• Reportage
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  • Dr. Dr. Oliver Blume
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  • 16.03.2015
  • Entwicklungshilfe Burundi - Foto:Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

    Ein kaputtes Narkosegerät wird in Teamarbeit wieder repariert. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

     
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    Dr. Dr. Oliver Blume und Gunther Au-Balbach von der Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. während einer Operation in Burundi. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Einheimische Ärzte werden während der Operationen geschult. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Dr. Bonaventure (Foundation Stamm, burundikids e.V.), Intensivschwester Caro aus Uganda, Dr. Emma, Dr. Liese (Krankenhausdirektorin CMH, Foundation Stamm) Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Dr. Emma intubiert einen Patienten. Dabei fließt der Schweiß, denn im OP-Saal herrscht eine unglaubliche Hitze. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Einer der kleinen Patienten kurz nach der Operation. Der kleinste Patient war gerade erst acht Wochen alt. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    47-Jahre alter Mann, der sein Leben lang nur „Spalte“ genannt wurde. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Nach der erfolgreichen vierstündigen Operation. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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  • Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

    Mädchen mit Lippenspalte. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Nur noch eine kleine Naht erinnert an die vorherige Entstellung. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Ein Mann vor der Operation. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Der selbe Mann drei bis vier Tage nach der OP. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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Den Menschen ihr Lächeln zurückgeben – Behandlung von Patienten mit LKG-Spalten

Viele Afrikaner, die an einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte leiden, haben kein Geld für eine teure Operation. Um ihnen zu helfen, reiste ein Ärzteteam der Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. nach Burundi. Was sie bei ihrem Einsatz erlebten und welche langfristigen Ziele sie gemeinsam mit burundikids e.V. verfolgen, erzählt Dr. Dr. Oliver Blume.

In dem kleinen Operationssaal des Partners vor Ort, Fondation Stamm, im Centre Médical Hippocrate (CMH) Krankenhaus in Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi (Ost-Afrika) herrscht hektisches Treiben. Wir packen die medizinischen Geräte aus, die wir mit Hilfe von Prof. Dr. Frank Feyerherd, Vorstand der Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V., schon im Vorfeld von Deutschland hierher liefern ließen. Mit flinken Händen schneiden wir die Kartons auf, denn im Wartezimmer sitzen schon unzählige Hilfesuchende, die aus vielen Teilen des Landes zu uns gekommen sind: aus der Hauptstadt Bujumbura und ihrem ländlichen Umfeld, aus Ngozi im Norden und Rumonge im Süden, jeweils drei oder mehr Stunden mit dem Bus entfernt. Sie alle leiden unter ihrer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG-Spalte) und haben meist über das Radio erfahren, dass wir mit unserem Ärzteteam kommen, um ihnen zu helfen.

„Oh nein“, höre ich plötzlich einen meiner Kollegen rufen. Als ich zu ihm hinüber schaue, sehe ich das Unglück: Der Monitor eines unserer beiden Narkosegeräte ist auf dem langen und wahrscheinlich etwas turbulenten Weg zerbrochen. Anstatt zum Skalpell, greifen wir Chirurgen nun also erstmal zu Zange und Imbus, um aus den beiden Geräten ein funktionierendes zusammenzuschrauben. Unter großem Applaus der Krankenschwestern können wir das Narkosegerät dann tatsächlich in Betrieb nehmen. Ist da nicht an meinem Team ein Handwerkertrupp verloren gegangen?

 

Berührende Schicksale mit Happy End

Obwohl ich schon viele Jahre nach Afrika reise, um Menschen mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zu operieren, war mein letzter Einsatz mit dem Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. und burundikids e.V. in Bujumbura ein ganz besonders prägendes Erlebnis. Denn die Menschen in Burundi, das jahrelang vom Bürgerkrieg gebeutelt war, haben täglich mit bitterer Armut zu kämpfen. Der Gang zum Arzt oder gar in ein Krankenhaus ist für viele einfach nicht bezahlbar. Schon gar nicht, wenn es um eine Operation, wie den Verschluss einer LKG-Spalte geht.

