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  • Nina Puls
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  • 30.07.2020

Versicherungs- und Finanztipps für Medizinstudierende

Finanzen und Versicherungen sind ein ungeliebtes Thema für Medizinstudierende. Dabei ist das Geldmanagement gar nicht so schwer. Nina hat die besten Finanzierungshilfen und Versicherungstipps für dich aufbereitet.

 

Die Wörter Finanzen und Studium in einem Satz, lassen bei den meisten erstmal die Alarmglocken klingeln. Jeder kennt das Bild eines Studenten, der sich gegen Ende des Monats nur noch von Nudeln mit Ketchup ernähren kann, da ihm bereits nach der Hälfte des Monats die finanziellen Mittel fehlen, um halbwegs anständig über die Runden zu kommen. Doch wie lässt sich das ändern? Welche Möglichkeiten zur Finanzierung gibt es? Welche Versicherungen brauche ich, wenn ich das Elternhaus verlasse? Und wie kann ich die Zukunft finanziell besser gestalten?


Die Finanzierung des Studiums: Die meisten Studierenden werden in irgendeiner Form von ihren Eltern finanziert, egal ob Mietzahlung oder monatliches Taschengeld. Wenn du aber nicht zu den Kindern zählst, denen dies ermöglicht wird, musst du einen anderen Weg finden. Geschätzt werden die Kosten für ein Studium auf durchschnittlich 800 Euro im Monat, natürlich abhängig vom Studienort.

Hier gibt es, neben einer Stelle in Teilzeit neben dem Studium, folgende Möglichkeiten:


1.    BAföG: Es lohnt sich in den meisten Fällen einen Antrag zu stellen und wenigstens einen kleinen Teil der Studienkosten zu decken. Wieviel dir zusteht, hängt von deinem Vermögen und dem Verdienst deiner Eltern, Geschwister und ggf. Ehepartners ab. BAföG erhältst du zur Hälfte als zinsloses Darlehen, was bedeutet, dass du die Hälfte der Gesamtsumme nach dem Studium zurückzahlen musst. Dies ist jedoch auf eine Maximalsumme von 10.000 Euro begrenzt und frühestens 5 Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer möglich. Zahlst du dann alles auf einmal zurück, erhältst du nochmal einen Erlass.


2.    Studienkredit: Hierbei handelt es sich um ein klassisches verzinstes Darlehen, das heißt, dieses Geld zahlst du mit Zinsen an den Kreditgeber zurück. Hier gibt es viele Anbieter und Möglichkeiten, worüber du dich gut informieren und beraten lassen solltest. Diese Art der Finanzierung wird nur für kurze Abschnitte im Studium sowie finanziellen Engpässen empfohlen, nicht jedoch für die gesamte Studienfinanzierung.


3.    Stipendien: Es lohnt sich, gerade für die ersten Semester, sich für ein Stipendium zu bewerben. Neben Leistung und politischem Engagement wird nämlich auch oft nach Preisen und Auszeichnungen (wie z.B. Jugend forscht), welche ja meist erst kurz vorher in der Schule erlangt wurden, oder nach Berufserfahrungen (wie beim Aufstiegsstipendium) gefragt. Viele Stipendien sind daher an die ersten 2-4 Semester gerichtet. Das Deutschlandstipendium bietet jedes Jahr einen Bewerbungszeitraum für jeden an. Ich selbst habe in der Vorklinik eine Einmalzahlung über das Niedersachsenstipendium erhalten, was mir zum Physikum eine große finanzielle Hilfe war.


4.    Sozialleistungen: Wohngeld oder Leistungen zum Erhalt des Lebensunterhalts über das Arbeitsamt, stehen dir möglicherweise auch als Student zu. Hierzu kannst du dich, wie auch zu den anderen Punkten, z.B. in deinem zuständigen Studentenwerk beraten lassen oder online informieren.


5.    Nebenjob: Bis 450 Euro monatlich bzw. 5400 Euro jährlich darfst du steuerfrei dazu verdienen

 

Um die Kosten während des Studiums im Auge zu behalten, gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten. Ich führe z.B. eine Excel-Tabelle mit Einnahmen und Ausgaben, um eine Übersicht zu erhalten. Du kannst dir aber auch dein Geld monatlich in Umschläge oder auf Konten aufteilen, die dann nur für den jeweiligen Zweck angebrochen werden dürfen (Miete, Lebensmittel, Freizeit etc.).

