• Feature
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  • Ines Elsenhans
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  • 09.12.2014
  • Dorfpraxis - Foto: A. Schultz

    Da es in diesem Dorf auf Papua Neuguinea kein Behandlungszimmer gibt, wird die Dorfpraxis kurzerhand im Freien aufgebaut. Foto: Dr. A. Schultz

     
  • Visite - Foto: A. Schultz

    Dr. A. Schultz ist bei einer schwangeren Frau zur Visite. Etwa 20 Frauen haben ihr Bett zusammen in einem Raum, Privatsphäre für die Patienten gibt es in der kleinen Klinik keine. Foto: Dr. A. Schultz

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  • Wartezimmer der Neugeborenen - Foto: A. Schultz

    Das "Wartezimmer" der Neugeborenen. Gut verpackt warten die kleinen Schützlinge auf ihren Termin. Foto: Dr. A. Schultz

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  • Untersuchung Kind - Foto: A. Schultz

    Das Warten hat sich gelohnt. Dr. Schultz untersucht sorgsam ein Neugeborenes. Foto: Dr. A. Schultz

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  • Untersuchung Kind - Foto: A. Schultz

    Dr. Schultz untersucht einen kleinen Jungen, der geschwollene Mandeln hat. Die notwendigsten Medikamente hat Dr. Schultz immer in mehreren Koffern dabei. Foto: Dr. A. Schultz

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  • Sprechstunde - Foto: A. Schultz

    Die wichtigsten Instrumente von Dr. Schultz sind seine fünf Sinne und sein Stethoskop. Foto: Dr. A. Schultz

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  • Sprechstunde - Foto: A. Schultz

    In seinen Sprechstunden kümmert sich Dr. Schultz vor allem um Mütter und Kinder. Foto: Dr. A. Schultz

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  • Mitarbeiterfortbildung - Foto: A. Schultz

    Dr. Schultz hat in Papua Neuguinea eine kleine Klinik aufgebaut. Da es auf der Insel keine ausgebildeten Pflegekräfte gibt, schult er seine Mitarbeiter regelmäßig. Foto: Dr. A. Schultz

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  • Drillinge - Foto: A. Schultz

    Diese Frau hat Drillinge geboren. Alle sind gesund und munter. Foto: Dr. A. Schultz

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Die Welt ein Stückchen besser machen – Arzt in der Entwicklungshilfe

Als Arzt in die Entwicklungshilfe zu gehen, ist der Traum vieler Medizinstudenten. Doch wie sieht die Arbeit als Entwicklungshelfer aus und wie schafft man den Einstieg?

Die OP-Lampe flackert über dem Operationsfeld, wahrscheinlich fällt der Strom gleich aus. Doch Dr. Andreas Schultz kann jetzt nicht abbrechen. Er bittet die OP-Schwester, ihm die Stirnlampe anzuschalten, beugt sich wieder über seine Patientin und setzt einen queren, 10–12 cm langen „Pfannenstielschnitt“, zwei Querfinger oberhalb der Symphyse. Keine 10 Minuten später hallt ein quäkender Schrei durch das Gebäude und die junge Mutter nimmt dankbar ihren Neugeborenen in die Arme. Wie er heißen soll? Natürlich „Andreas“, zu Ehren seines Geburtshelfers, schlägt die Mutter vor.

„In Papua-Neuguinea laufen mindestens drei Andreas rum, weil die Frauen so happy waren, dass ich ihnen mit einem Kaiserschnitt helfen konnte“, erzählt Dr. Andreas Schultz, Pädiater und Direktor von Ärzte der Welt. [Alle im Artikel genannten Organisationen befinden sich in einer Linkliste am Ende des Artikels]. Zusammen mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern hat er vier Jahre auf dem Inselstaat im Pazifik gelebt. Die ersten zwei Jahre war er Kinderarzt in einem abgelegenen Krankenhaus, weitere zwei Jahre leitete er Gesundheitsprogramme, die die Mutter-Kind-Gesundheit betrafen, dazu gehörten etwa Impfprogramme oder die Schwangerenvorsoge.

