• Bericht
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  • Alexander Wolff
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  • 21.02.2005
  • Milsons Point - Foto: Alexander Wolff

    Milsons Point bei Nacht - alle Fotos: Alexander Wolff

     
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  • Royal North Shore Hospital - Foto: Alexander Wolff

    Das Royal North Shore Hospital

     

Dermatologie-PJ in Sydney, Australien

Alexander hatte bereits zwei Jahre zuvor eine Famulatur im australischen Outback gemacht - und war begeistert von Land und Leuten. Schon damals beschloss er, für sein PJ wieder nach Australien zu gehen. Die entspannte Arbeitsatmosphäre seitens des medizinischen Personals und der Patienten gefiel ihm sehr und außerdem ist Australien für ihn ein wunderbarer Ort zum Reisen und Leben!

Da ich Allgemeinmediziner werden will, und in meinen Famulaturen sowie sogar im Privatleben („Schau mal, was ist das für ein Fleck?“) ständig mit Hautkrankheiten in Berührung kam, aber während des Studiums sehr wenig Derma gelernt hatte, dachte ich, es wäre sinnvoll, das im PJ zu vertiefen. Welches Land bietet sich besser an als Australien, wo die weiße eingewanderte Bevölkerung achtlos in einem Land lebt, wo die Ureinwohner schwarz sind!

 

Vorbereitungen

Ich habe mich nicht extra vorbereitet, praktische Tips wären jedoch:

  • Das Buch „Englisch für Mediziner“ (Thieme)
  • Das deutsche Handy mitnehmen, aber eine australische SIM-Karte kaufen. Gibt es für 30 AU$ (~20 EUR) inkl. 30 $ Gesprächsguthaben, von allen 4 großen Anbietern (Telstra, Vodaphone, Optus, Virgin-Mobile). GSM-Netze wie daheim, deutsche Handys funktionieren hier also wunderbar.
  • Die Unterkunft kann man übers Netz auch schon im vorhinein buchen, die Sekretärin des RNS-Hospitals schickt einem eine handliche Liste mit accommodations.

Beworben hab ich mich schon 2 Jahre vorher, da ich ein umfangreiches Auslands-PJ-Programm vor mir hatte, und alles koordiniert werden mußte. Ich habe auf Anhieb Wunsch-Abteilung, -Krankenhaus und -Datum bekommen. Wer flexibler ist, findet vielleicht auch 3 Monate vorher noch etwas in Sydney. Sinnvoll ist 1 Jahr Vorlauf, es dauert eh ewig, bis man alle Papiere zusammen hat:
Führungszeugnis, Auslands-Krankenversicherungsnachweis, Letter of Recommendation (Empfehlungsschreiben des Dekans in Englisch), berufliche Haftpflichtversicherung.

 

Fachliche Eindrücke

Die dermatologische Abteilung des Royal North Shore-Hospitals (das größte Krankenhaus für North-Sydney) hat keine eigene Station, sondern verteilt die Patienten auf verschiedene andere Stationen, je nach medizinisch relevanten Begleiterkrankungen. Dafür gibt es aber eine Outpatient-clinic, also ambulante Betreuung. Hier ist man als PJler die meiste Zeit beschäftigt und bekommt wesentlich mehr Patienten zu sehen, als das auf einer Station möglich wäre.

Fachlich sind die Australier auf dem gleichen Niveau wie die Deutschen, die Krankheitsbilder entsprechen auch denen bei uns in Häufigkeit und Verteilung. Während meiner Zeit habe ich hauptsächlich Patienten mit Psoriasis, atopischer Dermatitis, Allergien, Hautkrebsen (meist Basaliome, Spinaliome, Melanome), weniger häufig Alopezia, bullöse Erkrankungen und Lupus und Konsorten gesehen.

Die Arbeitswoche im RNS in der Derma ist sehr angenehm, man muß nicht immer an allen Visiten, Sprechstunden und Meetings teilnehmen, kann aber alles machen, was man will. Arbeitszeiten sind von 8 bzw. 9 Uhr bis 16:30, man kann aber oft auch später kommen und früher gehen, wenn es einen Grund gibt.

Dienstags gibt es immer eine sog. Grand round, das ist eine Art Vorlesung mit case report, zentral organisiert, zu der alle Abteilungen eingeladen sind. Davor gibt es ein leckeres kostenloses lunch-Buffett. Das ist zwar nicht gerade genau wie PJ-Unterricht, aber auch der ist ja in Deutschland äußerst unterschiedlich...

