was ich als großes Glück empfinde, denn schließlich leben wir in einem sehr armen Land. Ein frischgebackener Arzt verdient hier im ersten Jahr 40.000 LKR (entspricht 237 Euro). Im nächsten Jahr erhöht sich das Gehalt auf 100.000 LKR (592 Euro). Als Oberarzt verdient man dann bis zu 200.000 LKR (1185 Euro) pro Monat. Mit zunehmender Erfahrung des Arztes steigt auch sein jährliches Gehalt.

 

 

 

 

Lindile, Südafrika

Ich bin eine internationale Studentin, ursprünglich aus Simbabwe und studiere im vierten Jahr Medizin an der Universität von Witwatersrand. Ärztin war schon immer der Beruf, der meine Liebe zur Wissenschaft und meine Leidenschaft für die Menschen am besten vereinbart. Ich habe nicht nur einmal beschlossen, Medizin zu studieren, ich entscheide mich täglich aufs Neue dafür, näher an die Erfüllung meines Traumes zu rücken. Leid zu lindern und dafür all das Wissen und die verfügbaren Technologien einzusetzen, um die Gesundheit des Einzelnen wiederherzustellen und zu erhalten, finde ich inspirierend. Dabei möchte ich den Menschen mit Respekt und Freundlichkeit begegnen. Ich will vor allem eine einfühlsame Ärztin werden, eine ausgezeichnete, erfahrene, kompetente Ärztin, die immer bescheiden und lernwillig bleibt. Die Art von Arzt, die in der Qualität hochwertige Gesundheitsdienstleistungen erbringt, die allen Menschen gebührt.

 

Ich hoffe, mich in einem Spezialgebiet niederlassen zu können, wahrscheinlich Pädiatrie, und wirklich gut in der Behandlung von Kindern zu sein. Ich hoffe, dass nichts auf meinem Weg meine Begeisterung dämpft, weder die vielen Überstunden, noch die vielen Patienten oder der Konkurrenzkampf. Ich kann es kaum erwarten, chirurgisch tätig zu werden und mit den hervorragenden Ärzten, die ich bewundere, zusammenzuarbeiten. Meine größte Sorge ist, ob ich in der Lage sein werde, trotz dieser sehr anspruchsvollen Karriere ein ausgeglichenes Leben führen zu können. Viele Ärzte sind müde und ausgebrannt, dennoch denke ich, dass ich es mit zunehmender Erfahrung schaffen kann.

 

Ich mag das Leben in Südafrika. Es gibt unzählige Experten in allen Bereichen, auch im Gesundheitswesen. Dieses Land steht und stand an der Spitze des medizinischen Fortschritts in Afrika. Es repräsentiert unseren Kontinent auf der Bühne der Welt. Ich sehe ein großes Potenzial für die Zukunft, aber das bedeutet, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit die richtigen Führungspositionen besetzen müssen. Es gibt riesige Unterschiede zwischen privatem und öffentlichem Gesundheitswesen auf diversen Ebenen, und ich hoffe, dass diese in naher Zukunft behoben werden. Ich bin dankbar für eine Vielzahl an Erfahrungen, die ich während meines Medizinstudiums sammeln durfte.

 

Niemals werde ich einen Patienten von der Orthopädiestation vergessen. Er hatte während der Arbeit in einer Fabrik einen Bandscheibenvorfall erlitten. Was mich am meisten beeindruckte war, dass er seinen Zustand selbst erkannte. Er wusste genau, was passiert war und warum er Schmerzen hatte. An dem Tag war er derjenige, der uns lehrte. Jeder Patient sollte ein gewisses Grundverständnis zum Thema Gesundheit haben. Es ist die Aufgabe der Mitarbeiter im öffentlichen Gesundheitswesen, dieses Bewusstsein zu vermitteln. Die häufigsten Krankheiten in diesem Land sind durch den Lebensstil verursachte chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck, aber auch HIV und damit assoziierte Krankheiten wie Tuberkulose. Viele Patienten kommen außerdem wegen eines Traumas durch Gewalt oder Verkehrsunfälle im Krankenhaus.

