• Bericht
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  • Astella/Fistula e.V.
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  • 05.11.2013
  • Visite - Foto: Dr. Barbara Teltschik Fistula e. V.

    Visite in der Klinik. Links Chefarzt Dr. Fekade Ayenachew, daneben Prof. Hampel und Frau Dr. Teltschik - Foto: Dr. Barbara Teltschik Fistula e. V.

     
  • Präoperative Visite - Foto: Dr. Barbara Teltschik Fistula e. V.

    Präoperative Visite - Foto: Dr. Barbara Teltschik Fistula e. V.

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  • Abschied im OP - Foto: Dr. Barbara Teltschik Fistula e. V.

    Abschied im OP. Abgebildet sind unter anderem Prof. Hampel (dunkelblond), Frau Dr. Teltschik (Brille) und der dortige Chefarzt Dr. Fekade Ayenachew - Foto: Dr. Barbara Teltschik Fistula e. V.

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Einsatz für Frauen in Äthiopien: Deutsche Urologen helfen im Hamlin Fistula Hospital

Eine junge Frau, die auf Grund eines Blasen- oder Nierenleidens mit dem Leben ringt – und eine urologische Behandlung ist nicht verfügbar. In Äthiopien gehört das selbst in der Millionen-Hauptstadt Addis Abeba zum Alltag. Die Urologen Univ.-Prof. Dr. med. Christian Hampel von der Universitätsklinik Mainz und Dr. Barbara Teltschik aus Stuttgart reisten im Spätsommer nach Äthiopien, um am Hamlin Fistula Hospital Hilfe zu leisten.

Dr. Barbara Teltschik ist im Vorstand des deutschen Vereins Fistula e. V., der das Hamlin Fistula Hospital in Äthiopien unterstützt. Hier erhalten geburtsverletzte Frauen kostenlos Hilfe, die auf Grund von Fisteln (Öffnungen zwischen Scheide und Blase bzw. Darm) an starker Inkontinenz leiden. In Äthiopien ein weit verbreitetes Problem: Jährlich entstehen ca. 9.000 neue Fälle. Die Gynäkologen am Fistula Hospital sind auf den operativen Verschluss der Fisteln spezialisiert. Obwohl dies in 92% der Fälle bereits nach der ersten Operation gelingt, bleibt ein Drittel der Patienten dennoch inkontinent. Hier hat sich beispielsweise die Blase soweit zurückgebildet, dass sie nicht mehr funktionstüchtig ist oder die Patientin erlitt ausgedehnte Verletzungen im Becken.

Dr. Teltschik berichtet: „Eine operative Wiederherstellung der Blase mit ihrer Funktion ist dann nicht mehr möglich, entweder droht eine bleibende ausgeprägte Harninkontinenz oder es kommt zur Nierenschädigung durch Harnwegsinfekte und Abflussbehinderung des Urins. Um hier zu helfen, haben wir schon seit langem nach einem deutschen Urologen gesucht, der vor Ort die dringendsten Fälle operiert und die Kollegen an der Klinik in Addis Abeba weiterbildet. Unser Partner Astellas Pharma hat uns bei der Suche unterstützt. Ich freue mich sehr, dass wir Prof. Hampel gewinnen konnten, der mit mir für zwei Wochen nach Addis Abeba gereist ist.“

Prof. Christian Hampel, der in Mainz seine Aufgaben als stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt für zwei Wochen hinter sich ließ, ergänzt: „Jemand, der dort helfen will, muss auch ohne das gewohnte hochmoderne Equipment operieren können. Es mangelt an den einfachsten Hilfsmitteln. Selbst Fäden, die dünner sind als die dort verwendeten, mussten wir selbst importieren. Daneben hatten wir Katheter und medizinische Instrumente im Gepäck, die wir mit einigen Mühen über den Zoll bringen mussten.“ Selbst ein einfacher Ultraschall ist in Äthiopien schwer zu bekommen. Die Klinik verfügt zwar über ein altes Gerät, aufgrund der dortigen Regelungen im Gesundheitssystem sind jedoch Radiologen für dessen Bedienung zuständig. Zwei Mal pro Woche kann ein externer Radiologe in die Klinik kommen, um die notwendigsten Ultraschalluntersuchungen durchzuführen. Eine einfache Dialyse ist in Äthiopien ein rares Gut, das nur mit großen finanziellen Mitteln zu bekommen und damit faktisch nicht verfügbar ist.