Mit einer mobilen Klinik beladen ging es oft tagelang per Jeep, Boot und zu Fuß in den Busch, um die Patienten zu erreichen. Zum Teil hatten diese Menschen zuvor noch nie einen Weißen gesehen – was vor allem die Kinder irritierte. Die Mütter und älteren Kinder hatten dagegen keine Scheu. Im Gegenteil, sie waren sehr dankbar, dass überhaupt einmal jemand kommt und sie eine Anlaufstelle für gesundheitliche Probleme haben.

 

Kurativ oder präventiv oder beides?

Wer als Arzt in die Entwicklungshilfe gehen möchte, kann entweder kurativ oder präventiv arbeiten, so wie bei Dr. Schultz vermischen sich die beiden Bereiche aber auch oft. Der Teil der kurativen Arbeit umfasst die klinisch-orientierte Tätigkeit in Krankenhäusern oft ländlicher Regionen. Die Aufgaben reichen von Ambulanzsprechstunden über Geburtshilfe bis hin zu kleineren operativen Eingriffen. Dazu kommen auch administrative Tätigkeiten, d.h. man muss z.B. kleinere Krankenhäuser führen und Medikamente besorgen. Zudem muss eng mit einheimischen Kräften zusammengearbeitet werden. Auch Besprechungen mit Ministerien und Behörden sind nicht selten.

Die präventive Entwicklungshilfe findet häufig im Bereich Public Health statt. Im Vordergrund steht hier nicht die individuelle Gesundheit einer Person, sondern die Gesundheit einer Bevölkerung. Public Health befasst sich mit den Ursachen von Krankheit, der Gesundheitsförderung und Krankheitsbewältigung, den Leistungen des Gesundheitssystems und den Möglichkeiten, dieses System politisch zu steuern, zu evaluieren und die Qualität zu sichern. Das Aufgabenspektrum ist sehr groß, im Vordergrund stehen häufig administrative oder edukative Aufgaben wie die Ausbildung von paramedizinischem Personal, die Organisation von Impfkampagnen, der Gesundheitsunterricht an Schulen und in Dörfern, die Kampagnenbetreuung für z.B. die Moskitonetz-Verteilung oder Aufklärungskampagnen, epidemiologische Aufgaben in der Erhebung und Auswertung von Gesundheitsdaten und die generelle Unterstützung im Management von Gesundheitsthemen.

Fasst man den geografischen Fokus weiter, spricht man von Global Health, also globaler Gesundheit. Hier geht es nicht mehr um die Gesundheit einer Nation, sondern um das Wohlergehen der gesamten Weltbevölkerung. Behandelt werden Probleme, die länderübergreifend sind und globale politische oder wirtschaftliche Auswirkungen haben. Themen sind z.B. die Senkung der Müttersterblichkeit, aber auch Armut und Ungleichheit.

 

How to get started

Medizinstudierende, die mehr über Tropenmedizin und Public Health/Global Health erfahren möchten, haben es nicht ganz leicht. Es gibt zwar einige Unis, die Kurse für Medizinstudenten anbieten, doch anders wie in Großbritannien oder Frankreich, haben sich diese Fachgebiete noch nicht in allen deutschen Curricula verankert. Ein sehr umfangreiches Schwerpunktcurriculum Global Health gibt es an der Universität Gießen. Studierende haben die Möglichkeit, für „Global Health“ relevante medizinische, gesundheitswissenschaftliche (Epidemiologie, Public Health), historische, sozial- und kulturwissenschaftliche sowie medizinethische Kenntnisse und Kompetenzen zu erwerben. Das Schwerpunktcurriculum dauert sechs klinische Semester und jeder Teilnehmer erhält am Ende ein offizielles Zertifikat des Fachbereichs.