 

 

 

 

Majdoleen, Palästina

Ich komme aus Palästina und lebe in einem Dorf, zehn Minuten von Jerusalem entfernt. Obwohl ich dort geboren wurde, ist mir und vielen anderen aus meinem Dorf das Betreten Jerusalems von der israelischen Besatzung verboten, sofern man nicht eine spezielle Erlaubnis hat, die aber nur in seltenen Fällen erteilt wird. Ich studiere Medizin an der Al-Quds-Universität und werde 2017 meinen Abschluss machen. Jetzt bin ich im ersten klinischen Semester des vierten Jahres. Das Medizinstudium dauert hier sechs Jahre, drei theoretische und drei praktische Jahre Ausbildung. Jedes Jahr hat drei Semester. Ich habe immer von Medizin geträumt. Wenn ich sehe, wie die Menschen in meinem Land aufgrund der Kriege Schmerzen leiden, möchte ich nichts anderes als helfen. Die Menschen hier behandeln Ärzte wie Familienmitglieder, denen man alles anvertrauen kann. In den nächsten drei Jahren werde ich darüber nachdenken, welche Art von Arzt in meiner Gemeinde gebraucht wird und welche Spezialisierung mir gefallen könnte. Ich will als Ärztin etwas bewirken – medizinisch, aber auch für die Gesellschaft, mit viel Fachwissen im Kopf und Barmherzigkeit im Herzen.

 

Ich wünsche mir, in anderen Ländern mehr über Medizin zu lernen und dieses Wissen zurück in mein Land zu bringen. Ich hoffe, eine Ärztin zu werden, in deren Hände Menschen vertrauensvoll ihr Leben legen. Gerne würde ich in einem Westbank-Krankenhaus arbeiten – aber – aber es sollte eine Klinik sein mit einem Standard, der in entwickelten Ländern üblich ist. Und ich wünsche mir in einem Umfeld zu arbeiten ohne von einer Besatzungsmacht aufgebaute Grenzen und Barrieren. Für meine Zukunft hoffe ich, meinen Eltern durch meine Arbeit ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie arbeiten sehr hart, um mein Studium zu finanzieren und setzen all ihre Hoffnungen und Träume in mich, um meinen zu verwirklichen. Verglichen mit anderen Jobs haben Ärzte hier ein hohes Einkommen, im Vergleich zu anderen Ländern nicht. Es gibt große Unterschiede zwischen dem Verdienst eines Arztes an einem Westbank-Krankenhaus und dem an einem israelischen.

 

Allgemein ist die finanzielle Lage Palästinas sehr schlecht. Ein Semester kostet 2000 -3000 $. Das ist eine ganze Menge, wenn man beachtet, dass das Einkommen der meisten Familien hier bei 500-1500 $ im Monat liegt und das Leben in Palästina allgemein nicht gerade billig ist. Leider haben wir nur wenige gute Lehrkrankenhäuser. Deshalb müssen wir auf Krankenhäuser in Jerusalem ausweichen, für die wir aber eine Genehmigung der israelischen Regierung brauchen. Die wiederum erhalten nicht alle. Man braucht also eine Menge Zeit, Geld und Aufwand, um ein Krankenhaus zu finden, das über die Ausstattung und Möglichkeiten für unsere Ausbildung verfügt. Wenn man beschließt, Medizin zu studieren, entscheidet man auch, einen großen Teil seines Lebens für das Studium und die Arbeit aufzugeben. Medizin studieren bedeutet lebenslänglich Lernen, aber das ist es wert. Jedes Menschenleben verdient die größtmögliche Anstrengung.

