• Bericht
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  • Charlotte König
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  • 26.04.2010
  • Kopenhagen - Foto: Charlotte König

    Ein Kanal in Kopenhagen - alle Fotos von Charlotte König

     
  • Krankenhaus in Koge - Foto: Charlotte König

    Das Krankenhaus in Køge

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  • St. Hans Feier - Foto: Charlotte König

    Die St.-Hans-Feier (Midsomer)

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PJ-Tertial Chirurgie in Dänemark

Für ihr PJ-Tertial Chirurgie entschied Charlotte sich, nach Dänemark zu gehen. Sie suchte sich ein Krankenhaus in einem Vorort von Kopenhagen aus und machte sich drei Tage vor Beginn des Tertials mit dem Auto auf den Weg. Dort angekommen erlebte sie herzliche Menschen, ein Krankenhaus mit vielen Sekretärinnen und eine PJ-Zeit zwischen OP-Saal und Meer.

 

Foto: Charlotte König

Foto: Charlotte König

 

Motivation

Ich wollte mein chirurgisches Tertial gerne im Ausland verbringen und habe mich für Dänemark entschieden. Weiter könnte ich mir vorstellen einen Teil meiner Facharztausbildung dort zu machen und wollte vorweg austesten, wie es ist in Dänemark zu arbeiten.

 

Bewerbung

Im Dezember 2007 habe ich meine Bewerbung für das SOKRATES-Programm beim Internationalen Büro der Charité für Dänemark eingereicht. Nach ein paar Wochen bekam ich die Zusage für Kopenhagen. Die Immatrikulation in die Kopenhagener Uni und damit auch den Zugang zum studentischen Wohnungsmarkt organisierte das Programm. Gleich zu Beginn entschloss ich mich nicht direkt nach Kopenhagen zu gehen, sondern eine geeignete Stelle in der Region Seeland zu suchen.

Alle freien Stellen in den Lehrkrankenhäusern der fünf großen Regionen Dänemarks findet ihr hier.

So habe ich mich per E-Mail bei unterschiedlichen chirurgischen Abteilungen beworben. Insgesamt schrieb ich vier Bewerbungen auf Englisch nach Dänemark und bekam auf jede eine positive Antwort nach etwa einer Woche.

Nun hatte ich die Qual der Wahl, schließlich entschied ich mich dafür in eines der größeren Krankenhäuser zu gehen - in Køge, circa zwanzig Kilometer südlich von Kopenhagen. Das Krankenhaus stellte sich als sehr modern vor und hatte eine gute Anbindung an die S-Bahn - Station Ølby.

 

Visum

Für den Aufenthalt in Dänemark ist kein Visum erforderlich. Außerdem wollte ich insgesamt nur sechzehn Wochen in Dänemark bleiben und musste daher keine weiteren Formulare einholen oder mich irgendwo anmelden. Als ich mich aber entschloss nach der Hälfte des Tertials noch einen Dänisch-Kurs in Kopenhagen zu machen, meldete ich mich bei der Statsforvaltning (Ausländerbehörde) an, da EU-Bürger hierbei finanziell unterstützt werden.

 

Versicherung

Im Praktischen Jahr sind Medizinstudenten an der Charité von der Uni über die Feuersozietät Berlin berufshaftpflichtversichert. Ich informierte die Feuersozietät über meinen Auslandsaufenthalt erhielt eine Versicherungsbestätigung in englischer Sprache, die ich zum Glück nie gebraucht habe.

 

Anreise

Drei Tage vor Beginn meines Tertials machte ich mich von Berlin aus auf den Weg nach Dänemark. Ich fuhr mit meinem eigenen Auto, weil ich mein Fahrrad mitnehmen wollte. Zunächst ging die Fahrt nach Rostock und anschließend setzte ich mit der Fähre nach Gedser über. Tipp: Insbesondere im Sommer solltet ihr die Fähre im Voraus buchen. Die Überfahrt von Berlin nach Kopenhagen dauert etwas mehr als sechs Stunden.

In Kopenhagen angekommen, begrüßte mich meine Gastmutter sehr herzlich und bekochte mich gleich.

 

Unterkunft

Die Universität in Kopenhagen bot mir an ein Zimmer bei einer Gastfamilie für etwa 400 Euro im Monat an. Dieses Angebot nahm ich sofort an, da ich schon mehrfach gehört hatte, wie schwer es ist, in Kopenhagen für einen kurzen Zeitraum eine Unterkunft zu finden. Des Weiteren ist Kopenhagen sehr teuer und mein Zimmer in der Gastfamilie eines der Günstigsten. Ich wohnte in Valby, einem ruhigen Vorort von Kopenhagen. Das Zimmer befand sich in einem Einfamilienhaus, schön möbliert im skandinavischen Stil und bot auch sonst alles was ich brauchte - inklusive WLAN.

 

Sprache

Im Februar 2009 begann ich Dänisch zu lernen, angeboten von der Sprachbörse der TU Berlin. Zuerst belegte ich einen zweiwöchigen Intensivkurs, der sehr zu empfehlen ist und lernte danach einmal wöchentlich in einem Kurs weiter. So hatte ich die Sprache zumindest schon einmal gehört und konnte mich grob verständigen. Zu meinem Erstaunen haben die Ärzte vom ersten Tag an stets probiert, mit mir Dänisch zu sprechen, wofür meine zwei Sprachkurse in Berlin natürlich nicht ganz ausreichten.

Nach der Hälfte meiner Zeit habe ich mich noch bei einem Sprachkurs angemeldet, zu dem ich dann zweimal wöchentlich ging. So kann ich nach sechzehn Wochen Dänemark fast alle Gespräche verstehen und mich recht fließend unterhalten. Nur Mut, das ist dann gar nicht mehr so schlimm! Sehr positiv an einem Sprachkurs in Dänemark ist unter anderem, dass bis auf 500 DKK (circa 67 Euro) alles von den dänischen Behörden bezahlt wird.

