• Bericht
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  • Christine Schmidt
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  • 18.06.2010

Famulatur in der Onkologie in Newcastle

Als sie im Sommer ihr Physikum bestanden hatte, freute Christine sich schon auf die Möglichkeit, im nächsten Semester eine Famulatur im Ausland starten zu können. In Australien, wo sie bereits ihr Pflegepraktikum absolviert hatte, erhielt sie erneut einen Praktikumsplatz: wieder in der Onkologie, ein Fach, das Medizinern viel abverlangt.

Vorbereitungen

Mein Krankenpflegepraktikum hatte ich in Newcastle Australien, absolviert; so bewarb mich direkt bei dem Arzt, dem ich damals schon in der Onkologie begegnet war. Zusätzlich bewarb ich mich noch in ganz Australien per E-Mail -jedoch erfolglos. Von jenem Onkologen erhielt ich aber sehr schnell eine positive Antwort, da er sich an mich - "the german girl" - erinnern konnte.

Seitens der Personalabteilung erfuhr ich sehr große Unterstützung, man schickte mir mehrere Formulare, die ich bearbeitete. Ich schloss eine Versicherung ab, beantragte ein Touristenvisum und schickte alles nach Australien zurück.

Der Bearbeitungsprozess in Australien zog sich recht lange hin, erst kurz vor Weihnachten hatte ich endgültig die Bestätigung für meine Famulatur in den Händen. Daraufhin kontaktierte ich meine Gastfamilie von damals, die sich freute, dass ich wieder nach Australien kommen würde und mich wieder zu sich für die Zeit meiner Famulatur zu sich einluden.

Famulatur in der Onkologie

Ich wohnte während der Famulatur etwas außerhalb von Newcastle. Nach Newcastle fuhr ich entweder mit dem Zug, oder ein Bekannter von Mona und Peter, meinen Gasteltern, der in Newcastle arbeitete, nahm mich mit zum Krankenhaus.

Das Krankenhaus selbst hat etwa 200 Betten. Es hat eine große und renommierte Onkologieabteilung, so dass ich viele Krebspatienten mit den verschiedensten Tumoren und in unterschiedlich weit fortgeschrittenen Stadien ihrer Erkrankung sehen konnte.

 

Foto: Christine Schmidt

Die Klinik - Alle Fotos von Christine Schmidt

 

Am ersten Tag wurde ich dem gesamten Onkologie-Team vorgestellt, das sich aus Ärzten vieler verschiedener Disziplinen zusammensetzte: Onkologen, Chirurgen, Pathologen und andere.

Mehrmals in der Woche fanden Meetings statt, bei dem fachübergreifend die weitere Behandlung und somit das Schicksal einzelner, oft nicht mehr kurativ behandelbarer, Patienten besprochen wurde. Bei besonders schwer erkrankten Patienten war man dankbar dafür, dass die Entscheidung über die weitere Behandlung gemeinsam gefällt wurde.

Ansonsten war ich bei den morgendlichen Visiten mit anwesend, die von den Assistenzärzten vorbereitet wurden. Die Assistenzärzte berichteten den behandelnden Oberarzt über die Verläufe der Patienten.

Noch spannender waren für mich die sogenannten Clinics, eine Art Sprechstunde für Patienten mit Krebserkrankungen. Meist wurde der jeweilige Patient von seinen Familienangehörigen begleitet, sodass das Behandlungszimmer regelmäig recht voll wurde.

Zunächst wurde der Patient nach einem kurzen Gespräch körperlich untersucht, abhängig von der Erkrankung auskultiert, die Lymphknoten palpiert, eine Stanzbiopsie entnommen oder neuste Radiologiebilder besprochen. Auch über die Toleranz der Chemotherapie oder Radiotherapie und die resultierende weitere Behandlung wurde gesprochen.

Die meisten Gespräche waren emotional sehr geladen, für viele würde das Leben in absehbarer Zeit zu Ende gehen, und meistens hatten die Patienten neben den offensichtlichen körperlichen Beschwerden größte psychosoziale Belastungen zu meistern. Für mich waren die Gespräche jedes Mal eine kleine Offenbarung; die Patienten breiteten oft ihr komplettes Seelenleben vor dem Arzt aus. Viele waren mit ihrem Latein am Ende, und nicht selten sagte ein Patient bezüglich schwieriger Entscheidungen, die über seine letzten Monate entscheiden würden: "Ich weiß nicht was ich machen soll - was würden Sie tun, Doc?"

Ich habe so viele Gespräche mit erlebt und hatte das Gefühl, dass Onkologie sehr viel Einfühlungsvermögen und psychologisches Geschick abverlangt. Onkologen sind sehr "nah" am Patienten und können wirklich helfen. Das kann sicherlich sehr erfüllend sein, auch wenn man sich in der Onkologie mit dem Gedanken anfreunden muss, dass man wenige Patienten heilen kann. Ein Onkologe begleitet seine Patienten oftmals über viele Jahre im Kampf gegen den Krebs. Und selbst dann, wenn er alles in seiner Macht stehende unternimmt, kann es trotzdem passieren, dass der Krebs die Oberhand gewinnt.

Ich durfte an einem Tag in den OP und bei einer Mammaresektion zusehen. Eine komplette Woche verbrachte ich außerdem in der Hämatologie Clinics, wo sich Patienten mit - oft stabilen weil chronischen - Leukämie und anderen Blutbilderkrankungen vorstellten. Die Gespräche verliefen nicht ganz so dramatisch, da die Krankheit meist im Griff zu halten war, nicht wenige Patienten kamen "nur" zur regelmäßigen Kontrolle ihrer Blutwerte.

Freizeit

Nach der Arbeit konnte ich mit dem Bus an der Strand fahren und baden gehen. Oder ich ging bei den Nachbarn im Pool baden.

Wenn ich zu meinen Gasteltern kam, waren meistens Freunde und Nachbarn auf Wein oder Bier mit Crackern und Käse zu Besuch - wir alle saßen im dann im Garten. Die Aussies sind ein unglaublich nettes und gastfreundliches Volk, meistens sehr entspannt und besonnen. Sie sind mir wirklich immer sehr herzlich begegnet. Nicht zuletzt durch meine Gastfamilie wurde ich schnell integriert, und fühlte mich dort wie Zuhause.

 

Foto: Christine Schmidt

Die Stadt

 

Am Wochenende luden mich die Nachbarn auf ein Konzert in den Weingärten im Huntervalley ein, ein anderes Mal erkundete ich die Gegend mit dem Mountainbike, fuhr an den Strand oder ritt mit den Pferden der benachbarten Farm aus.

Australien ist das Land, in dem jeder, der Sport, Strand und "The Great Outdoors" liebt, genau richtig ist - das Wetter ist ideal um sich permanent im Freien auszuhalten.(Cave: immer Sonnencreme benutzen!!!)

Fazit aus meinem Aufenthalt

Ich kann jedem eine Reise nach Downunder nur empfehlen. Am besten bringt Ihr ein bisschen Zeit mit, damit Ihr Euch das Land anzuschauen und in das Leben außerhalb des Krankenhauses eintauchen könnt. Denn das Leben wird dort ganz gemäß einem gelebt herrlichen Motto:

"No Worries, Mate!"

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