 

 

 

 

Muffakham, China

Ursprünglich stamme ich aus Indien. Meine Familie lebt in den Vereinigten Staaten. Medizin studiere ich aber paradoxerweise an der Universität Jiangsu in Zhenjiang in China. Unser 6-jähriges Studium ist ausschließlich für ausländische Studierende konzipiert. In meinem Jahr studieren etwa 80 Studenten aus unterschiedlichen Ländern wie Ghana, Indien, Thailand usw..Ich bin jetzt im 7. Semester. Ich hatte schon immer eine Schwäche dafür, anderen Menschen zu helfen. Und dann war da immer die Faszination für den menschlichen Körper. Unsere Spezies ist etwas ganz Besonderes. Wir bestehen alle aus einer Masse aus Knochen und Gewebe – und sind doch sehr unterschiedlich. Wir haben unterschiedliche Emotionen und uns beschäftigen unterschiedliche Dinge. Ich denke, ich habe mich für das Medizinstudium entschieden, um zu verstehen, was den Menschen so besonders macht. Auf diesem Weg kann ich mir Wissen aneignen, mit dem ich anderen auf eine Art und Weise helfen kann, die anderen vorenthalten ist.

 

Ich möchte ein Arzt sein, der etwas im Leben der Menschen verändert. In dem Buch „Ärzte“ von Erich Segal gibt es einen Arzt, den Vater eines Protagonisten, der die Hauptfiguren in ihrer Entscheidung Medizin zu studieren beeinflusst hat. Ich würde gerne ein Arzt werden wie er. Einer, der nie aufgibt und andere Menschen inspiriert, ihren Beitrag für die Menschheit zu leisten. Mein Interesse galt schon immer der Neurologie. Ich hoffe, ich kann nach dem Studium in den USA die Facharztausbildung zum Neurologen machen. Die Alzheimer-Krankheit hat mich immer besonders interessiert. Ich habe noch nie einen Patienten mit diesem Krankheitsbild gesehen, aber was ich darüber gelesen habe, hat mich fasziniert. Je mehr ich über die Erkrankung erfahre, umso mehr packt sie mich. In einem Seminar habe ich mal einen Vortrag über Alzheimer gehalten.

 

Meine beste Erfahrung als Medizinstudent war definitiv als ich das erste Mal einen Patienten klinisch untersuchen durfte. Das war einer der tollsten Momente in meinem Leben! Ich weiß, der Einstieg in meinen Beruf wird hart werden. Assistenzärzte kommen während ihrer Ausbildung kaum zum Schlafen, aber das ist es mir wert. Ein einziges gerettetes Leben ist Belohnung genug. Meine größte Sorge ist wohl die Frage nach dem Sozialleben und wie es sich mit dem Arztberuf vereinbaren lässt. Aber ich sehe es als ein Abenteuer, eine interessante Reise. Das Leben in China kann schwierig sein, umso mehr, da ich hier Ausländer bin, ein „Laowai“. Aber bis jetzt war es eine interessante Erfahrung, hier zu leben und studieren. Die Unterschiede zu USA und Indien sind groß. Gewisse Dinge sollten auf eine bestimmte Art und Weise erledigt werden. Angesichts der Tatsache, dass ich Dinge schon immer gern anders gemacht habe, ist das wohl mein größtes Problem in diesem Land. Glücklicherweise konnte ich viele Klischees aus dem Weg räumen. Das chinesische Essen ist mir etwas zu wenig durchgekocht. Vermutlich kommen daher auch die vielen Magen-Darm Erkrankungen in dieser Stadt.

 

 

 

 

Roberto, Mexiko

Ich komme aus Mexiko und studiere im sechsten Semester Medizin an der autonomen Universität in Palm Valley, Baja California. Für das Medizinstudium habe ich mich entschieden, weil ich denke, dass man von jedem Menschen etwas lernen kann. Besonders kranke Menschen zeigen uns oft, wie man trotz schwieriger Umstände eine positive Einstellung zum Leben wahren kann. Nach dem Studium würde ich gerne Psychiater oder Kinderarzt werden. Für meine Zukunft hoffe ich hauptsächlich, mein Studium erfolgreich abzuschließen. Ich bin ein idealistischer Mensch mit vielen Träumen. Aber es fällt mir schwer, mir langfristige Ziele zu setzen. Momentan ziehe ich zwei Möglichkeiten in Betracht: Meine bevorzugte ist, Psychiater zu werden und in einer staatlichen Institution wie dem „Mexikanischen Institut für soziale Sicherheit“ zu arbeiten. Parallel könnte ich mir ein Leben als Gastroenterologe vorstellen, idealerweise mit einer eigenen Praxis und eigenen Patienten. Die zweite Vision, vom Leben als Kinderarzt, ist noch nicht so ausgereift. Meine Zeit als Student möchte ich intensiv dazu nutzen, vom großen Fachwissen meiner Lehrer zu profitieren.