Ohne meinen langjährigen Wegbegleiter, den erfahrenen Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen aus Solingen, Gunther Au-Balbach, und unseren Anästhesisten aus Uganda, Dr. Emma, mache ich keine Operationen im Ausland. In den 13 Jahren, die wir zusammen operieren, hat es, toi toi toi, noch nie Komplikationen gegeben. So ist auch die Operation eines 47-Jahre alten Mannes ohne Komplikationen verlaufen. Ich habe schon viele Spalten operiert. Aber als ich auf diesen Mann mit seiner extrem breiten bilateralen Spalte traf, musste auch ich kurz schlucken. Mit dem Übersetzer fragte ich ihn nach seinem Namen. „Spalte“ war die Antwort. „Nein“, erwiderte ich, „ich meine nicht die Erkrankung, ich möchte seinen Namen wissen.“ Mit traurigen Augen sagte der Mann, dass er von Geburt an immer nur Spalte genannt wurde und keinen anderen Name habe. Die Operation dauerte vier Stunden. Seine überglückliche Frau erkannte ihn danach kaum wieder und auch ich war sehr glücklich und zufrieden über das Ergebnis.

Besonders ans Herz gewachsen ist unserem ganzen Team ein 11-Jahre altes Mädchen, das mit ihrer dementen Mutter zur Operation kam. Da ihr Vater und alle sechs Geschwister verstorben sind, pflegt das tapfere Mädchen ihre Mutter alleine. Nachdem Verschluss ihrer Lippen-Kieferspalte war klar: Das Mädchen braucht weitere Unterstützung. Mit ihrem hübschen Gesicht wäre sie ohne familiären Schutz jeglichen Übergriffen hilflos ausgesetzt. Gemeinsam wollen der Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V. und burundikids e.V. mit dem Partner vor Ort nun dafür sorgen, dass das Mädchen zur Schule gehen und in einem sicheren Umfeld aufwachsen kann.

 

  • Entwicklungshilfe Burundi - Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

    Das 8 Monate alte Mädchen war mit ihrer Mutter da. Sie hatte eine komplette Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Der Gaumen soll in einem Jahr verschlossen werden. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

     
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    Eine erleichterte Runde nach den Operationen mit Dr. Dr. Oliver Blume. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Dr. Dr. Oliver Blume bei der Visite nach den Operationen. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Es ist selten, dass die Väter mit den Kindern zur OP kommen. Diesem Vater war seine Tochter so wichtig, dass er es sich nicht hat nehmen lassen, sie selbst zur Operation zu bringen. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Dr. Dr. Oliver Blume mit dem 11-Jahre alten Mädchen. Sie heißt übersetzt Zwilling. Ihre Geschwister sind alle verstorben. Auch ihre Zwillingsschwester. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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    Abreisetag: Auch die letzten Patienten gehen jetzt wieder in ihre Heimatdörfer zurück. Links: Leocardie, angehende MKG-Chirurgin, die von der Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. ausgebildet werden soll. Foto: Dr. Dr. Oliver Blume

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    Verana Stamm (Leiterin Foundation Stamm, burundikids e.V.) Foto: Dr. Dr. Oliver Blume, Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

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Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe

Man weiß nie, was einen im Ausland erwartet und ich war wirklich erstaunt, in diesem armen Land ein so gut organisiertes Krankenhaus vorzufinden. Da sind es oft auch Kleinigkeiten, die den stressigen Operationstag für mich und mein Team leichter machen: das stärkende Mittagessen, das wir jeden Tag von der Leiterin des Krankenhauses bekamen, hat uns oft über den 10-12 Stunden Tag gerettet. Oder die herzliche Stimmung, die ich so nur selten in einem Krankenhaus erlebt habe. Und weil alle so offen, lernbereit und wissbegierig waren, konnten wir eine angehende burundische Chirurgin und auch das Pflegepersonal schulen.

Besonders stolz bin ich auch auf Dr. Deus, unseren ugandischen Kollegen, dessen Ausbildung zum LKG-Chirurgen wir diesmal soweit abschließen konnten, dass er bereits mit meiner Assistenz zwei Patienten operieren konnte. Dass die Zusammenarbeit so gut klappt, ist sehr wichtig, denn es geht uns bei den Auslandseinstätzen nicht nur darum, direkt zu helfen und Patienten zu operieren, sondern vor allem auch darum, langfristige Hilfsprojekte aufzubauen. Und dafür ist es extrem wichtig, die Einheimischen mit ins Boot zu nehmen, damit sie irgendwann die Behandlungen selbst durchführen können und nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen sind.

