• Bericht
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  • Franziska Brück
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  • 29.08.2016

Sommer im Team Aufschneider

Schon in den letzten Semesterferien habe ich im Krankenhaus in der Unfallchirurgie als „Hakenhalter“ gearbeitet und unglaublich viel zu sehen bekommen. Als mich mein Chef fragte, ob ich in den nächsten Semesterferien wieder zur Verfügung stünde, war ich ziemlich glücklich und zögerte nicht lang.

© Kzenon-Fotolia.com


Auch diese Semesterferien sollte ich im OP der Unfallchirurgen verbringen. Da jedoch meistens alles anders kommt als man denkt, wurde ich statt als Hakenhalter diesmal als Springer im OP eingesetzt. Dadurch würde ich zwar seltener steril mit am OP-Tisch stehen, dafür aber auch keinem festen Fachgebiet zugeteilt sein. Stattdessen würde ich munter von Gynäkologie zur Allgemeinchirurgie, zur Urologie und weiter hin und her springen.

Vier Wochen meiner Zeit in besagtem Krankenhaus sind nun vergangen und ich konnte in alle vertretenen Fachbereiche reinschnuppern. Begonnen in der Gynäkologie und Geburtshilfe mit Eingriffen wie Sectios, Hysteroskopien, Abortcürettagen, Mamma PEs und großen abdominellen Eingriffen bei metastasierenden Karzinomen ging es weiter in das Fachgebiet der endokrinologischen Chirurgie, die sich vollkommen auf der Behandlung der Schilddrüsenbeschwerden konzentriert – Entfernung oder teilweise Entfernung der Schilddrüsenlappen stehen hier auf dem Tagesprogramm. Außerdem haben wir in unserer Klinik urologische Gastärzte, bei denen ich die Durchführung von Vasektomien und Zirkumzisionen ansehen konnte.

In der Allgemeinchirurgie konnte ich bei verschiedenen großen und kleinen Operationen zuschauen, u.a. explorative Laparotomien, Appendektomien, Cholecystektomien, Rektum- und Sigmaresektionen. Highlights der großen und langwierigen Abdominaleingriffe waren hier sicherlich die Leberteilresektion bei einer Frau mit Verdacht auf ein Adenom des 7. Lebersegments und die Whipple-OP bei einer Patientin mit Pankreaskopfkarzinom. Einige Tage verbrachte ich auch in der Proktologie: hauptsächlich ging es hier um die Entfernung und Entdeckelung von Fissuren, Abszessen, Fisteln und Hämorrhoiden – nicht unbedingt mein Top-Fachgebiet, aber dennoch durchaus interessant und einen Abstecher wert!

Last but not least folgte die Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie – in der ich dann doch noch als Assistent eingesetzt wurde und steril mit am Tisch stehen durfte. Das ist einfach doch nochmal etwas anderes, man kann alles anfassen und von ganz nah sehen. Diesmal ging es für mich hauptsächlich traumatologisch zu: subcaptiale Humerusfraktur, distale Radiusfraktur, Unterschenkelfraktur, bimalleoläre Sprunggelenksfraktur.

Natürlich waren auch die üblichen Verdächtigen wie HüftTEPs, KnieTEPs, Arthroskopien, Metallentfernungen und Wundrevisionen vertreten. Highlight war für mich die Assistenz des Chefarztes der Unfallchirurgie an einem Tag zu sein – es ist einfach ein ganz besonderes Gefühl, mit dem Chefarzt persönlich operieren zu dürfen.

Auf der anderen Seite des Tuches

Zwischen Chirurgen und Anästhesisten herrscht eine allgemeine, liebevolle Konkurrenz woher auch die wunderbare Bezeichnung der „Blut-Hirn-Schranke“ für die Abdeckung rührt. Ein Vorteil als Springer ist, dass man sehr viele Menschen kennenlernt und zwischendurch auch mal Zeit hat, in andere Abteilungen zu schauen – in meinem Fall in die Anästhesie. Im Aufenthaltsraum habe ich vor einem netten Arztkollegen den Wunsch geäußert, gerne mehr über die Tätigkeiten der Anästhesisten zu erfahren und so durfte ich eine große Einleitung mitmachen.