 

Natürlich lebe ich gerne in meinem Land. Es gibt hier eine Menge Sonnenseiten: Strände, archäologische Stätten, Wälder und typische regional geprägte mexikanische Speisen. Problematisch in meinem Land sind die vielen chronischen Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck. Zudem gibt es endemisch auftretende Erkrankungen .In Baja California gibt es z.B. sehr viele Tuberkulosefälle . Hinzu kommen noch die politischen Probleme. Die beste Erfahrung im Studium ist: ich gehe jeden Tag zum Unterricht in ein anderes Krankenhaus zu besuchen und stelle fest, dass ich das richtige tue und dass ich mir nichts besseres für mich vorstellen kann. Was mich stört ist, dass mein Studium so zeitaufwendig ist. Ich investiere gerne Zeit in mein Studium, weil es mir Spaß macht, aber andererseits würde ich auch gerne mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen.

 

 

 

 

Salvador, Mexiko

Ich komme aus Tijuana Baja California, Mexiko und studiere im elften Semester an der Autonomen Universität von Baja California, Palm Valley. Für das Medizinstudium habe ich mich entschieden, weil ich mein Leben den Menschen widmen möchte, die es am meisten brauchen. Ich möchte Krankheiten heilen, wissenschaftliche Fortschritte erreichen und das Gesundheitssystem in meinem Land und in der Welt verbessern. Ich möchte ein menschlicher Arzt sein, der Patienten zu gesundheitlichem Wohlbefinden verhilft, geistig und körperlich. Hoffentlich kann ich als Arzt zu einem sozialen Wandel in der Bevölkerung beitragen. Mein großer Traum ist es, später in einer Organisation wie der UNO, der WHO, bei UNICEF oder der Pan American Health Organization (PAHO) zu arbeiten. Ich möchte ein Botschafter für die Gesundheit in aller Welt sein und Lösungsansätze für aktuelle und zukünftige Probleme erarbeiten.

 

Gerne würde ich eine Weiterbildung in Public Health anstreben. Mit viel Ehrgeiz, Motivation und Spaß an der Arbeit hoffe ich, andere Menschen mitreißen zu können, die Veränderungen auch umzusetzen. Ich mache mir Sorgen, dass ich es nicht schaffe, meine Ziele im geplanten Zeitrahmen zu erreichen. Mein Land mag ich sehr, Mexiko ist groß und außergewöhnlich. Die Menschen hier haben ein edles Gemüt, sind bescheiden und voller Träume. Mexiko hat mit Dschungel, Wäldern, Stränden, Wüste und Meer nicht nur landschaftlich viel zu bieten. Auch die prehispanische Kultur und Geschichte Mexikos macht mich stolz, hier zu leben. Die größten Probleme in meinem Land sind Armut, Unterernährung und das Gesundheitssystem. Es gibt auch große gesellschaftliche Diskrepanzen, nicht jeder hat Zugang zur Bildung.

 

Meine beste Erfahrung während der Studienzeit waren Praktika in Krankheitsprävention und Gesundheitspflege, Intervention bei Gesundheitsproblemen durch bestimmte Krankheiten, und schließlich die Analyse der Bevölkerung und die Auswirkungen, die eine Intervention darin erzielen konnte. Die beste Medizin für Ärzte in der Ausbildung ist aber das Lächeln eines Kindes und die Dankbarkeit der Eltern. Meine schlimmste Erfahrung als Student war, als ein Kind mit einer starken Infektion in die Notaufnahme kam. Leider fanden wir heraus, dass die Grunderkrankung unheilbar war. Häufige Infektionskrankheiten bei uns sind Tuberkulose und Dengue-Fieber. Besorgniserregend sind auch Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas. Auch bei Kindern ist Übergewicht durch falsche Ernährung ein großes Problem.