Oft fängt die Optimierung der Finanzlage bei den kleinen Dingen an, siehe folgende Liste:
Tipps:
- Ausgaben regelmäßig überprüfen und nicht genutzte Abos und Verträge kündigen
- ein kostenloses Bankkonto wählen
- Strom, Gas, Internet, Mobilfunkvertrag etc. regelmäßig vergleichen und wechseln
- gebraucht shoppen und ungenutzte Dinge weiterverkaufen
- einen Notgroschen von mind. 1-2 Monatsausgaben auf einem Spar- oder Tagesgeldkonto
- für planbare Ausgaben wie z.B. die halbjährliche Semestergebühr monatlich etwas beiseitelegen


Wichtige Versicherungen


Haftpflichtversicherung + Berufshaftpflicht: sollte Zuhause oder am Praktikumsplatz mal etwas zu Bruch gehen, bist du hiermit abgesichert. Bei der Suche nach einer guten Versicherung, solltest du die Leistungen der einzelnen Anbieter und die Kosten vergleichen. Tipp: gratis über den Hartmannbund bis zum PJ


Hausratversicherung: versichert die Gegenstände in deinem Haushalt bei z.B. Feuer oder Wasserschaden. Auch hier gilt: Vergleichen und Abwägen. Ich selbst habe keine abgeschlossen, da in meiner WG keine teuren Gegenstände sind. Dies ist für jeden eine Ermessensache. Bspw. ab 2€ p.P. in einer 2er WG inkl. Fahrraddiebstahl – In Unistädten wird bekanntlich häufiger mal das Fahrrad entwendet, daher unbedingt auch die Rahmennummer notieren!


Krankenversicherung: Wenn du über 25 bist, musst du dich studentisch Krankenversichern, da du aus der Familienversicherung deiner Eltern ausscheidest. Dies kannst du entweder bei einer gesetzlichen Krankenkasse machen (Kosten inkl. Pflegeversicherung zwischen 103 und 113 Euro/Monat) oder bei einer privaten Krankenkasse. Es lohnt sich, die Leistungen und Bonusprogramme der einzelnen Kassen zu vergleichen, um die richtige für sich zu finden. Z.B. 12€ mtl. zur Berufsunfähigkeitsversicherung bei der HEK, großes Netzwerk an Filialen und Bonusprogramm der TK usw.
Anwartschaft auf private Krankenversicherung inkl. Auslandsreise-krankenversicherung ab 5€ im Jahr (Barmenia), so früh wie möglich den Gesundheitszustand einfrieren lassen, falls du später vorhast, in eine private Krankenversicherung zu wechseln

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): solltest du irgendwann nicht mehr in der Lage sein, deinen Beruf auszuüben, ist es gut, diesen Fall abgesichert zu haben. Es handelt sich hierbei um eine Risikoversicherung, bei der natürlich keiner hofft, sie jemals gebrauchen zu müssen und ist daher ebenfalls eine Abwägungssache, aber definitiv sinnvoll, meiner Meinung nach. Ab 25€ mtl. schon die Studientätigkeit mit 1.000€ Rente versichern, möglichst früh Alter und Gesundheitszustand sichern, ähnlich wie bei der privaten Krankenversicherung
Allgemein und besonders bei Vorerkrankungen individuell zur Situation beraten lassen, Beispiel: die Allianz bietet in Verbindung mit dem Verband der Heilberufe (VdH) eine BU mit stark vereinfachter Gesundheitsprüfung (aktuell bis 31.12.2020)

 

Nach dem Studium


Altersvorsorge:
-> nach Studium von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen, ärztliches Versorgungswerk bietet aktuell eine bessere Rente, wird aber aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase auch geringer
Steuerlast senken:
-> Wenn du eine Vorausbildung (Rettungssanitäter o.ä.) hast, kannst du im Studium einen Verlustvortrag beim zuständigen Finanzamt machen und dadurch im ersten Arbeitsjahr einiges an Studienkosten über die Einkommenssteuererklärung zurückholen
-> steuerlich geförderte Altersvorsorgeverträge nutzen
-> Immobilie als Kapitalanlage (Denkmalschutz bietet extreme Steuervorteile)
-> Einen guten Steuerberater für Mediziner nutzen

Viele Finanzunternehmen bieten für Studierende kostenlose Workshops an, die z.B. den Einstieg ins spätere Berufsleben erleichtern.
Es lohnt sich ebenfalls, sich bei einem vertrauenswürdigen Finanzberater einmal ausführlich beraten zu lassen, was ebenfalls kostenlos und unverbindlich ist.

Dieser Artikel entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit meinem Finanzberater der tecis AG.

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