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  • Felix Hutmacher
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  • 30.07.2019

Nicht alle Wege führen nach Rom – aber viele ins Ausland. Ein Praxisguide

Wen es aus anderen Landesteilen Deutschlands zum Studium nach Regensburg verschlagen hat, der macht bereits eine Auslandserfahrung, sagen manche. Wem das aber nicht genügt, der findet hier eine Anleitung, wie man auch die Grenzen Bayerns hinter sich lässt.

Das Wohnheimzimmer ist dir zu klein? Du möchtest Fremdsprachen nicht nur beim Seriengucken üben? Andere Länder nur als Tourist zu sehen, reicht dir nicht? Dann bist du hier richtig. Die folgende Anleitung zeigt für jede Studienphase Möglichkeiten auf, im Ausland tätig zu sein oder zu studieren.

 

 

Vorklinik

Die Vorklinik ist in vielerlei Hinsicht eine Vor-Zeit, die aber nicht grau blieben muss. Klug genutzt kann sie dazu dienen, sich den Weg zu einem Auslandsaufenthalt zu ebnen – und wer Zeit für einen kleinen Austausch hat, der findet auch Angebote. Dazu später mehr.
In jedem Fall ist Weitblick gefragt. Wer darüber nachdenkt, ein Erasmus in Spanien oder ein PJ in Schweden zu machen, der sollte in der Vorklinik mit dem Sprachenlernen beginnen. In der Klinik lassen sich Sprachkurse oft nicht mehr so gut mit dem Stundenplan vereinbaren, und es dauert einige Semester, bis man beim oft geforderten Sprachniveau B2 angelangt ist. Wer denkt, bereits ein bestimmtes Sprachniveau zu haben, benötigt ein DAAD-Sprachzeugnis.

Auslandsaufenthalte kosten Geld – deshalb sollte man auch an seinen Kontostand denken und anfangen, regelmäßig etwas zur Seite zu legen. Von seinen Geldsorgen erlöst wird man, wenn man sich ein Stipendium ergattern kann. Oftmals ist ein gutes Physikum die Voraussetzung – lernen lohnt sich also. Wirklich. Wer sich außerdem noch gesellschaftlich engagiert, verbessert seine Chancen noch weiter.
Wer sich genauer über Förderbedingungen von Stipendien informieren will, sollte wissen, dass es für Mediziner grob drei Möglichkeiten gibt: Das Stipendium eines weltanschaulich unabhängigen Begabtenförderungswerkes (Studienstiftung, Max-Weber-Programm), Partei- oder kirchennahe Stiftungen (Hanns-Seidel-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Cusanuswerk und viele weitere) und Klinikstipendien (zum Beispiel hier). Erstere fördern leistungsbezogen, Klinikstipendien binden den Studierenden auf mehrere Jahre an einen bestimmten Arbeitgeber.


Auch ein Pflegepraktikum kann man im Ausland absolvieren. Im nahen Ausland (etwa in der Schweiz) ist das kein Problem – wer weiter in die Ferne möchte, sollte sich vorher mit dem zuständigen Landesprüfungsamt in Verbindung setzen. Grundsätzlich aber gilt: Auslandspraktika im späteren Studienverlauf machen mehr Sinn. Pflegepraktika fallen irgendwann aus dem Lebenslauf, und die Möglichkeiten, am Klinikalltag teilzuhaben, sind im späteren Studienverlauf weit größer.


Wer nicht warten kann, für den gibt es eine schöne Möglichkeit, nicht-studiengangsbezogen ins Ausland zu gehen: Mit dem Tandem-Programm deiner Uni. Dabei geht man z.B. für eine Woche in ein osteuropäisches Nachbarland und bekommt außerdem einen Gegenbesuch.

 

Klinik und PJ


Die Klinik bietet vielfältigste Möglichkeiten, aus Deutschland herauszukommen – im Studium selbst, in einer Famulatur oder im PJ, in der Forschung.


Ein Studienaufenthalt


Gut organisiert, bewährt und bestens finanziert – das ist das Erasmus+-Programm der Europäischen Union. Es gibt kaum eine einfachere und bessere Variante, einen Teil seines Studiums im Ausland zu verbringen. Die meisten Unis haben eine Reihe von Partneruniversitäten, einfach mal beim International Office deiner Uni nachhaken.
Der Erasmus-Studierende erhält einen Mobilitätszuschuss in Höhe von 330 bis 450 Euro, abhängig vom Zielland. Der Aufenthalt ist also auch mit kleinem Geldbeutel und ohne Stipendium möglich. Bei einem Erasmus-Semester wird man also dafür bezahlt, ins Ausland zu gehen – gibt es etwas Schöneres?