Das Klima in der Abteilung ist äußerst angenehm, keine Hierarchie, freundschaftliches Arbeiten und motivierte Kollegen. Es gibt einen Chefarzt, diverse consultants (Fachärzte, die ihre eigene Praxis haben, und nur 1x/WO zur Sprechstunde kommen) und 3 registrars, also Assis, die jeden Tag da sind und die eigentliche Arbeit leisten.
Ich war der einzige PJler, allerdings lief zu meiner Zeit der wöchentliche Studentenkurs der Uni Sydney, an dem ich auch teilgenommen hab und so eine gute Portion Lehre abbekommen hab, da der Chef selbst unterrichtet.

 

Was es zu tun gab...

Meine Tätigkeiten haben sich hauptsächlich auf "Dabeisein" beschränkt und Diagnosen stellen. Da in der Outpatient clinic ein schneller Durchlauf herrscht, ist eh nicht mehr möglich. Die Ärzte selbst schauen ja auch nur kurz drauf, stellen die Diagnose und schreiben ein Rezept oder erklären Therapiekonzepte.
Ab und zu durfte ich nähen (bei Hautkrebs-Exzision), oder unter dem Mikroskop mal nach Hautpilz suchen. Ansonsten geht es im Derma-PJ um's Dabeisein und immer mit auf die Effloresszenz schauen.

 

Sprachprobleme mit Ärzten und Patienten

Da mein Englisch wegen mehrerer Auslandsaufenthalte recht gut ist, hatte ich keine Probleme hier. Mit-PJler aus anderen Abteilungen berichten aber, daß der Aussie-Slang schon ein bißchen Gewöhnung braucht. Nach 2-3 Wochen kommen aber die meisten gut mit dem Akzent klar.

In der Derma geht es eh nicht so sehr um reden, Blickdiagnosen lassen sich mit 1-2 simplen Fragen bestätigen. Die Ärzte sprechen im Allgemeinen ein sehr sauberes (australisches) englisch, viele von Ihnen kommen auch aus Ländern wie China, England, Schweden etc. (Auch beim ärztlichen Personal merkt man, daß Australien ein Einwanderungsland ist.)

Wenn man nicht gut englisch kann, ist niemand böse. Meine Erfahrung ist, daß ca. ein Drittel der Patienten ein schlechteres Englisch als ich gesprochen hat, da ja die meisten in Sydney wie gesagt Einwanderer sind.

Da man die umfangreiche lokale medizinische Bibliothek mitbenutzen darf hat man kostenlosen Zugang zur englischen Literatur und kommt schnell ins Fachenglisch rein.

 

Beziehung zur Bevölkerung

Die Australier sind ein sehr angenehmes Volk. Es macht Spaß, in dem Land zu arbeiten! Australier sind von Natur aus „relaxed“, ohne dabei gleichgültig oder uneffektiv zu werden.

Die Hierarchie ist meist sehr flach, Ausländer werden neugierig und freundlich empfangen. Australier sind sehr hilfsbereit, immer nett und zu einem Gespräch bereit und sehr stolz auf „ihr“ Land und ermutigen einem zum Rumreisen.

Ich denke, das einzige Problem in Australien ist, daß man ständig auf Deutsche trifft, speziell deutsche Mediziner. Man muß schon relativ absichtlich den Kontakt zu den eigene Landsleuten meiden, um wirklich ins Land eintauchen zu können. Andererseits ist man ja auch froh, ein paar Deutsche PJler um sich zu haben, um Erfahrungen und Eindrücke auszutauschen.

 

Gesundheitssystem und medizinische Ausbildung

Ich denke, für ein PJ sind Details über die Gesundheitsversorgung nicht so wichtig, deswegen nur kurz: Australiens Gesundheitsversorung ist fachlich und qualitativ mit der deutschen vergleichbar. Oft scheint es mir, als ob Australien ca. 10 Jahre hinter Deutschland steht, was die finanziellen Rationalisierungen und Schließungen angeht. Das Gesundheitssystem ist staatlich organisiert und orientiert sich am englischen System (steuernbasiert). Fast jeder ist pflichtversichert, viele haben eine private Zusatzversicherung.

 

Art und Kosten der Unterkunft

Die Sekretärin des RNS-Hospitals stattet die PJler bereits per Email mit einer Liste mit Unterkunftsmöglichkeiten aus. Im reichen North-Sydney, einer schönen, leicht hügeligen Wohngegend mit diversen Büro-Zentren sind die Mieten recht teuer, aber es gibt eine Reihe von backpackern, hostels und student accommodations.
Ich habe für 210 AU$ die Woche gelebt (Greenwich Village Accommodations), 7 min. zu Fuß vom Krankenhaus entfernt, im 2er Zimmer (mit belgischem Zimmernachbar). In dem hohen Preis war DSL-Internet, umfangreiches Frühstück sowie Mensa-artiges Abendessen mit Nachtisch und Salatbar inklusive. Ich mußte nicht einkaufen, kochen oder abwaschen.
Die tägliche Zeitersparnis hab ich in Ausflüge in Sydney und Umgebung investiert, was tausendmal besser war. Es stehen eigentlich bei allen Unterkünften immer laundry facilities (Waschmaschinen + Trockner) für 2-3 $ pro Trommel zur Verfügung.