Die Einleitung erfolgte bei der Patientin mit Leberteilresektion und es standen diverse Dinge – nicht nur das übliche wie Viggo legen und intubieren – auf dem Plan. Wir versuchten, der Patientin einen Periduralkatheter zu legen, was uns jedoch aufgrund ihrer äußerst engen Zwischenwirbelabstände leider nicht gelang. Weiter ging das ganze Vergnügen mit den üblichen Vorbereitungen zum Monitoring: EKG, Blutdruckmanschette und Pulsoxymeter und dann wurde die Patientin auch schon schlafen gelegt. Was nun folgt ist denen, die vom Fach sind klar: Der Patient muss beatmet werden z.B. über Tubus oder Larynxmaske.

Natürlich habe ich vorher gesagt, dass ich gerne mal intubieren würde und Dr. Anästhesie meinte auch, dass dies kein Problem sei und wir das gerne mal probieren können. Als dann tatsächlich die Aussage kam: „Franzi zieh dir mal Handschuhe an und nimm mal die Sauerstoffmaske“ wurde ich doch ein bisschen aufgeregt. Als die O2-Sättigung bei 100 lag, kam Dr. Anästhesie schon mit dem Laryngoskop an und erklärte mir, wie ich den Mund mit einer Hand und dem X-Griff öffnen kann und wie ich dann das Laryngoskop einführen sollte. Gesagt getan: mutig das Laryngoskop in den Mund führen – und Achtung! – dabei die Zähne der Patientin nicht aushebeln und die Zunge aus dem Weg schaffen.

So wird, wenn alles nach Plan läuft, die Epiglottis und die Stimmritze sichtbar. Den Tubus in der rechten Hand und das Laryngoskop (Gott sei Dank von Dr. Anästhesie gehalten) legte ich los: Der Tubus muss in die Luftröhre und nicht in die Speiseröhre, was ein bisschen knifflig ist, weil die Sicht eingeschränkt ist, sobald der Tubus im Hals steckt.

Auch wenn der Tubus dann so aussieht, als würde er ganz gut sitzen, muss man noch abhören, um zu überprüfen, ob der Magen blubbert oder man ein Atemgeräusch hört. So geht man sicher, dass der Tubus nicht doch im Magen gelandet und natürlich ob in der Lunge nach Anschließen des Atemgerätes auch ein Atemgeräusch vorhanden ist. Das Atemgeräusch war vorhanden, der Tubus saß gut – und ich hatte meine erste Intubation bereits vor Beginn des klinischen Studienabschnitts erfolgreich gemeistert! Ich muss sagen, dass mir das schon ein kleines Hochgefühl bescherte.

Nach der Intubation war die Einleitung jedoch noch nicht abgeschlossen, wir hatten noch einen arteriellen Zugang und einen zentralen Venenkatheter zu legen. Den arteriellen Zugang bekamen wir über die Arteria radialis am Handgelenk, der Vorgang ist im großen und ganzen nicht anders als das Legen einer Viggo, allerdings muss es steril geschehen. Woher man weiß, dass man in der Arterie und nicht in der Vene gelandet ist? Das Blut, das zurück fließt, pulsiert bei arteriellem Blut durch den Blutdruck anders als bei venösem Blut, das nur tröpfelt. Den ZVK legten wir über die Begleitvene der A.carotis und die richtige Lage wurde mittels EKG-Ableitung kontrolliert – durch die nahe Lage am Vorhof kommt es zu einer Vergrößerung der P-Welle.

Dr. Anästhesie hat sich wirklich größte Mühe gegeben, mir sein Fachgebiet näher zu bringen und schmackhaft zu machen und tatsächlich muss ich zugeben, dass mein Interesse für die Anästhesie trotz der Liebe zu Chirurgie geweckt wurde und ich gerne mehr Zeit in diesem Bereich verbringen möchte - vielleicht während einer Famulatur oder im PJ!

 

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