Wem übrigens die Zielländer nicht zusagen, der kann sich seinen Erasmus-Aufenthalt an einer anderen Universität selbst organisieren. Das ist aber kompliziert, und nicht immer werden die zum Teil hohen Studiengebühren übernommen.


Forschung


Du machst eine Doktorarbeit in einem Labor und kannst deshalb eine Pipette routiniert bedienen? Dann ist es nicht weiter schwer, für ein Laborpraktikum ins Ausland zu gehen. Wer Laborerfahrung vorzuweisen hat und sich über ein Stipendium selbst finanzieren kann, der ist für viele Labors eine kostenlose Hilfe und gern gesehen. Man kann sich sogar mit etwas Glück im Ruhm eines Nobelpreisträgers sonnen – auch deren Labore stehen engagierten Studierenden grundsätzlich offen.
Und vielleicht gibt es ja an dem Lehrstuhl, an dem du promovierst, eine Kooperation? Oder Wissenschaftler, die im selben Feld arbeiten? Hier hilft nur: Ohren offenhalten, Kontakte pflegen und anfragen. Mit etwas Engagement findet sich bestimmt eine Möglichkeit.


Famulaturen und PJ


Im klinischen Abschnitt die eigene Scholle Erde zu verlassen, macht großen Spaß. Man ist direkt in ein Arbeitsumfeld eingebunden und damit quasi nie allein. Die Einblicke, die man erhält, reichen deshalb weit über die eines Touristen hinaus. Der klassische Weg ins Ausland führt deshalb über Famulaturen und das Praktische Jahr.


Famulaturen lassen sich hervorragend selbst organisieren. E-Mails erreichen mittlerweile jeden Teil der Welt. Wer ein Stipendium oder Geld hat, dem steht alles offen. Lediglich eine Rücksprache mit dem Prüfungsamt bietet sich an, wenn man eine sehr außergewöhnliche Famulatur plant; und ein Besuch im Impfzentrum der Uni, das für Studierende kostenlose Impfberatung bietet.


Alle anderen müssen aber nicht die Köpfe hängen lassen. Über die bvmd lassen sich Famulaturen mit finanzieller Unterstützung finden, leidglich ein Engagement im Rahmen des Famulantenaustausches ist gefragt. Es gibt auch weitere kleinere Austauschprogramme (zum Beispiel nach Simbabwe) oder größere (nach China).


Und wer sich durch sein Hammerexamen gekämpft hat und vor dem PJ steht, für den gibt es eine gute Nachricht: Man muss kein einziges seiner Tertiale an seiner eigenen Uniklinik verbringen. Eines der Tertiale darf man sogar splitten. Wer will, kann also ein AJ machen – ein Auslandsjahr.
Im PJ steht die Anrechenbarkeit noch mehr im Vordergrund. Daher informiert euch bei eurem Prüfungsamt. In Regensburg ist es z.B. so: Grundsätzlich werden vom Prüfungsamt in Regensburg Tertiale in Uni(!)kliniken anerkannt, die auf dieser Liste des Landesprüfungsamtes NRW zu finden sind. Ob die Qualität der Lehre und der Aufenthalt den Erwartungen eines deutschen Studierenden gerecht werden, kann man ganz einfach beim PJ-Ranking herausfinden, wo eine Unzahl an Berichten gesammelt ist.


Auch für ein Tertial im Ausland kann man Erasmus+ oder PROMOS-Förderung beantragen (s.o.), und in der Schweiz ist eine Bezahlung üblich, da man hier als Unterassistent eingestellt wird.


Eigentlich kann man doch jetzt direkt durchstarten, oder? Wenn du bei ‚durchstarten‘ aber sofort an das Aufheulen von Flugzeugturbinen und die schlechte CO2-Bilanz von Flügen denkst und sich ein schlechtes Gefühl einstellt, dann hilft vielleicht der Hinweis auf atmosfair. Hier kann man seine Reiseaktivitäten wieder kompensieren, wenn die Anreise nicht mit Bus und Bahn gelingt. Denn nicht zu fliegen wäre besser. Aber bei all diesen Angeboten darauf zu verzichten, eigentlich auch schade, oder?

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