Häufig finden Kurse auch an Missionsärztlichen Instituten statt. Einen Überblick über Kurse in Deutschland und in anderen europäischen Ländern bietet das Forum für Internationale Gesundheit (foring) in seinem Kursleitfaden. Die Kurse am Deutschen Institut für Ärztliche Mission e.V. Tübingen, am Institute of Public Health Heidelberg und am Missionsärztlichen Institut Würzburg listet die Akademie für Globale Gesundheit und Entwicklung (AGGE) auf ihrer Homepage auf: In Würzburg findet z.B. jährlich die zweiwöchige „Sommerakademie – Globale Gesundheit und Tropenmedizin“ statt. Der Kurs widmet sich zu gleichen Teilen der klinischen Weiterbildung mit Schwerpunkt auf tropischen Infektionserkrankungen und den bevölkerungsbezogenen, sozioökonomischen und politischen Rahmenbedingungen der Gesundheit von Menschen in Entwicklungsländern. Themen sind z.B. Determinanten von Gesundheit, Gründe von Krankheit und Armut, vernachlässigte Erkrankungen und Labormedizin unter einfachen Bedingungen.

An der Universität Tübingen findet regelmäßig der „Blockkurs in Tropenmedizin“ für Studierende im klinischen Abschnitt statt. Hier erfährt man alles über Malaria, Dengue-Fieber und Co. und lernt praktische Skills wie einen Blutausstrich.

Eine tolle Gelegenheit, sich mit globaler Gesundheit auseinanderzusetzen, ist die Globalisation and Health Initiative (GandHI), das Global Health Projekt der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Die Gruppe engagiert sich auf wissenschaftlicher und politischer Ebene und bietet eine Plattform für gemeinsames Lernen und Handeln. Peter von Philipsborn, Projektkoordninator des Global Health Projekts der bvmd, erzählt von ihrem Engagement: „Wir setzen uns z.B. beim Bundesgesundheitsministerium dafür ein, dass die Fächer Public Health und Global Health an allen medizinischen Fakultäten als Wahlfächer angeboten werden. Zudem sollen die Rahmenbedingungen für Forschung in diesem Bereich verbessert werden.“

 

Gefühl entwickeln: Welche Hilfe hilft wirklich?

An vielen medizinischen Fakultäten können sich Medizinstudenten auch direkt vor Ort mit Global Health Themen beschäftigen. Universities Allied for Essential Medicines (UAEM), ein internationales Medizinstudierendennetzwerk, das sich im Bereich Global Health engagiert, hat zahlreiche Lokalgruppen an deutschen Unis wie Berlin, Freiburg oder Greifswald. In den Kursen geht es z.B. darum, was Entwicklungshilfe bedeutet und welche Ziele damit verfolgt werden.

Dabei werden auch Beispiele von Entwicklungsprojekten besprochen, die gefloppt sind oder sogar negative Auswirkungen auf die Bevölkerung hatten. In Äthiopien z.B. bauten Entwicklungshelfer in den Dörfern Brunnen. Leider waren die Brunnen ineffizient und die Menschen werden heute mit Wassertrucks versorgt. Doch das verrückte an der Geschichte ist, dass diese Menschen früher Nomaden waren. Weil es den Regierungen nicht gefallen hat, dass diese die Staatsgrenzen missachteten, haben sie sie kurzerhand in einem Gebiet zwangsangesiedelt, in dem es weder Wasser noch fruchtbare Böden gibt. Hier wurde ein Missstand geschaffen, den es vorher gar nicht gab. Wichtig ist daher vor allem, dass man ein fundamentales Verständnis von kulturellen Gegebenheiten und von Krankheit und Gesundheit hat. Denn ein ugandischer Bauer hat sicher eine andere Vorstellung von Gesundheit oder „gutem Leben“ als ein deutscher.

Solche gescheiterten Projekte zeigen auf, dass Entwicklungshilfe durchaus auch kritisch gesehen werden kann und es hilfreich ist, sich genau über das für und wider der Entwicklungshilfe und der einzelnen Projekte zu informieren. Am besten laufen Projekte, in denen sich die lokale Bevölkerung selbst engagiert. Denn nur wenn der Rückhalt in der Bevölkerung da ist, wird das Projekt eine Zukunft haben.