Sprachkurs in Dänemark

 

Tätigkeitsbeschreibung

Am ersten Tag meines Praktikums erwartete mich bereits meine Betreuerin am Eingang der Klinik und begrüßte mich herzlich. Sie sprach ganz selbstverständlich Dänisch mit mir wie auch die Ärzte, denen ich noch begegnen sollte. Das war am Anfang ganz schön hart, aber zum Glück verstand ich die ersten Erläuterungen beim Rundgang durch die sehr moderne Klinik dann auch fast ohne fundierte Sprachkenntnisse.

Das Krankenhaus war sehr modern, gut ausgestattet und auf das äußerste Wohl der Patienten bedacht. Persönlich fielen mir die unzähligen Sekretärinnen auf.

Nach dem Rundgang durch das Krankenhaus erhielt ich meine Arbeitskleidung, was in Dänemark nicht nur Kittel mit kurzen Ärmeln und Hose bedeutet, sondern auch T-Shirts, Socken und Schuhe - bei Bedarf auch Unterwäsche. Ein paar Tage fand ich dann vor meinem Spind noch einmal zusätzlich zehn Garnituren Arztkleidung mit meinem Namen.

 

Tagesablauf

Jeder Morgen begann mit der Morgenbesprechung um 8:00 Uhr. Dort werden alle Fälle der Nacht und des letzten Nachmittages sowie Problemfälle erörtert. Danach gehen alle Chirurgen in die Röntgenabteilung, wo dann auch noch mal zehn Minuten Besprechung abgehalten werden. Beides gestaltete sich eher locker und mit viel Lachen - im Gegensatz zu meinen persönlichen Erlebnissen in Deutschland. Anschließend ging jeder Chirurg zu der Station, wo er eingeteilt war.

Es gab zwei Operationssäle im 1. Stock in der eigentlichen Operationsabteilung, zwei Operationssäle in der Tageschirurgie für Gallenblasen-OPs, Hernien- OPs und Analoperationen, zwei Räume, in denen Sprechstunde gehalten wurde, eine endoskopische Abteilung mit fünf Endoskopiesälen sowie zwei größere Bettenstationen, die A1 und A2. Ich durfte während meiner Zeit oft selber wählen, wohin ich gehen wollte.

Zu Beginn nahm ich viel an Operationen teil, dort war es mit der Sprachbarriere nicht ganz so schlimm und die Begriffe für die Assistenz bei OPs lernte ich schnell. Während der Sommerferien lief das ganze Krankenhaus nur mit der Hälfte der Belegschaft und einem sehr reduzierten Operationsplan. In dieser Zeit habe ich oft die Chance genutzt, in den benachbarten Orthopädiesälen zuzusehen oder bin mit einem der Anästhesisten mitgelaufen. In meinem gesamten PJ-Tertial habe ich etwa drei Nachtdienste mitgemacht, was ich persönlich sehr interessant fand und auf jeden Fall zu empfehlen würde.

Ein festes Ritual im Klinikablauf ist das Mittagessen "frokost". Dafür gibt es eine sehr gute Kantine mit Buffet-Mittagessen für 20 DKK (etwa 2,70 Euro). Beim Mittagessen treffen sich alle Kollegen und sitzen mindestens eine halbe Stunde zusammen. Auch hier herrschte eher eine lockere Stimmung. Allerdings war es zu Beginn aus sprachlichen Gründen ziemlich schwer für mich den Humor zu verstehen.

Generell herrschte ein gutes Arbeitsklima. Ich arbeitete durchweg mit netten und herzlichen Menschen zusammen. Trotzdem war es nicht ganz leicht mit den Dänen Freundschaften zu schließen.

 

Freizeit

Gleich zu Anfang suchte ich mir in meinem Wohnort ein Fitnessstudio. Das ist in Dänemark ganz einfach geregelt: Jeder kann sich dort monatsweise anmelden und auch ohne Komplikationen direkt wieder kündigen.

Fitnessstudio

Im Sommer ist natürlich die Nähe zum Meer besonders reizvoll. So kam es, dass ich mich bei warmem Wetter oft auf den Weg zum Wasser begab. Sowohl in der Innenstadt von Kopenhagen als auch in der Nähe des Krankenhauses gab es viele schöne Zugänge zum Meer.

Kopenhagens Innenstadt ist sehr schön, aber leider auch sehr teuer, so dass ich mir nicht viel nebenbei leisten konnte. Zu ein paar dänischen Backwaren konnte ich allerdings nie nein sagen. Eine Kanal- und Hafenrundfahrt sollte jeder, der Kopenhagen besucht, aber gemacht haben und mit etwa 60 DKK (etwa 8 Euro) ist diese gar nicht so teuer.

Tipp: Keinesfalls verpassen! Die St. Hans-Feiern zum Sommerbeginn.

 

Fazit

Entgegen meiner Erwartungen hatte niemand in Dänemark Vorbehalte gegen Deutsche. Überall wurde ich sehr herzlich empfangen und freundlich begrüßt. Meine Gastfamilie war ebenfalls sehr gastfreundlich und bescherte mir eine angenehme Zeit.

In meinem Tertial selbst fühlte ich mich gut aufgehoben, es herrschte ein gutes Miteinander und ich habe viel gelernt. Nachteilig war es, dass Dänemark sehr teuer ist und im Sommer praktisch keine anderen Studenten zu finden sind - weder dänische noch ERASMUS-Studenten. Aber trotzdem kann ich ein Tertial in Dänemark nur empfehlen.

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