Insgesamt haben Prof. Hampel mit Dr. Teltschik und den ärztlichen Kollegen vor Ort acht Patientinnen behandelt. Der dortige Chefarzt Dr. Fekade Ayenachew konnte so bereits am zweiten Tag sein erstes Ileum-Conduit operieren. Dabei handelt es ich um eine Harnableitungs-Operation, bei der ein kurzes Dünndarmsegment ausgeschaltet wird, in das beide Harnleiter eingeleitet werden und das an der Haut fixiert wird. Der Urin fließt in einen Beutel, der auf die Haut geklebt wird, ab. Allerdings sind die Patientinnen dann an Addis Abeba gebunden, da die Beutel auf dem Land nicht verfügbar sind. Eine weitere Operation bietet für die Frauen eine einfachere Möglichkeit, da ein Leben ohne künstlichen Harnausgang möglich ist: der Mainz-II-Pouch. Dabei wird aus einer Dickdarmschlinge ein kleines Reservoir gebildet, in das die Harnleiter implantiert werden. Der Urin kann sich in dieser Tasche sammeln und wird dann zusammen mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Dies erfordert jedoch einen intakten Afterschließmuskel, was aufgrund der ausgedehnten Schädigungen selten ist. Prof. Hampel hat diese Operation selbst bei zwei Patientinnen durchgeführt und möchte die Fortbildung dazu bei seinem nächsten Besuch weiterführen.

Dr. Teltschik erläutert die Pläne für die weitere Unterstützung der Klinik: „Durch gespendete endoskopische Instrumente des Unternehmens Storz verfügen nun auch die Zweigkliniken über eine Mindestversorgung für Blasenspiegelung und Blasensteinbehandlung. Es fehlen jetzt noch zwei Lichtquellen, ein C-Bogen und OP-Instrumente zur Nierensteintherapie. Fistelpatientinnen leiden häufig unter Infektsteinen, große Kelchausgußsteine sind nicht selten und gefährden die Nierenfunktion. Das Knowhow für die Steintherapie nach Äthiopien zu bringen, stellt unsere zukünftige Aufgabe dar.“

Das Fistula Hospital behandelt nicht nur Patientinnen, sondern es leistet über so genannte Healthworker auch wichtige Hilfs- und Präventionsarbeit im Hinterland. Patientinnen lernen an der Klinik Lesen und Schreiben, um sie bei der Rückkehr in den Alltag und den Aufbau eines selbständigen Lebens zu unterstützen. Zudem sind Hebammenstützpunkte im Aufbau, um Geburtsfisteln bereits im Vorfeld zu verhindern. Das Unternehmen Astellas Pharma unterstützt die Klinik über Fistula e. V. bei ihrer wichtigen Arbeit – durch Spenden für die Ausbildung der Healthworker und Knowhow im Bereich Urologie. Weitere Spenden werden dringend benötigt.

 

Hier geht's zum Interview mit Professor Hampel

 

Spendenkonto

Fistula e.V.

IBAN: DE22 6639 1200 0041 0500 04

BIC (SWIFT-CODE): GENODE61BTT

Volksbank Bruchsal-Bretten

 

Facebook, Online-Shop und Autobiografie

Interessierte können sich seit kurzem über eine eigene Facebook-Seite regelmäßig über das Projekt informieren. Zudem hat Fistula e.V. unter

www.fistula.de

einen Online-Shop mit Schals und handgemachten Körben ehemaliger Patientinnen eröffnet. Hier und im Buchhandel ist auch die erste deutsche Biografie der Gründerin des Fistula Hospitals erhältlich: Dr. Catherine Hamlin, Das Krankenhaus am Fluss, Verlag BoD, ISBN 978-3-73223-234-5, 19,90 €. Der Erlös des Buches kommt zu 100% dem Fistula Hospital zugute.

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