 

Das Medizinstudium bei uns ist in 4 Stufen unterteilt: Die Basisausbildung dauert 2 1/2 Jahre, in denen wir Fächer wie Anatomie, Embryologie, Physiologie usw. lernen. Die zweite Stufe dauert 2 1/2 Jahren und beinhaltet klinische Fächer wie z.B. Neurologie, Kardiologie oder Kinderheilkunde. In dieser Zeit arbeiten wir auch aktiv mit den Patienten im Krankenhaus. Die dritte Phase ist das praktische Jahr, in dem wir als „Undergraduate Medical Intern“ im Krankenhaus durch sechs Stationen rotieren. Das sind Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Chirurgie, Allgemeinmedizin, Notfall- und Innere Medizin. Die vierte Etappe dauert 1 Jahr. Man arbeitet als „Intern Doctor“ in einem Gesundheitszentrum in der Stadt oder auf dem Land. Alternativ kann auch in einem Krankenhaus in der Forschung tätig sein. Am Ende dieser 7 Jahre bekommen wir den Titel "General-Physician", dann absolvieren wir noch das nationale Examen „Candidate Residence Medica" (ENARM), wo man mit allen Medizinstudenten, die in dem Jahr abschließen, um einen Weiterbildungsplatz konkurriert.

 

 

Selin, Türkei

Ich komme aus der Türkei und studiere im vierten Jahr Medizin an der Cukurova-Universität in Adana. In der Schule habe ich Biologie immer geliebt und somit war Medizin die perfekte Wahl für mich. Bis jetzt habe ich es nie bereut. Später würde ich gerne Kardiologin werden, aber kann gut sein, dass ich meine Meinung nochmal ändere. Mein Traum und mein größtes Ziel im Leben ist, als Ärztin in Deutschland zu arbeiten. Ich freue mich auf das Leben in Europa. Um meine zukünftige Arbeit mache ich mir kaum Sorgen. Ich habe Vertrauen in mich und kann mich gut anpassen.

 

Das Medizinstudium hier dauert sechs Jahre. Die ersten drei Jahre sind eher theoretische Ausbildung, aber es gibt auch ein paar praktische Kurse. Im vierten und fünften Jahr arbeiten wir als Studenten in der Klinik bereits mit. Im letzten Jahr arbeiten wir als „intern doctors“, eine Art „Arzt im Praktikum“, im Krankenhaus und haben sehr viel Patientenkontakt. Die medizinische Ausbildung hier ist sehr anspruchsvoll. Aber das ist in Ordnung für mich. Es bereitet uns auf die harte Arbeit vor, die uns erwartet. Was mich allerdings beunruhigt ist, dass die Lehrveranstaltungen ziemlich überfüllt sind und ich hoffe, dass die Qualität der Ausbildung in Zukunft dadurch nicht beeinträchtigt wird. Am schlimmsten in meinem Land finde ich die sozialen Tabus, denen Frauen und damit auch Ärztinnen ausgesetzt sind.

 

 

 

 

Zineb, Marokko

Ich komme aus Casablanca, Marokko und studiere im fünften Jahr an der medizinischen Fakultät Casablanca. Meine Eltern sind Ärzte und ich war ein sehr neugieriges Kind. Ich habe viele Fragen über den menschlichen Körper gestellt, die sie immer sehr gut und ausführlich beantworteten. So begann mich die Welt der Medizin zu faszinieren. Als ich in der höheren Schule war, habe ich auch überlegt, einen anderen Weg einzuschlagen, zum Beispiel Jura oder Journalismus. Aber letztendlich denke ich, dass Medizin die beste Wahl war.