Doch Projekte gibt es nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch hierzulande: Ärzte der Welt hat z.B. einige Inlandsprojekte: In den Anlaufstellen „open.med“ in München und „MedMobil“ in Stuttgart für Menschen ohne Zugang zu Gesundheitsversorgung arbeiten derzeit ca. 50 Ehrenamtliche. Medizinstudenten die sich hier engagieren wollen sind immer herzlich willkommen.

 

Ab ins Ausland

Auslandsaufenthalte im Studium sind ein Muss für alle, die mit dem Gedanken spielen, auch nach dem Studium in der Entwicklungshilfe zu arbeiten. Schließlich sollte man wissen, worauf man sich einlässt, bevor man sich über eine Organisation für Wochen oder Monate in die Tropen entsenden lässt. Dr. Schultz meint: „Man sollte auf jeden Fall tropentauglich sein. Es gibt Menschen, die es einfach nicht aushalten, wenn es immer heiß und feucht ist.“

Neben Fachkompetenz hält er auch Anpassungsvermögen für eine der wichtigsten Voraussetzungen eines Entwicklungshelfers. Man muss offen für die andere Kultur sein und mit den Einheimischen in Kontakt kommen wollen. Dazu sollte man Gesellschaft lieben, denn gerade in tropischen Ländern lebt man häufig in großen Familien und hat fast ständig Menschen um sich. Man wird also selten allein sein und „seine Ruhe haben“. Um zu testen, ob man diesen Herausforderungen gewachsen ist, eignet sich eine Famulatur bestens.

Für Fans der kurativen Medizin bietet die bvmd z.B. mit ihrem Famulantenaustausch-Programm Famulaturen in verschiedenen Ländern an. Wer eher in Richtung Public Health gehen will, für den gibt’s den bvmd Public Health-Exchange, an dem auch Vorkliniker teilnehmen können. Projekte sind in Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika angesiedelt. Das Food-Projekt am University Teaching Hospital of Butare in Ruanda kümmert sich z.B. um die Versorgung der Patienten mit Nahrung. Anders als in Deutschland, werden Patienten in Afrika von den Angehörigen verpflegt. Gibt es aber keine Verwandten, verhungern die Patienten vor den Augen der Ärzte. Die Austausch-Teilnehmer sollen unter anderem das Food-Projekt weiterentwickeln, Spender finden und die Homepage pflegen. Hauptvoraussetzung für beide Programme ist die Beherrschung der Landessprache, optimal sind A2 oder B2 Kenntnisse. Schließlich verteilt man nicht nur Spritzen, sondern muss vor allem auch mit den Patienten reden.

Zur Vorbereitung bietet die bvmd ein spezielles Seminar, wie Faady Yahya, Public Health Officer der bvmd, berichtet: „Unser Drei-Kontinente-Seminar (TriKont)-Seminar bereitet speziell fürs Ausland vor. Dort gibt es ein Wochenende lang Vorträge über Tropenerkrankungen, Untersuchungsworkshops und viele Erfahrungsberichte mit Tipps für den Auslandsaufenthalt.“

 

Abenteuer Entwicklungshelfer

Hat man Feuer für die Entwicklungshilfe gefangen und möchte ab und an oder sogar hauptberuflich zu Auslandseinsätze aufbrechen, kann man sich nach dem Studium entsprechend weiter fortbilden. Auch hier bietet die AGGE zahlreiche Kurse an. Ein Klassiker ist z.B. der vierwöchige Kurs Tropenmedizin und Public Health in Tübingen. Silvia Golembiewski, Koordinatorin am AGGE, erzählt: „In diesem Kurs lernt man nicht nur die Infektiologie der Tropenkrankheiten, sondern auch, wie man Gesundheitsprojekte auf die Beine stellt. Für längere Auslandsaufenthalte ist er daher sehr zu empfehlen.“ Es gibt aber auch kürzere Kurse wie das Grundlagenseminar zu Tropenmedizin und öffentlicher Gesundheit in Würzburg, das besonders auf Kurzzeiteinsätze vorbereitet. Einen Kursüberblick sowie einen Veranstaltungskalender zu Themen der Internationalen und Globalen Gesundheitsarbeit bietet foring.