 

Es gibt noch viel zu tun

Dieses Mal verlassen wir Burundi mit dem guten Gefühl, 20 Menschen ein Stück normales Leben zurückgegeben zu haben, aber auch mit einem großen Päckchen Arbeit: Wir kommen wieder – das ist klar. Unzählige Kinder und auch Erwachsene mit LKG-Spalte sind in Burundi unbehandelt. Wegen der schwierigen Bedingungen im nach jahrelangem Bürgerkrieg bitterarmen Land, hatte es bis dato noch gar keine koordinierten Einsätze für LKG-Patienten gegeben. Wir leisten in Burundi echte Pioniersarbeit. Es ist uns eine Herzensangelegenheit geworden im CMH eine Spaltsprechstunde für Betroffene einzurichten und eine permanente LKG-Station aufzubauen, wo burundische Chirurgen selbst die Operationen durchführen können.

Wir haben also noch viel zu tun, doch ich weiß, wofür ich die ganzen Strapazen auf mich nehme und meine Familie für zwei Wochen im Jahr alleine lasse. Wenn ich in Afrika bin, so ist das doch immer wieder für meine Frau und vor allem meine Kinder eine Zeit, in der sie sich Sorgen um ihren Papa machen. Aber wenn ich dann nach Hause komme und die Fotos von den Kindern und ihren Eltern zeige, wie sie nach der Operation voller Glück und Zuversicht wieder in ihrer Heimatdörfer gehen, bekomme ich doch immer einen dicken Kuss und einen stolzen Blick von meinen drei Kids.

 


Autor: 

Dr. Dr. Oliver Blume, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg in München, leitete vom 4. Februar bis 18. Februar das Ärzteteam des Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. in Burundi. Beim Operations- und Schulungseinsatz, der gemeinsam mit burundikids e.V. durchgeführt wurde, konnten im Krankenhaus „Centre Médical Hippocrate“ (CMH) des Partners vor Ort, Fondation Stamm, 20 Patienten von ihrer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte befreit werden.

 


Info:

Der Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V. hat schon jahrelange Erfahrung in dem Aufbau von langfristigen Hilfsprojekten. Seit 2002 wurden in zehn Ländern Anlaufstellen für Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LGK-Spalten) ins Leben gerufen. Je nach Entwicklungsstand werden nicht nur Operationen durchgeführt, sondern auch wichtige Folgebehandlungen wie Kieferorthopädie, (Sprach-)funktionstherapie und HNO angeboten. Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine fundierte Ausbildung der Ärzte, Chirurgen und Therapeuten gelegt. Langfristiges Ziel ist, dass die Behandlungen von Einheimischen durchgeführt werden können. Mit dem Partner burundikids e.V. hat der Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V. die besten Voraussetzungen, auch in Burundi ein nachhaltiges Projekt für LKG-Patienten aufzubauen. Der Verein, der sich seit 2003 für Kinderrechte und Bildung exklusiv in Burundi einsetzt, hat es geschafft, ein sehr gut funktionierendes Krankenhaus aufzubauen und ist vor Ort sehr gut vernetzt. So wird versucht sicher zu stellen, dass auch nach den Operationen weiter Kontakt zu den Patienten gehalten werden kann und sie zu einer Nachkontrolle wieder kommen können.

Mehr Infos zu Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V. und burundikids e.V.: www.spaltkinder.org und
www.burundikids.org.

 

Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.
Träger DZI-Spendensiegel
Stühlingerstr. 11
79106 Freiburg im Breisgau
Telefon 0761 137 976 0
E-Mail: info@spaltkinder.org

Spendenkonto
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE46 2512 0510 0008 4842 00

burundikids e.V.
Rheinauhafen
Agrippinawerft 6
50678 Köln
Telefon: 0221 - 169 473 96
E-Mail: buero@burundikids.org

Spendenkonto
GLS Bank
IBAN: DE50 4306 0967 4045 9481 00

 

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