 

Lebenshaltungskosten

Sydney ist eine Traumstadt, aber sehr teuer.

Garantierte Kosten sind:
- Flug wenn man günstig bucht ab 800 EUR, häufig eher 1.150 EUR.
- Das PJ kostet (Dez. 04) insgesamt 750 AU$ für 8 Wochen, zahlbar ans Krankenhaus im voraus, z.B. per Kreditkarte.
- Wohnen (mit Glück 80 $/Wo, realistischer 120-300 $/Wo, je nach Komfort, die meisten hatten was für 150 $/Wo exkl. Essen)
- Bus/Bahnticket: 22 $/Wo für nur Bahn, 30 $ inkl. Bus oder 40 $ für die große Zone.
- Telefonkosten fürs Handy (SMS 0,25 AU$, 1 min. nach BRD ca. 0,75 AU$)
- Essen ist ca. so teuer wie in Deutschland.
- Visum ca. 200 AU$, ein kostenloses Touri-Visum reicht (s.u.).
- Eintritte in Sehenswürdigkeiten, Kino, Bars, Discos, Souvenirs etc. sind so teuer wie in Deutschland.
- Inlandsflüge sind sehr günstig, wenn man die Entfernungen berücksichtigt: von Sydney nach Melbourne, Brisbane, Gold Coast, Cairns, Adelaide kommt man für 80-160 $ one-way. Sowohl Quantas als auch Billigcarrier Virgin Australia und Qantas Antwort Jetstar bieten dauerhaft Sonderangebote an und sind bequem übers Netz buchbar.

 

Verkehrsverbindungen

Sydneys altes öffentliches Nahverkehrssystem Cityrail ist nicht besonders zuverlässig und zudem teuer, aber man hat keine Alternative, da die Stadt riesig ist.

Mehr zu Cityrail.

Zum Krankenhaus fährt ein Bus (144) direkt aufs Gelände, 100 m entfernt hält die Metro (St. Leonards Station), die einen in 15 min. (über die Harbour Bridge!) in die City bringt.

 

Devisen, Visa

Man kann fast überall mit Kreditkarte zahlen, EC-Karten sind nicht angesagt, außer zum Geld abheben am Automaten. Vor Abreise unbedingt die tägliche/wöchentliche Maximalmenge bei der Bank prüfen und rauf setzen, sonst steht man hier, nachdem man mal einen Inlandsflug per Karte bezahlt hat mit leeren Händen vor dem unwilligen Automaten!

Der australische Dollar steht momentan (Dez. 04) ca. 1,60 AU$ zum Euro.

Da Sydney und Australien allgemein sehr sicher sind, kann man gut mit einer Kombination aus Kreditkarte/EC-Karte und Bargeld leben und reisen. Traveller Cheques werden natürlich auch akzeptiert.

Für ein „clinical elective“, also Famulatur oder PJ-Abschnitt braucht man offiziell ein entsprechendes Visum, was man in der Botschaft in Berlin beantragt oder übers Netz:

Australian Government - Department of Immigration and Citizenship

Da das Krankenhaus aber nicht nachfragt, reicht ein kostenloses Touristenvisum (3 Monate gültig), was man automatisch mit dem Flugticket erhält. Ca. 75% der mit-PJler hatten solch ein Visum und niemand hat Probleme damit bekommen.

 

Rückblick und Fazit

Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt, ich habe die Arbeit hier sehr genossen, und auch privat eine tolle Zeit gehabt.

Das einzige Problem ist, daß ich als PJler Randgebiete wie Phlebologie und Venerologie hier nicht mitbekommen hab und das in Deutschland nachholen muß.

Ich kann nur jedem empfehlen, möglichst viel PJ im Ausland zu verbringen, so eine Chance hat man im medizinischen Leben nicht so schnell wieder! Sydney ist ein toller Ort für einen 8-Wochen Aufenthalt und die Zeit geht viel zu schnell vorbei...

Die Adresse des Krankenhauses:

RNS Royal North Shore Hospital
Pacific Hwy, St. Leonards
NSW 2065 Australia
Tel.: 61 2 99267111
Fax : 61 2 99267779

Zum Royal North Shore Hospital auf der Seite der University of Sydney.

Zum Royal North Shore Hospital auf der Seite des Northern Sydney Local Health District.

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