Alle, die Public Health oder Gobal Health zum Beruf machen wollen, sollten noch einmal die Unibank drücken. Es gibt mittlerweile auch in Deutschland zahlreihe Aufbaustudiengänge in diesem Bereich. Auf dem Stundenplan stehen hier Fächer wie Klinische Epidemiologie, Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Gesundheitssystemforschung und Gesundheitsökonomie. Silvia Golembiewski sieht in diesen Bereichen der Prävention die Zukunft der Entwicklungshilfe: „Die traditionelle klinische Arbeit ist hingerückt zu einer Gesundheitssystemstärkung. Es geht darum, was getan werden kann, um bestehende Gesundheitssysteme stabiler und effizienter werden zu lassen.“ Auch Dr. Schultz ist ihrer Meinung: „Krisen betreffen immer Länder, in denen das Gesundheitssystem am Boden ist. Wenn die Gesundheitssysteme nicht verbessert werden, dann können Kriseneinsätze bis ultimo gemacht werden, denn dann wird es immer wieder eine Krise geben.“

 

Perspektiven für Entwicklungshelfer

Leider sind die Jobaussichten für Ärzte in der Entwicklungshilfe nicht mehr so rosig wie vor 50 Jahren, als das „Albert Schweizer Modell“ noch vorherrschte. Damals reisten hunderte Ärzte aus Deutschland in Entwicklungsländer, um „Buschmenschen“ zu behandeln. Heute arbeiten die Entsendeorganisationen zum Großteil mit Einheimischen zusammen. Dr. Schultz erzählt: „In den Entwicklungsländern sind die Ärzte mittlerweile sehr viel besser ausgebildet als früher. Wir entwickeln zwar zusammen mit ihnen Projekte, die Umsetzung meistern sie dann jedoch oft selbst.“ Meist spricht man daher auch nicht mehr von Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungszusammenarbeit.

Gesucht werden heutzutage vor allem Logistiker, Systemadministratoren und Manager, die Ärzte vor Ort führen. Für Ärzte, die in die Entwicklungszusammenarbeit wollen, heißt das: Eigeninitiative zeigen! Man sollte gezielt auf den Websites der Entwicklungshilfeorganisationen nach Jobs suchen und bei Kongressen Kontakte knüpfen. Einen Überblick über verschiedene Entsendeorganisationen bietet foring, hier können auch Entsendedauer und Leistungen der Entsendeorganisationen miteinander verglichen werden. Wer entsprechende Kurse in Tropenmedizin besucht hat, hat natürlich Vorteile. Oft werden auch zwei bis drei Jahre Tätigkeit als Facharzt vorausgesetzt.

Auch im Bereich Public Health und Global Health sind die Jobs rar gesät. Besonders beliebte Arbeitgeber sind hier vor allem internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen – dementsprechend schwer ist es, dort einen Job zu ergattern.
Die online-Stellenmärkte von foring, der AGGE oder Entwicklungspolitik online bieten eine gute Orientierung zu den verfügbaren Stellen und geben ein Gefühl, welche Anforderungen an Ärzte im Entwicklungsdienst gestellt werden.


Und was kann man verdienen? Für Entwicklungshelfer richtet sich der Verdienst nach dem Entwicklungshelfergesetz. Zu einem Nettounterhaltsgeld von ca. 1.367 Euro kommen zahlreiche Leistungen wie Sozialleistungen, Flüge, Unterkunft vor Ort und Familienzuschläge. Deutlich mehr Geld können höherrangige Berater verdienen, z.B. bei der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), die im Auftrag der Bundesregierung Hilfsprojekte organisiert. Für ein Gehalt von bis zu 7.000 Euro ist dann aber auch eine Berufserfahrung von mehr als 10 Jahren gewünscht. Wer es bis in die Vereinten Nationen geschafft hat, bekommt meist nur eine befristete Stelle und arbeitet entweder in den Zentralen oder in Feldbüros in Afrika oder Asien. Dafür winkt ein Grundgehalt von 38.500 Dollar, die Bezüge unterliegen nicht der Einkommenssteuerpflicht und es gibt diverse Zulagen. Wer sich in eine Senior Position hochgearbeitet hat, kann sich über ein Gehalt von 8.000-10.000 Dollar pro Monat freuen. Doch egal wie viel man verdient, in die Entwicklungszusammenarbeit geht man sowieso nicht, um möglichst viel zu verdienen, sondern weil man für diese Arbeit brennt.