 

Ich möchte eine Ärztin werden, der die Patienten vertrauen können. Menschen gehen zum Arzt, wenn sie krank sind, Schmerzen haben oder über etwas sprechen möchten. Ich weiß noch nicht genau was mein Wunschfach sein wird, aber am ehesten etwas chirurgisches. Meine Assistenzarztzeit würde ich gerne in Europa verbringen, weil ich dort die Chance hätte, in einem besser ausgestatteten Krankenhaus zu arbeiten. Aber dann würde ich gerne wieder nach Marokko zurückkehren, um hier zu leben und praktizieren. Für meine Zukunft wünsche ich mir, eine Familie mit Kindern zu haben. Es wird nicht einfach sein, Arbeit und persönliches Leben zu vereinbaren.

 

Sorgen mache ich mir zur Zeit nicht. Ich bin optimistisch, weil man als Arzt in Marokko immer einen Job findet und ein gutes Leben führen kann. Marokko ist ein schönes Land mit vielen unterschiedlichen Landschaften und Regionen und ich mag es, hier zu leben. Casablanca ist eine sehr moderne Stadt und es gibt alles, was man braucht. Ich bin stolz auf mein Land. Es ist reich und aufgrund der vielen nebeneinander existierenden Kulturen (arabisch, amazigh, europäisch) sind die Menschen hier sehr tolerant und weltoffen. Viele sprechen mehrere Sprachen und sind über das Geschehen in der Welt informiert. Es ist eine inspirierende Umgebung. Die Leute sind sehr freundlich: Gastfreundschaft und Solidarität werden groß geschrieben.

 

Meine beste Erfahrung im Medizinstudium habe ich im OP gemacht. Der Oberarzt brauchte einen Assistenten für eine zervikale Bandscheibenersatzoperation. Ich habe den Haken gehalten, der die Halsschlagader schützte und konnte die Pulsationen fühlen! Die schlimmste Erfahrung war, den Tod eines Babys mitanzusehen. Das war während meiner ersten Famulatur, im Verbrennungszentrum im dritten Studienjahr. Die Ärztin hat ihr bestes gegeben, das Baby zu reanimieren aber die Verbrennung war zu ausgedehnt und es war zu spät. Während der Reanimation habe ich auf den EKG-Monitor gestarrt, beobachtet, wie die Ärztin versuchte, zwischen den Herzmassagen den Femoralpuls zu finden und mich gefragt, warum so ein kleines Geschöpf sterben muss. Ich erinnere mich gut an diesen Moment, weil es das erste Mal war, dass jemand vor meinen Augen starb.

 

Das Medizinstudium hier dauert sieben Jahre. Um zugelassen zu werden, muss man einen Test machen, an dem nur die Besten teilnehmen dürfen. Die Lehrsprache an der Universität ist französisch. In den ersten beiden Jahren, der vorklinischen Studienzeit, lernen wir Biologie, Physik, Chemie, Biochemie und andere Basics. Man hat auch Kurse in Psychologie, Humanwissenschaften und Ethik. Die meisten Vorlesungen hat man morgens im Hörsaal mit bis zu 500 Studenten. Nachmittags gibt es dann Seminargruppen mit 30 Studenten und einem Lehrer. Vom dritten bis fünften Jahr haben wir morgens Praktika im Universitätskrankenhaus "Centre Hospitalier Universitaire Ibn Rochd" und nachmittags Vorlesungen. Manchmal muss man auch Nacht- und Wochenenddienste machen. Echt anstrengend! Während der Praktika darf man unter Aufsicht der Ärzte selbst Patienten betreuen und bei Operationen assistieren. Im sechsten und siebten Jahr bekommt man immer mehr Verantwortung. Am Ende des Studiums hat man eine Prüfung. Danach muss man noch eine Arbeit zu einem medizinischen Thema verfassen, was bis zu einem Jahr dauern kann. Die Arbeit muss man dann in einer Zeremonie vor einem Gremium verteidigen. Wird sie angenommen, ist man ein fertiger Arzt. Vorher muss man aber noch den hippokratischen Eid schwören.

 

 

 

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