 

Lernen fürs Leben

Wer eine Zeit lang in der Entwicklungszusammenarbeit tätig war, wird mit dem tollen Gefühl belohnt, die Lebensumstände von Menschen verbessert zu haben, wenn auch meist nur im Kleinen. Doch nicht nur das, man gewinnt zahlreiche Erfahrungen, die auch im deutschen Klinikalltag hilfreich sein können.

Dr. Reinhard Klinkott, der für ein halbes Jahr in der Kinderabteilung eines Klinikums in Tansania gearbeitet hat und mit Ärzte ohne Grenzen in einem Flüchtlingslager in Darfur (Sudan) tätig war, erzählt: „Im Ausland war ich besonders auf meine Hände und mein Stethoskop angewiesen – große Medizintechnik gibt es dort nicht. Das hilft mir auch heute noch im Klinikalltag.“ An alle, die mit dem Gedanken spielen, in die Entwicklungszusammenarbeit zu gehen, hat er folgenden Tipp: „Sammle zuerst zwei bis drei Jahre klinische Erfahrung und bereite dich mit Kursen und Seminaren gut auf den Auslandsaufenthalt vor – nur so wird das Projekt Entwicklungszusammenarbeit zu einer bereichernden Zeit für dich und die Menschen, mit denen du arbeitest.“

 


Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH):
Vermittelt qualifizierte Fachkräfte in Entwicklungsvorhaben in Afrika, Asien, Lateinamerika und den Ländern Mittel- und Osteuropas.
http://www.ageh.de/

Deutsches Institut für ärztliche Mission e.V. (Difäm):
Fördert unter anderem die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal.
http://www.difaem.de/

Forum für Internationale Gesundheit (foring):
foring berichtet unabhängig und ohne finanzielles Interesse über Konferenzen, Kurse, Stellenangebote und vieles mehr im Bereich der Internationalen und Globalen Gesundheit. Wer Interesse an diesen Themen hat, kann Mitglied werden und von den Erfahrungen der anderen Mitglieder profitieren. foring hat bisher über 100 Mitglieder, die zusammen 230 Jahre professionelle Erfahrung in 69 sog. Entwicklungsländern vorweisen. Über die Mitgliederdatenbank können gezielt Mitglieder kontaktiert werden, die in bestimmten Bereichen der Internationalen und Globalen Gesundheit ihre Erfahrungen gesammelt haben.
http://www.foring.org

Medico International:
Bietet Stellen und Praktika im Bereich Entwicklungshilfe.
http://www.medico.de/

EPO – Entwicklungspolitik online:
Bietet Jobs in den Bereichen Internationale Zusammenarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklungshilfe, Not- und Katastrophenhilfe, Umwelt- und Ressourcenschutz und nachhaltige Entwicklung.
http://www.epojobs.de/

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG):
Bietet Kurse und Weiterbildungen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit, dazu gibt es auch Stellenanzeigen.
http://www.dtg.org

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ):
Organisiert Hilfsprojekte im Auftrag der Bundesregierung und bietet eine Stellenbörse
http://www.giz.de/

Ärzte der Welt:
Führt Gesundheitsprogramme in fast 80 Ländern durch. Bietet offene Stellen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit.
http://www.aerztederwelt.org

Akademie für globale Gesundheit und Entwicklung (AGGE):
Zusammenschluss der Missionsärztlichen Institute Tübingen, Heidelberg und Würzburg. Bietet Fortbildungen und Seminare im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Public Health. Hat zudem eine Stellenbörse.
http://www.agge-akademie.de/startseite.html

Das Global Health Projekt der bvmd:
Ein Netzwerk studentischer Gruppen, die sich mit globaler Gesundheit beschäftigen:
http://bvmd.de/arbeit/scoph/gandhi/

 

 

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